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Über Jahrzehnte haben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von Vernichtung, Flucht und Vertreibung, von Aufbruch und Neuanfang infolge des Zweiten Weltkriegs unsere Erinnerungskultur mitgeformt. Ihre Erzählungen prägten nicht nur die familiäre Überlieferung, sondern auch Literatur, Forschung und Publizistik. Nachfolgende Generationen stellen oft neue Fragen. Antworten suchen sie in Gesprächen, aber auch im Schweigen ihrer Vorfahren, in Dokumenten und Nachlässen – und (nicht) zuletzt an den Orten des einstigen Geschehens.
Wie lassen sich die eigene Familiengeschichte und die Biografien anderer erzählen, insbesondere wenn sich die Überlieferung als äußerst selektiv erweist? Wer kümmert sich vor Ort um das kulturelle Erbe? Wo endet die biografische Nacherzählung und wo beginnt die literarische Fiktion? Und welche Rolle spielen das alte und das heutige Österreich – als Staat, als Gesellschaft, als Sehnsuchtsort? Diesen Fragen gehen Philipp Ther, Katherina Braschel und Oxana Matiychuk im Gespräch mit dem Historiker Florian Kührer-Wielach (München/Wien) nach.
Der vielfach ausgezeichnete Sozial- und Kulturhistoriker Philipp Ther stellt seinen realhistorischen Roman "Der Schatz. Eine böhmische Familiengeschichte" (Suhrkamp, 2026) vor. Die Schriftstellerin Katherina Braschel widmet sich in ihrem Debütroman "Heim holen" (Residenz Verlag, 2026) den Spannungen zwischen familiärer Verbundenheit und kritischer Aufarbeitung. Die Czernowitzer Literaturwissenschaftlerin Oxana Matiychuk erzählt in ihrer auf Ukrainisch und Deutsch erschienenen Graphic Novel "Rose Ausländers Leben im Wort" (danube books, 2021) vom Leben der deutschsprachigen jüdischen Lyrikerin. Aus den Werken liest die Schauspielerin und Sprecherin Eszter Hollósi.