News in einfacher Sprache 13.05.2024, 16:48

155 Jahre Parlamentsbibliothek

Die Parlamentsbibliothek gibt es dank Kaiser Franz Joseph I. Er hat sie durch eine "Allerhöchste kaiserliche Entschließung" gegründet. So hat man Entscheidungen des Kaisers genannt.

Damals hieß das Parlament Reichsrat. Die Abgeordneten hatten sich die Bibliothek dringend gewünscht. Sie wollten einen Ort im Reichsrat haben, an dem sie Informationen bekommen.

Ein Blick in den Lesesaal der Reichsratsbibliothek um 1890.

Früher gab es auch den Staatsrat. Das war eine Behörde, die die Monarchie beriet. Der Staatsrat hatte eine Bibliothek, aber er wurde 1868 aufgelöst.

Damals war Moriz von Kaiserfeld Präsident des Reichsrats. Er fand, dass die Bibliothek des Staatsrates gut für den Reichsrat passt.

Die Reichsrat-Bibliothek hat 6.000 Bücher vom Staatsrat übernommen. Sie ist dort geblieben, wo der Staatsrat war: in der Bankgasse 10 in Wien.

Das Reichsrats-Gebäude war am Schottentor. Es wurde "Bretterbude" genannt. Es war kein gut gebautes Gebäude und es wurde nur vorübergehend genutzt. Dort gab es keinen Platz für eine Bibliothek.

Das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße wurde ab 2. September 1874 gebaut. Als es fertig war, ist die Bibliothek dorthin gekommen.

Wichtige Personen für die Parlaments­bibliothek

Sigfried Lipiner wurde mit 24 Jahren der jüngste Direktor der Parlamentsbibliothek. Er war auch am längsten Direktor: von 1881 bis 1911.

Unter seiner Leitung hat die Bibliothek mehr Bücher gekauft und es gab mehr Personal.

Sigfried Lipiner war zu seiner Zeit eine der wichtigsten Personen für die Kultur in Wien. Er hatte zum Beispiel Kontakt zum Psychologen Friedrich Nietzsche und zu den Komponisten Richard Wagner und Gustav Mahler.

Siegfried Lipiner war von 1881 bis 1911 Leiter der Bibliothek.

Karl Renner war wahrscheinlich der bekannteste Mitarbeiter der Parlamentsbibliothek. Er hatte sein Vorstellungsgespräch im Jahr 1895 mit Siegfried Lipiner. Er ist eine ganze Stunde zu spät gekommen, aber er hat trotzdem eine Arbeitsstelle bekommen.

Karl Renner hat bis 1907 in der Bibliothek gearbeitet. Dann wurde er als Abgeordneter in den Reichsrat gewählt. Später hat Karl Renner die wichtigsten politischen Aufgaben in Österreich erfüllt. Er war zum Beispiel Bundeskanzler.

In der Parlamentsbibliothek hat Karl Renner einen Katalog über alle Themen erstellt, zu denen es Bücher gab. Der Katalog ist noch bis 1994 verwendet worden.

Handschriftliche Eintragung von Karl Renner in einen Katalog der Parlamentsbibliothek.

Frauen in der Parlaments­bibliothek

Hilda Rothe begann 1920 in der Parlamentsbibliothek. Im Nationalsozialismus hat sie sich dafür eingesetzt, dass die Bibliothek nicht abgeschafft wird. Sie hat damals viel verhandelt. So ist es ihr gelungen, dass die Bibliothek bis zum Kriegsende in Wien nicht aufgelöst wurde.

Hilda Rothe war in der Ersten Republik die einzige Frau, die für den Staat arbeitete und einen Universitätsabschluss hatte. Die Erste Republik gab es in der Zeit von 1918 bis 1938.

Hilda Rothe wurde Oberstaats-Bibliothekarin. Aber sie hat die Parlamentsbibliothek nie geleitet.

Elisabeth Dietrich-Schulz war die erste Frau, die die Bibliothek geleitet hat. Sie hat am 1. Jänner 1992 begonnen.

Stöbern, Bücher ausleihen, die Zeit genießen

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Heute gibt es in der Parlamentsbibliothek:

  • 370.000 Bücher
  • 46.000 Aufsätze
  • 260 Fachzeitschriften und Zeitungen aus Österreich und anderen Ländern
  • eine digitale Bibliothek

Eine Besucherin sagte, sie kommt sehr gerne in die Bibliothek. Dort ist es ruhig und die Umgebung ist großartig. Die Besucherin studiert Jus. Sie findet es besonders, dass sie als Jus-Studentin im Parlament lernen darf.

Seit das Parlament wiedereröffnet ist, gibt es in der Bibliothek 2 Ausstellungen:

  • Tacheles Reden. Die Ausstellung zeigt, warum Juden-Feindlichkeit so gefährlich ist.
  • Im Sprachraum der Demokratie. In der Ausstellung geht es um die Rolle, die Sprache und Schrift im Parlament spielen: Es gibt zum Beispiel heftige Diskussionen in Nationalratssitzungen, Protokolle in Kurzschrift oder veröffentlichte Gesetzestexte.

Die Parlamentsbibliothek ist seit der Wiedereröffnung im Jahr 2023 sehr gut besucht. Es gibt seitdem auch zwei Ausstellungen in der Bibliothek zu entdecken.

Begriffe einfach erklärt

Die Arbeit im Parlament ist sehr umfangreich und vielfältig. Es gibt viele Fachbegriffe. Diese Begriffe werden auf der Parlaments-Website einfach verständlich erklärt: 

Begriffe einfach erklärt