Normalerweise setzt NEOS-Klubobmann Yannick Shetty auf Tiktok selbst die Themen: Fast täglich teilt er dort politische Statements mit seinen mehr als 71.000 Followerinnen und Followern. Im Tiktok-Livestream des Parlaments war es diesmal umgekehrt: Im Rahmen des Jahresschwerpunkts "teilhaben teilsein" stellte er sich den Fragen der Parlamentscommunity. Themen waren unter anderem, warum er ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige wichtig findet, warum er der Diskussion über eine Viertagewoche nichts abgewinnen kann und wie er Kontakt zu Abgeordneten anderer Parteien pflegt.
Yannick Shetty in "Fragestunde": Gehe auch mit Grün und Blau etwas trinken
Den ganzen Livestream von Donnerstag, 30. April, können Sie auf Youtube nachsehen. Im nächsten "Fragestunde"-Livestream am 26. Mai stellt sich die grüne Abgeordnete Alma Zadić den Fragen der Community.
Fehlende junge Abgeordnete und Hass im Netz
Die Frage, inwiefern die 183 Abgeordneten im Nationalrat die österreichische Bevölkerung widerspiegeln, kam zu Beginn des Gesprächs auf: Shetty, heute 31, zog mit 24 Jahren in den Nationalrat ein und war schon damals einer von wenigen jungen Abgeordneten. Dass die unter 30-Jährigen auch heute nur knapp drei Prozent der Abgeordneten stellen, aber laut Statistik Austria im Jahr 2025 17 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung ausmachten, findet Shetty eine Schieflage. Sie könne sich etwa bemerkbar machen, wenn es um das von der Regierung geplante Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige geht: "Ich glaube, hier herinnen (im Parlament, Anm.) weiß man zwar mittlerweile, was Tiktok ist, aber wie sich junge Menschen darauf bewegen und wie die Plattform funktioniert, da haben die wenigsten eine Ahnung."
Auf das geplante Verbot angesprochen, spricht Shetty nicht von Einschränkung, sondern von "Freiheit": "Wir wollen einen Freiraum schaffen für unter 14-Jährige vor sozialen Medien". Social Media könne süchtig machen, lasse die Grenzen zwischen "echt" und "fake" manchmal verschwimmen und setze junge Menschen gewalt- und hassverherrlichenden Botschaften aus. Für wichtiger hält es Shetty, dass Kinder und Jugendliche ihre sozialen Kompetenzen im "echten" Leben weiterentwickeln können, ob nun am Schulhof oder in der Freizeit.
Politische Inspiration via Youtube
Wie nützlich und prägend digitale Medien gleichzeitig sein können, zeigt sich im Falle Shettys anhand eines Youtube-Videos. Als Maturant sieht er sich dort eine Rede von NEOS-Gründer Matthias Strolz an. "Ich fand das so packend. Diese andere, authentische Art, über Bildungspolitik zu sprechen", erinnert er sich. In der Folge schrieb er Matthias Strolz eine E-Mail, erzählt er, und begann auf Einladung, sich politisch zu engagieren. Und was empfiehlt Shetty jungen Menschen, wenn es sie ebenfalls in die Politik zieht? "Lern etwas, egal ob Tischler oder Jurist. Irgendetwas sollte man lernen, bevor man irgendwann von der Politik abhängig ist." Shetty selbst schloss ein Jusstudium ab.
Shetty kritisch bei Viertagewoche
Gefragt nach dem Ruf vieler junger Menschen nach mehr Freizeit abseits eines stressigen Jobs oder von Leistungsdruck in der Schule, betont Shetty, dass auch er drei Tage Wochenende "natürlich cool" fände. Die Diskussion über eine "pauschale" Viertagewoche hält Shetty aber für "total verfehlt" und ein "Todesurteil für unsere Wirtschaft" und erläutert: "In einer Zeit, in der unser Wohlstand in Gefahr ist, ist es eine falsche Debatte, der Wirtschaft Arbeitskraft zu entziehen."
Auf ein Bier mit "Grün bis Blau"
Dass Shetty als Abgeordneter arbeiten kann, hält er für ein großes Privileg. Der "Wiener mit Tiroler Migrationshintergrund" sieht sich selbst als bodenständig an: "Ich bin nicht privilegiert aufgewachsen und habe einen ganz normalen Freundeskreis aus Menschen, die nicht in der Politik tätig sind." Strategischer ist dafür sein politisches Netzwerk angelegt: Koalitionsbedingt sei der Austausch mit ÖVP und SPÖ besonders eng. Aber auch mit manchen Kolleginnen und Kollegen "von Grün bis Blau" gebe es eine "gewisse Vertrauensbasis" – man könne "auf ein Bier oder einen Kaffee gehen" und sich etwas ausmachen. Dieser überparteiliche Austausch sei wichtig für die Demokratie. Auch zwischenmenschlich hält Shetty fest: "Jemand kann bei einer ganz anderen Partei sein und trotzdem ein netter Mensch."