Parlamentskorrespondenz Nr. 463 vom 15.05.2006
Parlament: EURO 2008 - fairer Fußball ohne Gewalt und Diskriminierung
Wien (PK) - Die EURO 2008, die Österreich und die Schweiz gemeinsam veranstalten, soll nicht nur sportliche Höhepunkte auf dem grünen Rasen bringen, sondern auch im Zeichen von "FairPlay" und "Fußball gegen Rassismus" stehen. Daher hat die UEFA dem Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit (vidc), das große Erfolge bei der Arbeit mit Fußballfans vorzuweisen hat, einen Auftrag für die Sozialprävention bei der EURO 2008 erteilt. Heute Nachmittag präsentierte das Institut seine "FairPlay"-Kampagne für die Fußball-Europameisterschaft 2008 im Parlament und zeigte auch den Film "Football Against Racism in Europe".
Die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die als Gastgeberin die prominenten Teilnehmer und Gäste des Abends begrüßte, fungierte in doppelter Rolle, steht sie doch dem Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit seit 2005 als Präsidentin vor. Zu den Rednern zählten Patrick Gasser, Manager von UEFA-HatTrick, ÖFB-Chef Friedrich Stickler, Sport-Staatssekretär Schweitzer, der österreichische Turnierdirektor Christian Schmölzer und der Schweizer EURO 2008-Koordinator Andreas Schaer.
Im Publikum hieß Barbara Prammer Bundesliga-Geschäftsführer Georg Pangl, den ehemaligen Nationalspieler, Austria-Kapitän und Mitbegründer von FairPlay, Anton Pfeffer, und Bundesminister a.D. und Rapid-Präsident Rudolf Edlinger sowie Gruppen junger Wiener Fußballfans willkommen.
Barbara Prammer für starke Signale gegen den Rassismus im Fußball
Barbara Prammer erinnerte an erfolgreiche interkulturelle Fußballkampagnen wie "FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel", das vom Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit für das Europäische Jahr gegen Rassismus 1997 entwickelt wurde, wobei sich gezeigt habe, wie groß das Potential des Sports beim Kampf gegen die Diskriminierung sei. In weiterer Folge habe das Netzwerk "FARE – Football Against Racism in Europe" ein starkes Signal gegen den Rassismus im Fußball gesetzt und sei dafür von der UEFA ausgezeichnet worden. Im vergangenen Februar habe die UEFA gemeinsam mit FARE und dem FC Barcelona die "Unite Against Racism"-Konferenz in Barcelona abgehalten.
Nachdem das Wiener Institut mit seinem Fanbetreuungs- und Antidiskriminierungsprojekt bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal große Erfolge erzielt habe, stehe es nun, bei den Planungen für die EURO 2008 in Österreich und in der Schweiz vor großen Herausforderungen. Eine Europameisterschaft ohne Diskriminierung, geprägt von Gastfreundlichkeit allen Fans gegenüber, brauche die Unterstützung der Bundesregierung, des zuständigen Staatssekretariats für Sport, der UEFA, der Veranstalter, des ÖFB und aller Parteien des Parlaments, sagte Präsidentin Prammer. "Jede Form von Diskriminierung - sei es aufgrund von Herkunft, Religion, Geschlecht oder der sexuellen Orientierung – hat im Sport keinen Platz. Fairplay sollte auch das Motto in unserer Gesellschaft lauten".
Überlegungen zur Betreuung der Fans bei der EURO 2008
In seiner Präsentation des Fanbetreuungs- und Antidiskriminierungsprogramms für die EURO 2008 wies "FairPlay"-Projektkoordinator Michael Fanizadeh auf die Möglichkeiten hin, die der Kampf gegen den Rassismus bei internationalen Fußballveranstaltungen hat. Auch die EURO 2008 biete eine große Chance für antirassistische Aktivitäten. "Zeigen wir dem Rassismus die Rote Karte." - Fanizadeh ging von der Erfahrung aus, dass Ausschreitungen auf Fußballplätzen mit polizeilichen Methoden allein nicht zu verhindern seien. Es brauche sozialpräventive Fanprojekte. Als das Kernstück moderner Fanbetreuung stellte der Projektkoordinator "Fanbotschaften" in den Zentren der Städte vor, wie sie 1996 bei der EM in England und bei der EM 2004 in Portugal erfolgreich eingesetzt wurden. Konkret handelt es sich um Anlaufstellen für die Fans, die dort von Streetworkern mit Informationen versorgt werden.
Michael Fanizadeh berichtete auch über das Antirassismus-Programm "Fußball verbindet – Football Unites", das "FairPlay" für die Fußballweltmeisterschaft 2006 koordiniert. Es sieht Straßenfußballspiele für Fans und Migrant/innen, die Schulung des Sicherheitspersonals und antirassistische Informationskampagnen vor.
Der UEFA-Vertreter Patrick Gasser stellte nachdrücklich klar, dass es beim Kampf gegen den Rassismus im Fußball um die Interessen des Fußballs gehe, um die Freude der Zuschauer an einem schönen Spiel, aber auch um die wirtschaftlichen Interessen der Vereine, die Publikum und Sponsoren verlieren, wenn rassistische Ausschreitungen und Kundgebungen die für diesen schönen Sport so charakteristische Atmosphäre in den Stadien stören. "Der Fußball muss ein Spiel für alle bleiben - das ist der Sinn unseres Kampfes gegen den Rassismus."
ÖFB-Präsident Friedrich Stickler machte darauf aufmerksam, dass sieben bis acht Milliarden Menschen die EURO 2008 an den Fernsehgeräten sehen werden, was eine Chance biete, weltweit eine Botschaft gegen den Rassismus zu vermitteln. "Wir müssen verhindern, dass wenige Verrückte diese Gelegenheit für rassistische Auftritte missbrauchen." Den diskussionsbereiten Teil dieser Gruppen gelte es zu überzeugen, unbelehrbare Hooligans müsse man aus den Stadien verbannen. Anhand des englischen Beispiels plädierte der ÖFB-Präsident für ein Gesetz, um Rädelsführer gewaltbereiter Gruppen vom Fußballsport fernzuhalten.
Der österreichische Turnierdirektor der EURO 2008 Christian Schmölzer kündigte die Absicht der Veranstalter an, die Fußballeuropameisterschaft zu einem europäischen Fußballfest zu machen. In Zusammenarbeit der Organisationen zur Bekämpfung des Rassismus, der Klubs, Verbände und auch der Fans selbst solle das falsche Bild von Fußballfans als Rowdys und Hooligans korrigiert werden. Zugleich könnten die Schweiz und Österreich sich als friedliche und sichere Austragungsländer für solche Veranstaltungen bewähren.
Sportstaatssekretär Karl Schweitzer unterstrich die finanzielle Unterstützung der Aktion "FairPlay" durch das Bundeskanzleramt. Im Kampf gegen Hooligans wollte sich der Staatssekretär aber nicht nur auf diese Initiative verlassen, sondern sprach sich anhand des Schweizer Beispiels dafür aus, über ein neues Gesetz nachzudenken, das es ermöglicht, Hooligans vom Besuch der Stadien abzuhalten, indem man ihnen die Einreise verbietet.
Auch der Schweizer Projektleiter Andreas Schaer vom Schweizer Bundesamt für Sport schloss sich der Forderung nach gesetzlichen Möglichkeiten für den Ausschluss der Rädelsführer gewaltbereiter Gruppen in den Stadien an und betonte, dass die Regeln der Fairness im Fußballsport nicht nur auf dem grünen Rasen, sondern auch auf den Rängen, bei den Fans durchzusetzen seien. Freilich seien dabei auch sozialpädagogische Maßnahmen wichtig.
Politiker und Sportler nachdrücklich für FairPlay
Das Thema Unterstützung von Politik und Sport diskutierten die Abgeordneten Ingrid Turkovic-Wendl (V), Peter Wittmann (S),
Dieter Brosz (G) und Elmar Lichtenegger (BZÖ) mit den ehemaligen Nationalspielern und Bundesliga-Stars Alfred Hörtnagl (Euro-Botschafter für Innsbruck) und Walter Kogler (Euro-Botschafter für Klagenfurt).
Abgeordnete Ingrid Turkovic-Wendl (V) stellte die pädagogischen Wirkungen des Sports in einer Erziehung zur Fairness und zur Anerkennung der Leistungen des anderen in den Vordergrund. Daher schmerze jede Form von Fanatismus und Unmenschlichkeit im Sport. Die Medien sollten ihren Beitrag zur Fairness im Sport leisten, indem sie sich auf die sportlichen Leistungen konzentrieren und auf Berichte über unsportliche Sensationen verzichten.
Peter Wittmann (S) schlug vor, die Sportler bei Kampagnen gegen Rassismus und Nationalismus als Vorbilder für Fairness einzusetzen. Rädelsführer seien zu isolieren, sagte Wittmann, der für Aufklärungsaktionen im Vorfeld der Veranstaltungen eintrat und vor der Verlagerung von Gewaltakten in die Städte warnte, da die Stadien polizeilich gut kontrolliert seien.
Abgeordneter Dieter Brosz (G) sah Defizite in der Fanbetreuung der Fußballklubs und von Seiten der Exekutive. Gewalttätiges Verhalten, antisemitische Äußerungen und das Tragen von Naziemblemen werde immer wieder toleriert. "Wir brauchen eine andere Kultur auf den Fußballplätzen."
Abgeordneter Elmar Lichtenegger (BZÖ) gab zu bedenken, dass der Sport dem Aggressionsabbau diene, hielt aber unmissverständlich fest, dass jeder Radikalisierung Einhalt zu gebieten sei. Sport lehre Toleranz und Respekt vor der Leistung des anderen, für ihn sei der Sport daher ein großes Friedensprojekt.
Der ehemalige Nationalspieler Alfred Hörtnagl berichtete mit eindrucksvollen Worten, wie sehr es afrikanische Spielerkollegen kränke, wenn sie von Zuschauern mit rassistischen Äußerungen angepöbelt werden. Er unterstütze "FairPlay" und grenzüberschreitende Solidaritätsaktionen Innsbrucker Fußballfans zugunsten bedürftiger Kinder in Rumänien und Burkina Faso.
Sein Nationalteamkollege Walter Kogler wandte sich entschieden dagegen, im sportlichen Gegner oder im Fan der anderen Mannschaft den Feind zu sehen, und warnte vor der Einstellung, nur den Sieger in einem sportlichen Wettkampf anzuerkennen. Auch eine Mannschaft, die den Platz als Verlierer verlässt, hat die Farben ihres Vereins, ihrer Stadt oder ihres Landes würdig vertreten, hielt der Sportler fest.
Als Moderatorin führte Ulrike Schwarz-Hinterberger durch die Veranstaltung.
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung / diesem Besuch finden Sie – etwas zeitverzögert – auf der Website des Parlaments im Fotoalbum : www.parlament.gv.at
(Schluss)