Parlamentskorrespondenz Nr. 81 vom 04.02.2026
Langfristige Budgetprognose 2025: Entwicklung der öffentlichen Finanzen bis 2060
Wien (PK) – Alle drei Jahre übermittelt die Bundesregierung einen Bericht über die langfristige Entwicklung der öffentlichen Finanzen. Die langfristige Budgetprognose 2025 steht im Zeichen der Auswirkungen der COVID-19-, Energie-, Teuerungs- und Wirtschaftskrise auf die öffentlichen Haushalte und der darauffolgenden Budgetkonsolidierungsphase (III-272 d.B.). Im Basisszenario der langfristigen Budgetprognose zeige sich eine anhaltende Dynamik bei den Pensionsausgaben, insbesondere bis zum Jahr 2035, so das Finanzministerium. Die Ausgaben für Bildung und Familie seien aufgrund demografischer Effekte leicht rückläufig. Die Ausgabenbereiche Gesundheit und Pflege würden langfristig einen Anstieg der Ausgaben zeigen, der im Vergleich zu 2025 bei 1,3 % des BIP liege. Die Klima-Zielerreichungszahlungen ohne zusätzliche Maßnahmen würden zu Kosten von jährlich 0,3 bis 0,4 % des BIP führen. Der Bericht basiert auf einer Studie des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO).
Zinsausgaben als Treiber der Schuldenentwicklung
Als wesentliche Faktoren für die Schuldenentwicklung seien die mit dem Anstieg der Schuldenquote noch stärker ansteigenden Zinsausgaben. Die Zinsausgaben sollen laut Prognose bis 2060 um 3,6 % des BIP steigen und würden den budgetären Spielraum immer mehr einengen, hebt das Finanzministerium in der Langfristprognose hervor. Denn die Zinsausgaben seien neben der Entwicklung des Primärsaldos und der Schuldenquote sehr stark vom angenommenen Zinssatz abhängig. Das wichtigste Ziel der Budgetkonsolidierung sei das Durchbrechen dieser Dynamik.
Im Ergebnis zeige sich, wie notwendig die Einleitung der Budgetkonsolidierung durch die Bundesregierung gewesen sei, und wie wichtig es sei, diese Konsolidierung fortzusetzen, so die Einschätzung des Finanzministeriums. Ohne Konsolidierungsmaßnahmen würde die Schuldenquote bis 2060 auf über 250 % des BIP steigen. Mit dem aktuell beschlossenen budgetären Rahmen bis 2029 soll die Schuldenquote auf unter 150 % gedrückt werden. Eine Fortsetzung der Konsolidierung im Einklang mit den europäischen Vorgaben soll die Schuldenquote auf 90 % stabilisieren. Die demografische Entwicklung und die Auswirkungen des Klimawandels seien dabei bereits berücksichtigt, heißt es.
Demografische Entwicklung bis 2060
Die demografische Entwicklung Österreichs bis 2060 werde durch drei zentrale Trends gekennzeichnet, hält das Finanzministerium fest: durch das Bevölkerungswachstum ausschließlich durch Migration, die starke Alterung – und hier besonders durch eine wachsende hochaltrige Bevölkerung (80+) und den steigenden Altersquotienten. Dabei geht es um das Verhältnis von 15-64-Jährigen zu über 65-Jährigen, das laut Bericht sinken werde. Österreichs Bevölkerung werde demnach von 8,9 Mio. Personen 2020 auf 9,9 Mio. Personen 2060 anwachsen – ein Plus von über 10 %. Die Bevölkerung Österreichs soll der Prognose zufolge langfristig ausschließlich durch Zuwanderung wachsen. 2023 sei der Wanderungssaldo bei plus 66.600 Personen gelegen. Die Geburtenbilanz war hingegen negativ: 89.760 Gestorbenen standen nur 77.605 Geburten gegenüber. Dieser Trend halte an – ab etwa 2030 sei durchgehend mit negativen Geburtenbilanzen zu rechnen, so die Analyse.
Bevölkerungsstruktur soll sich bis 2060 tiefgreifend ändern
Nur der Bevölkerungsanteil ab 65 Jahren werde wachsen, so die Prognose – alle anderen Altersgruppen stagnieren oder gehen leicht zurück. Im Jahr 2020 waren 19,2 % der Bevölkerung 65 Jahre oder älter; bis 2060 steige dieser Anteil auf voraussichtlich 29 %. Besonders deutlich falle der Anstieg bei den über 80-Jährigen aus. Das Verhältnis zwischen erwerbsfähiger Bevölkerung (15-64 Jahre) und Personen im Pensionsalter werde sich daher deutlich verschieben. Im Jahr 2020 kamen 3,5 Personen im Erwerbsalter auf eine Person über 65. Bis 2040 reduziere sich dieses Verhältnis auf 2,2:1 und 2060 liegt es nur noch bei 2,0:1.
Das bedeute nicht nur mehr Pensionsempfängerinnen und -empfänger, verdeutlicht das Finanzministerium. Es werde auch steigenden Bedarf an altersabhängigen Leistungen – etwa in der Pflege, der Gesundheitsversorgung und bei altersgerechter Infrastruktur geben. Gleichzeitig altere auch die Erwerbsbevölkerung selbst, was zusätzliche Herausforderungen für den Arbeitsmarkt und die Produktivität mit sich bringe.
Der demografische Wandel in Österreich habe unmittelbare Auswirkungen auf das Arbeitsvolumen. Während die Bevölkerung Österreichs von 2024 bis 2060 um 8 % auf 9,9 Mio. Personen wachsen soll, schrumpfe die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Konkret geht die Prognose davon aus, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 6 Mio. Personen 2024 auf 5,7 Mio. Personen 2060 zurückgeht.
Entwicklung von Arbeit, Kapital und Produktivität
Ein weiterer Faktor und wichtiger Treiber des Wirtschaftswachstums sei der technische Fortschritt. Im langjährigen Durchschnitt 1995-2024 belief sich das Wachstum der Gesamtproduktivität in Österreich auf 0,3 % pro Jahr. Die Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass das Arbeitsvolumen bis 2060 um durchschnittlich 0,1 % pro Jahr, der Kapitalstock um 1 % pro Jahr und die Gesamtproduktivität um 0,5 % pro Jahr wachsen werde. Insgesamt wird das langfristige Wirtschaftswachstum des realen BIP auf 1,0 % pro Jahr bzw. im Zeitraum 2031-2060 auf 1,1 % geschätzt. Das sei trotz der in diesem Zeitraum aufgetretenen globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, COVID-19-Krise und Energiekrise geringer als das durchschnittliche reale Wirtschaftswachstum von 1,6 % von 1995-2024, berichtet das Finanzministerium.
Entwicklung der demografieabhängigen Ausgaben bis 2060
Die demografieabhängigen Ausgaben umfassen die Bereiche Pensionen, Gesundheit, Pflege, Bildung und Familie. In Summe beliefen sich diese Ausgaben auf 31,2 % des BIP im Jahr 2024 und steigen 2025 auf 31,8 % des BIP. Bis 2030 wird ein Anstieg auf 32 % des BIP und bis 2060 auf 34,6 % des BIP prognostiziert. Ab dem Jahr 2040 sollen die Pensionsausgaben in Prozent des BIP wieder sinken, da ab dann die "Baby Boomer"-Generation bereits im Pensionsalter ist, so die Annahme. Die Pensionsausgaben sollen 2026 bei 15,8 % des BIP liegen. Aufgrund des demografischen Wandels sollen auch die Gesundheitsausgaben von 7,9 % im Jahr 2024 auf 9,3 % des BIP im Jahr 2060 steigen. Die Ausgaben für die Pflege sollen ebenfalls deutlich höher ausfallen: Ausgehend von 1,5 % des BIP im Jahr 2024 soll es zu einer Erhöhung auf 2,8 % im Jahr 2060 bzw. zu einer langfristigen Verdoppelung kommen, wobei der Anteil der Sachleistungen an den Gesamtausgaben kontinuierlich steigt.
Bei den Bildungsausgaben wird ein leichter Rückgang von 5,3 % des BIP 2024 auf 5,1 % des BIP ab 2034 und anschließend wieder ein leichter Anstieg auf 5,2 % des BIP ab 2051 bis zum Ende des Prognosezeitraums erwartet. Die Zinsausgaben sollen deutlich ansteigen. Während sie im Jahr 2025 noch 1,7 % des BIP betrugen, geht man im Finanzministerium davon aus, dass sie sich bis 2060 auf 5,2 % des BIP erhöhen werden. Dieser Anstieg sei auf den negativen Primärsaldo zurückzuführen.
Auswirkungen auf den Maastricht-Saldo
Die gesamtstaatlichen Einnahmen betrugen im Jahr 2025 50,8 % des BIP. Sie sollen bis 2035 leicht auf 51,1 % ansteigen und dort verharren. Demgegenüber soll die Ausgabenquote von 55,4 % im Jahr 2025 auf 54,2 % im Jahr 2030 sinken und in den Folgejahren 58,6 % erreichen. Die Verbesserung des Maastricht-Saldos im Zeitraum 2025-2029 ist im Wesentlichen auf die Konsolidierungsmaßnahmen zurückzuführen. Diese führen zu einer Entlastung der öffentlichen Haushalte. Ab den 2030er-Jahren kehre sich dieser Trend jedoch wieder um: Die fortschreitende Alterung der Bevölkerung erhöhe die Ausgaben insbesondere für Pensionen, Gesundheit und Pflege. Zudem werde die Zinsdynamik über die Zeit an Bedeutung gewinnen, so die Analyse des Finanzministeriums. Dadurch werde sich der gesamtstaatliche Finanzierungssaldo im weiteren Verlauf kontinuierlich verschlechtern.
Die Schuldenquote steigt im Basisszenario des Finanzministeriums von 81,7 % des BIP im Jahr 2025 auf 148,2 % des BIP im Jahr 2060. Die Maastricht-Kriterien der Europäischen Union – ein Maastricht-Saldo unter 3% sowie eine Schuldenquote unter 60% des BIP – werden unter den gegebenen Bedingungen in nahezu allen Jahren verfehlt, hält das Finanzministerium fest. Das liege daran, dass für die Jahre nach 2029 noch keine Konsolidierungsmaßnahmen definiert sind.
Das Finanzministerium erstellte auch eine Reihe an Alternativszenarien. Dabei widmeten sich die Expertinnen und Experten den Entwicklungen ohne Konsolidierungsmaßnahmen, dem siebenjährigen Anpassungspfad, den Klimaaktivitäten, Zinsen, Produktivität, Migration sowie der steigenden Lebenserwartung. Das Basisszenario enthält alle Maßnahmen, die mit den Budgets 2025 und 2026 sowie den Bundesfinanzrahmen bis 2029 präsentiert wurden. (Schluss) gla
HINWEIS: Der Budgetdienst des Parlaments bietet ökonomische Analysen zur Budgetpolitik und zu Vorlagen des Bundesministeriums für Finanzen. Alle aktuellen Daten zum Budgetvollzug (Monatsberichte) finden Sie auf der Website des Finanzministeriums.