Dossiers EU & Internationales 29.04.2026

Neues aus Brüssel: Hochrangige europäische Parlamentstreffen

Treffen im Rahmen der Konferenz der COSAC-Vorsitzenden in Nikosia

Am 11. und 12. Jänner trafen sich auf Einladung des zypriotischen Parlaments die Vorsitzenden der Europaausschüsse der nationalen Parlamente im Rahmen der Konferenz der COSAC-Vorsitzenden in Nikosia.

Das österreichische Parlament war durch den Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner (V) und die Vorsitzende des EU-Ausschusses des Bundesrats Bernadette Geieregger (V) vertreten. Die Teilnehmenden befassten sich mit den Prioritäten des zypriotischen EU-Ratsvorsitzes sowie den europäischen geopolitischen Herausforderungen sowie mit möglichen Antworten. Bundesrätin Geieregger betonte in ihrer Wortmeldung, dass sich die EU wiederholt Herausforderungen habe stellen müssen, diese aber bisher gestärkt bewältigt habe. Bei den Prioritäten hob sie die Bereiche Erweiterung, Wettbewerbsfähigkeit, Mehrjähriger Finanzrahmen (MFR) und Migration hervor.

Zum zweiten Konferenzthema gab unter anderem MEP Yannis Maniatis eine einleitende Stellungnahme ab. Maniatis zufolge sei eine neue Weltordnung im Entstehen und die EU könne daher nicht weiter auf Annahmen aus einer Ära nach dem Zweiten Weltkrieg vertrauen. Soft Power sei nicht länger ausreichend. Man müsse von Krisenreaktion zu gemeinsamer Strategie sowie von fragmentierten zu gemeinsamen Anstrengungen gelangen. Die folgende Debatte befasste sich mit Grönland, den Beziehungen zwischen Europa und den USA, die Abkehr vom Multilateralismus und Europas Verteidigungsbereitschaft. Zweiter Nationalratspräsident Haubner sprach in seiner Wortmeldung den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine an. Russland habe scheinbar kein Interesse an glaubhaften und seriösen Verhandlungen, daher müsse die Ukraine weiter unterstützt werden. Die USA seien leider derzeit kein verlässlicher Partner für die EU, Europa müsse daher entscheiden, ob es ein glaubwürdiger und selbstbewusster globaler Player sein möchte.

Weitere Informationen: Konferenz der Europaausschüsse der nationalen Parlamente

v. l. n. r.: Florian Groder (Büro des Zweiten Nationalratspräsidenten), Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner (V), Bundesrätin Bernadette Geieregger (V), Gerhard Koller (Abteilungsleiter 6.2 - EU-Angelegenheiten)

Treffen des Kontrollausschusses für Europol in Nikosia

Beim Treffen des Kontrollausschusses für Europol in Nikosia vom 4. bis 5. Februar fand ein parlamentarischer Austausch über sicherheitspolitische Themen statt. Das österreichische Parlament war bei diesem Treffen durch die Abgeordneten Gernot Darmann und Reinhold Maier (beide F), Wolfgang Gerstl (V) und Maximilian Köllner (S) vertreten. Catherine De Bolle, Exekutivdirektorin von Europol, und Ireneusz Sieńko, Vorsitzender des Europol-Verwaltungsrats berichteten über die Aktivitäten der Agentur von November 2025 bis Februar 2026. Im folgenden Meinungsaustausch fragte Abgeordneter Gerstl, ob Europol über Einblicke in Korruptionsfälle im Nahebereich von ukrainischen Politikern verfügt. Man stehe in einem Austausch zu diesem Thema und unterstütze die Ukraine bei der Schaffung eines Rechtsrahmens, so Sieńko.

In der anschließenden Frage- und Antwortrunde kamen die Themen Kryptowährungen und organisierte Kriminalität, der Informationsaustausch mit den nationalen Polizeibehörden und die Auswirkungen von KI zur Sprache. Olivier Onidi, stellvertretender Generaldirektor für Schengen und innere Sicherheit in der Europäischen Kommission, sah Europol als zentrale Stelle bei grenzüberschreitenden Ermittlungen, dem Austausch von Expertise und Daten. Immer mehr Aufgaben bedeuten aber auch mehr erforderliche Mittel, weshalb im neuen MFR für Europol mit 3 Mrd. € ein doppelt so hohes Budget vorgeschlagen wird. NR-Abgeordneter Gerstl sagte in seiner Wortmeldung, dass Österreich für eine Stärkung der Kernkompetenzen von Europol stehe und die Aufstockung der Mittel begrüßt. Derzeit bleibe die Frage offen, wie eine bessere Koordinierung und Komplementarität von Europol mit den EU-Agenturen erreicht werden kann. Weitere Konferenzthemen waren Europols Rolle bei der Verhinderung und Bekämpfung von Menschenschmuggel sowie Finanz- und Wirtschaftskriminalität, und die Zusammenarbeit zwischen Europol und der Europäischen Staatsanwaltschaft, Eurojust, dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung OLAF und der Anti-Geldwäschebehörde AMLA.

Weitere Informationen: Gemeinsamer parlamentarischer Kontrollausschuss für Europol (JPSG Europol)

v. l. n. r.: NR-Abgeordnete Wolfgang Gerstl (V), Gernot Darmann (F), Maximilian Köllner (S) und Reinhold Maier (F)

Europäische Parlamentarische Woche 2026 in Brüssel

Vom 23. bis 24. Februar 2026 tauschten sich in Brüssel anlässlich der Fiskalpaktkonferenz nationale sowie europäische Abgeordnete über wirtschaftspolitische Themen aus.

Seitens des österreichischen Parlaments nahmen die NR-Abgeordneten Fuchs (F), Kolm (F), Minnich (V), Egger (V) und Krainer (S) teil. Unter anderem fanden parallele Sitzungen der EP-Ausschüsse für Wirtschaft und Währung (ECON), Haushalt (BUDG) und Beschäftigung und Soziales (EMPL) statt, an welchen die Abgeordneten teilnahmen. Im BUDG-Ausschuss waren einerseits die Finanzierung des EU-Haushalts durch neue EU-Eigenmittel und andererseits die geplanten nationalen und regionalen Partnerschaftspläne im nächsten MFR Thema. EU-Haushaltskommissar Piotr Serafin betonte die Wichtigkeit der geplanten neuen Einnahmequellen der EU unter Verweis darauf, dass die Mitgliedstaaten nicht selbst mehr Geld zur Verfügung stellen wollen würden. Man plane, die Gelder für Forschung und Entwicklung zu verdoppeln und die Gelder für die Verteidigungsindustrie zu verfünffachen. Es sei jedenfalls wichtig, dass das vorgeschlagene Paket auch als Paket an sich gesehen werden würde. Im Meinungsaustausch äußerten sich die Teilnehmenden insbesondere hinsichtlich der neuen Eigenmittel skeptisch. Eine Aufnahme neuer gemeinsamer Schulden wurde ebenso diskutiert und unterschiedlich bewertet.

Der zweite Konferenztag startete mit dem Thema "Förderung eines unternehmens-freundlichen Europas im Rahmen des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens: Perspektiven und Herausforderungen für den Binnenmarkt" und einer Keynote des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta. Seines Erachtens trage man nun die Kosten der Fragmentierung und der Nicht-Integration in Europa. Auch knapp zwei Jahre nach Veröffentlichung seines Berichts funktioniere der Binnenmarkt nicht und man müsse die Bereiche Finanz, Konnektivität und Energie als fundamentale Säulen so rasch wie möglich angehen. Im Finanzbereich wären die USA, in der Industrie China jeweils eine starke Konkurrenz, weshalb mehr Investitionen wichtig seien. Weitere wichtige Punkte seien außerdem Bürokratieabbau und Vereinfachung, die Schaffung eines für Technologieunternehmen freundlichen Umfeldes sowie eine Einlagen- und Investitionsunion. Abgeordnete Kolm betonte in ihrer Wortmeldung, dass ein unternehmensfreundliches Europa keine Frage zusätzlicher Förderprogramme, sondern der richtigen Rahmenbedingungen sei. Es brauche offene Märkte, Wettbewerb und Vertrauen in unternehmerische Entscheidungen. In Zeiten, wo Amerika eskaliere, reguliere Europa – und überreguliere damit seine Wettbewerbsfähigkeit. Kolm erinnerte außerdem daran, die Subsidiarität hochzuhalten.

v. l. n. r.: NR-Abgeordnete Kai Jan Krainer (S), Kurt Egger (V), Barbara Kolm (F), Hubert Fuchs (F) und Andreas Minnich (V)

Interparlamentarische Videokonferenz COSAC

Aufgrund der aktuellen Lage im Nahen Osten fand im Rahmen der parlamentarischen Dimension des zypriotischen EU-Ratsvorsitzes die COSAC-Konferenz am 16. März als Videokonferenz statt.

Das österreichische Parlament war durch den Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner (V), die NR-Abgeordneten Dagmar Belakowitsch (F), Susanne Fürst (F) und Pia Maria Wieninger (S) sowie durch die Bundesrätinnen Bernadette Geieregger (V) und Claudia Arpa (S) vertreten. Im Fokus der Gespräche standen die Prioritäten des zypriotischen EU-Ratsvorsitzes, europäische Sicherheit mit Blick auf die Ukraine, der Nahe Osten sowie der Mittelmeerraum. Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung des griechischen Parlaments, Dimitris Kairidis sprach die potenziellen Szenarien und Auswirkungen des militärischen Einsatzes der USA und Israels gegen Iran an. Als mögliche langfristige Szenarien nannte Kairidis entweder ein Abkommen wie jenes, das unter US-Präsident Obama abgeschlossen wurde, oder einen Waffenstillstand, bei dem der Konflikt immer wieder aufflammen würde. Laut Kairidis würden die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft unterschätzt werden. Iran habe bewiesen, dass er das Potential habe, den Handel zu stören. Diese Bedrohung werde Iran weiterhin nutzen, um die USA unter Druck zu setzen. Die Auswirkungen für die EU seien höhere Preise, Terrorangriffe, Migrationsströme. Die Krise im Nahen Osten zeige, wie wichtig die strategische Autonomie und die Energieunabhängigkeit der EU seien.

EU-Kommissarin Dubravka Šuica hob die Bedeutung von Partnerschaften hervor, um auf Schocks zu reagieren. Bezüglich des Konfliktes mit dem Iran forderte sie Deeskalation, Diplomatie und Dialog. Im November 2025 habe die EU-Kommission den Pakt für den Mittelmeerraum als Ausgangspunkt für eine neue Beziehung mit den Partnern der Region präsentiert. Ziel sei es, Partnerschaften zu stärken, gemeinsame Interessen auszubauen und dort zu investieren, wo es sich am meisten lohne. Šuica hob in diesem Zusammenhang die Unterstützung junger Menschen hervor.

Weitere Informationen: Konferenz der Ausschüsse für Gemeinschafts- und Europa-Angelegenheiten der Parlamente der Europäischen Union (COSAC)

4. EU-Steuersymposium in Brüssel

Vom 16. bis 17. März fand in Brüssel das vierte EU-Steuersymposium statt.

Diese gemeinsam von Europäischer Kommission und Europäischem Parlament organisierte Veranstaltung, zu der neben Abgeordneten nationaler Parlamente auch Vertreterinnen und Vertreter aus anderen Bereichen (Universitäten, Wirtschaft, Think Tanks etc.) eingeladen waren, stand unter dem Motto "Die Zukunft des Steuerwesens: Ungleichheit und Wachstum in der Weltwirtschaft". In Keynotes und Podiumsdiskussionen wurde der Zusammenhang zwischen Steuern, Wohlstand und Gerechtigkeit beleuchtet.

An dieser Konferenz nahmen für das österreichische Parlament die Abgeordneten Hubert Fuchs (F), Andreas Hanger (V), Ines Holzegger (N) und Nina Tomaselli (G) sowie Christoph Matznetter (S), damals Bundesrat, heute Abgeordneter zum Nationalrat, teil. Zu den Rednern zählten unter anderem MEP Pasquale Tridico, Vorsitzender des Unterausschusses für Steuerfragen, und Gerassimos Thomas, Generaldirektor für Steuern und Zollunion, Europäische Kommission, Markus J. Beyrer, Generaldirektor Business Europe, Tiina Tuomela, Finanzvorstand Fortum, Makis Keravnos, Finanzminister von Zypern, und Mathias Cormann, Generalsekretär der OECD. Im Rahmen eines Dialogs zum Thema "Die Zukunft des Steuerwesens: globale Gerechtigkeit und Wachstum in einer neuen wirtschaftlichen Ära" trafen die beiden Wirtschaftsnobelpreisträger Philippe Aghion (2025) und Joseph Stiglitz (2001) aufeinander.

Stiglitz skizzierte ein schwieriges globales Umfeld, das von Krisen der Demokratien und dem Klimawandel geprägt sei. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe paradoxerweise in der EU nicht zu einem höheren Anteil erneuerbarer Energien geführt, stattdessen habe man Abhängigkeiten in Richtung USA verlagert. Parallel dazu gebe es eine "Ungleichheitskrise": Extrem hohe Marktmachtkonzentrationen würden zwangsläufig zu demokratiepolitischer Erosion führen. Gute Steuerpolitik müsse diese Kluft adressieren. Aufhorchen ließ Stiglitz mit der Forderung, KI-Steuern einzuführen, deren Erträge zur Sicherung einer vitalen Medienlandschaft eingesetzt werden könnten.

Aghion konstatierte, dass die EU seit längerem an Innovationskraft gegenüber den USA und China verliere. Er stellte die Frage, wie die EU wieder innovativer werden könne bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Sozialmodells. Progressive Besteuerung sei in diesem Zusammenhang ein zentrales Erfordernis. Start-Ups sollten in Europa wachsen können und nicht mehr in die USA abwandern müssen. Im Rahmen des Panels "Steuerliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungskrise" wies Bundesrat Christoph Matznetter (S) darauf hin, dass eine Toolbox für die Wohnraumkrise in der EU notwendig sei. Hier sei das Wiener Modell vorbildlich, das sich etwa durch einen sehr hohen Anteil an Sozialwohnungen und der intelligenten Nutzung des obligatorischen Wohnbauförderungsbeitrags auszeichne.

Weitere Informationen: EU-Steuersymposium 2026