Parlamentskorrespondenz Nr. 194 vom 05.03.2015

Das erste Lehrlingsparlament Österreichs nimmt seine Arbeit auf

Wien (PK) – Dass Jugendliche im Sitzungssaal des Nationalrats als "Abgeordnete" politisch debattieren, ist im Hohen Haus nichts Neues – immerhin tagt das "Jugendparlament" zweimal jährlich. Es war dennoch eine Premiere, als heute 100 junge Menschen das Plenum in der Absicht betraten, hier das Wort zu ergreifen, denn es handelte sich um Mitglieder des ersten "Lehrlingsparlaments". Willkommen geheißen wurden die Lehrlinge, die in Drogerien, Büros, Werkstätten oder Baustellen von Firmen in ganz Österreich unterschiedliche Berufe erlernen, von Bundesratspräsidentin Sonja Zwazl. "Es ist ein positives Signal für die Zukunft, wenn junge Menschen das Zentrum der Demokratie kennenlernen, wo Gesetze für alle beschlossen werden, hier ihre Ideen einbringen und erleben können, wie man gemeinsam politische Lösungen findet", sagte die Bundesratspräsidentin und dankte Nationalratspräsidentin Doris Bures ausdrücklich für deren Initiative zum ersten Lehrlingsparlament in Österreich.

Demokratie braucht Ideen und Gestaltungswillen junger Menschen  

Die Betriebe brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, sagte Bundesratspräsidentin Zwazl, von Beruf selbst Unternehmerin, und brach eine Lanze für die Lehre, die durch die Verbindung von theoretischer Ausbildung in der Berufsschule und dem Praxiserwerb im Betrieb zu einem internationalen Erfolgsmodell wurde. Die serienweisen Top-Positionen österreichischer Jugendlicher bei Berufs-Europameisterschaften zeigten dies deutlich, sagte Sonja Zwazl.

Lehrlinge sind die künftigen Stützen der Wirtschaft, aber auch ihr politisches Engagement sei gefordert, denn die Politik braucht die Bereitschaft junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen, sagte Zwazl und rief die Mitglieder des ersten Lehrlingsparlaments in Österreich dazu auf, Ideen einzubringen und Gestaltungswillen zu zeigen. "Davon lebt unsere Demokratie".

Lehrlinge arbeiten als ParlamentarierInnen  

Seit gestern bereiten sich die Lehrlinge auf ihren großen Auftritt am politischen Parkett vor. Ihr Thema, Regeln für den Umgang zwischen AusbilderInnen und Lehrlingen, ist ebenso lebensnah wie aktuell und die Lehrlinge arbeiten daran wie wirkliche ParlamentarierInnen. Betriebe mit Lehrlingen sollen Leitfäden für den Schutz ihrer Lehrlinge vor Gewalt und Belästigung und für die Pflichten der Lehrlinge beim Wissenserwerb, bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, bei der Wahrung von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen und für ihr Verhalten im Betrieb erstellen. Da die geltenden Bestimmungen über Pflichten der Lehrberechtigten und Lehrlinge bereits aus dem Jahr 1978 stammen, sei ein neues "Ausbildungskodex-Gesetz" notwendig. Denn in den letzten dreißig Jahren hat sich in der Lehrausbildung vieles verändert, vor allem haben die Anforderungen an AusbildnerInnen und Lehrlinge stark zugenommen.

Unmittelbar nach der Begrüßung versammelten sich die jugendlichen "Abgeordneten" in ihren "Klubs", um dort Positionen für einen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten. Diese Positionen werden hierauf – ganz geschäftsordnungsmäßig - in Ausschüssen mit dem Ziel debattiert, eine mehrheitsfähige Empfehlung für die am Nachmittag stattfindende Plenarsitzung zu finden. Wie jedes Parlament der Welt wird auch das "Lehrlingsparlament" von Experten unterstützt: Bei Fragen des Verhandlungsablaufs und parlamentarischer Instrumente stehen den Lehrlingen BeamtInnen der Parlamentsdirektion zur Seite. Inhaltlich werden sie von Fachleuten aus der Wirtschafts- und der Arbeiterkammer beraten. Als Berater aus der politischen Praxis stehen den jungen Leute die Nationalratsabgeordneten Cornelia Ecker (SPÖ), Asdin El-Habbassi (ÖVP), Petra Steger (FPÖ), Julian Schmied (Grüne), Rouven Ertlschweiger (Team Stronach) und Sepp Schellhorn (NEOS) mit Rat und Tat zur Seite.

Um 15.00 Uhr wird das Plenum des Lehrlingsparlaments unter dem Vorsitz von Bundesratspräsidentin Sonja Zwazl im Sitzungssaal des Nationalrats zusammentreten und seine Arbeit mit einem (fiktiven) "Gesetzesbeschluss" krönen.

Diese Debatte kann man auf der Parlamentswebsite im Livestream, http://www.parlament.gv.at/PAKT/PLENAR/VIDEO/index.shtml , mitverfolgen. Außerdem begleiten den Sitzungstag Meldungen auf Facebook www.facebook.com/ParlamentWien und Twitter https://twitter.com/oeparl . (Schluss) fru

HINWEIS: Fotos vom ersten Lehrlingsparlament finden Sie im Fotoalbum auf www.parlament.gv.at.