Parlamentskorrespondenz Nr. 845 vom 02.12.2013

Guter Journalismus braucht selbstbewusste JournalistInnen

Kuratorium für Journalistenausbildung feiert 35-Jahr-Jubiläum im Parlament

Wien (PK) – Guter Journalismus braucht reflektierte Journalistinnen und Journalisten, die sich selbstbewusst weiterentwickeln. Unter diesem Leitgedanken bietet das Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) seit 35 Jahren ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungsprogramm an. Das Jubiläum wurde heute zum Anlass genommen, bei einer Festveranstaltung im Palais Epstein nicht nur Rückschau zu halten, sondern sich auch Gedanken über die Zukunft des Journalismus zu machen.

Denkanstöße zum Thema lieferte RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel. Er warb in seiner Festrede unter anderem für ein Miteinander von klassischen und digitalen Medien und appellierte an die Politik, auf die neuen Medienwelten zu reagieren. Für ihn es nicht einsichtig, dass klassische Medien wie etwa TV-Sender engen gesetzlichen Vorgaben unterliegen, während digitale Medien weitgehend unreglementiert agieren können.

Sowohl Kloeppel als auch Parlamentsdirektor Harald Dossi, der die Festgäste stellvertretend für Nationalratspräsidentin Barbara Prammer begrüßte, hoben die Bedeutung von gut ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten hervor. Die permanente Erregung und Empörung, die sich im Internet breit gemacht habe, drohe auch auf klassische Medien überzugreifen, stellte Dossi kritisch fest und verwies auf einen Trend zur Personalisierung, zur Oberflächlichkeit, zur Dramatisierung und zur Skandalisierung in der medialen Berichterstattung. Umso mehr ist für ihn Qualitätsjournalismus und eine profunde Ausbildung von JournalistInnen gefragt.

Medien hätten eine wichtige politische Funktion und eine große Verantwortung, betonte Dossi, Demokratie komme ohne den von Medien organisierten öffentlichen Diskurs nicht aus. Dafür brauche es kritische, unbestechliche und selbstbewusste JournalistInnen. An das Kuratorium für Journalistenausbildung leitete Dossi neben Glückwünschen zum 35-Jahr-Jubiläum auch einen besonderen Wunsch von Nationalratspräsidentin Prammer weiter: im Namen des Kuratoriums endlich auch die Journalistinnen zu verankern.

Kloeppel: Qualität wird sich immer durchsetzen

Dass das Ende der klassischen Medien und damit des Journalismus naht, glaubt Kloeppel, der auch die RTL-Journalistenschule leitet, im Übrigen nicht: Qualität werde sich immer durchsetzen, ist er überzeugt. Wichtig sei, Marktnischen zu erkennen und das Ohr am Kunden zu haben. Nichts davon hält er, erfolgreiche Produkte der Konkurrenz zu kopieren.

Im Anschluss an seine insgesamt "zehn Beobachtungen" zur Zukunft des Journalismus diskutierten Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Corinna Milborn, Infodirektorin von Puls4, und Michael Nikbakhsh, Ressortleiter beim Profil, unter breitem Publikumsinteresse.

17.940 TeilnehmerInnen in 1.084 Seminaren

Einen kurzen Einblick in die Gründungsphase der mittlerweile etablierten Ausbildungsstätte für JournalistInnen gab ihr erster Geschäftsführer Heinz Pürer. Wie er berichtete, gingen der Gründung des Kuratoriums im Herbst 1978 mehrere dreiwöchige Grundkurse für journalistische Ausbildung voraus, der erste davon 1974. Regelmäßiger Gast bei den ersten Kursen war der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky.

Das Kuratorium wird auch heute noch von den Medien-Sozialpartnern getragen: dem Verband Österreichischer Zeitungen, dem Österreichischen Zeitschriften- und Fachmedienverband und der Journalistengewerkschaft GPA-djp. Bisher wurden in 1.084 Seminaren 17.940 TeilnehmerInnen ausgebildet. Das Kuratorium hege und pflege seine Lehrgänge, bekräftigte Geschäftsführerin Elisabeth Wasserbauer, es lasse aber auch neue, exotische Pflanzen wachsen.

Zu den jährlich rund 70 Seminaren, Workshops und Lehrgängen gehören das Österreichische Journalisten-Kolleg, die berufsbegleitende Journalistenschule für JungjournalistInnen und QuereinsteigerInnen und ein Masterstudium "New Media Journalism".

Vor fünf Jahren hat das Kuratorium übrigens ein kleines Büchlein mit Zitaten aus 30 Jahren Journalistenausbildung herausgegeben, das auch heute noch zum Denken anregt und zum Schmunzeln einlädt. "Das Gekürzte fehlt höchstens dem Autor", wird darin etwa Jens Tschebull zitiert. Oder noch etwas prägnanter: "Auch Goethe wird durch Kürzen besser." (Wolf Schneider) (Schluss) gs

HINWEIS: Fotos von der Festveranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf www.parlament.gv.at.