Im Rahmen der parlamentarischen Dimension des polnischen EU-Ratsvorsitzes fand außerdem von 8.-10. Juni die LXXIII. COSAC (Konferenz der Europausschüsse) in Warschau statt. Bei dieser Konferenz war das ö. Parlament durch die Abgeordneten Christofer Ranzmaier (F) und Pia Maria Wieninger (S) sowie durch die Bundesräte Bernadette Geieregger (V) und Andreas Arthur Spanring (F) vertreten.
Die Tagesordnung umfasste unter anderem die Themen Prioritäten des polnischen EU-Ratsvorsitzes, die Arbeitsprogramme der EU-Kommission und des EP im neuen institutionellen Zyklus, den neuen Mehrjährigen Finanzrahmen der EU (MFR), die Erweiterungspolitik der EU sowie die Verbesserung der Cyberresilienz und Bewältigung von Desinformation. Rückblickend auf das Halbjahr des polnischen EU-Vorsitzes erläuterte der polnische Minister für EU-Angelegenheiten Adam Szłapka, dass dieser in eine besondere Periode der Risiken und Bedrohungen gefallen sei. Der Vorsitz habe Entwicklungen für die kommenden Jahre angestoßen. Dazu zählen die Neudefinition der externen Sicherheit der EU, das Weißbuch zur europäischen Verteidigung, neue Sanktionspakete gegen Russland und Fortschritte bei den Beitrittsverhandlungen. Die Debatte zum MFR bezeichnete Szłapka als die wichtigste und schwierigste in diesem Jahrzehnt. Die Herausforderungen seien größer als bisher: Der Haushalt müsse diesen und zukünftigen standhalten. Man dürfe daher nicht nur auf Zahlen schauen, sondern auch auf die Einigkeit und den Binnenmarkt. EP-Vizepräsident Esteban González Pons übte Kritik, dass die EU-Kommission bei dieser COSAC nicht vertreten war. Die Strategische Agenda 2024-2029 basiere auf drei Säulen: Freies und demokratisches Europa; starkes und sicheres Europa; wohlhabendes und wettbewerbsfähiges Europa. Der EU-Binnenmarkt sei größer als jener der USA und es seien verstärkte Beziehungen mit Mercosur und Mexiko anzustreben, so Gonzáles Pons. Ebenso sei die Zusammenarbeit zwischen dem EP und den nationalen Parlamenten essenziell für ein demokratisches Europa.
Zum MFR betonte Abg. Wieninger, dass eine starke EU ausreichend Mittel brauche, um die Herausforderungen bewältigen zu können, gleichzeitig sei Haushaltsdisziplin unerlässlich. Wichtig sei zudem ein starkes soziales Europa mit dem Fokus auf sozialen Rechten, sozialer Inklusion und leistbarem Wohnen.
BR Spanring gab zu bedenken, dass bisher nur besprochen wurde, was die EU finanzieren solle und wofür sie mehr Geld brauche. Es seien aber auch die Zuständigkeiten der EU zu berücksichtigen und dass eigentlich gespart werden müsse. Die EU habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem.
Zum Thema Cyberresilienz und Bekämpfung von Desinformation kamen der polnische Unterstaatssekretär für Digitales, Rafał Rosiński sowie eine Vertreterin des EEAS, Martyna Bildziukiewicz zu Wort. In der Debatte wurden die Bedrohungen im Cyberraum, die Gefahren von Desinformation für die Gesellschaft und demokratische Institutionen, die notwendige Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung, die Rolle von Social Media Plattformen und ihren Algorithmen und die Frage der Balance zwischen Meinungsfreiheit und Meinungshoheit thematisiert.
BR Geieregger gab zu bedenken, dass eine zunehmend digitale Welt zahlreiche Bedrohungen berge, die die Demokratie unterwandern können. Kein MS könne dies allein beantworten. Die EU habe wichtige Standards gesetzt. Wichtig sei auch der Kampf gegen Desinformation, denn es gehe um die Frage, was wir für wahr halten und wer unsere Wahrnehmung beeinflusse. Dies betreffe besonders junge Menschen, die sich durch soziale Medien, Influencer und leider oft auch durch Hassprediger eine Meinung bilden.
Abg. Ranzmair gab zu bedenken, dass man beim Kampf gegen Desinformation mit den Freiheiten der Bürger spiele. Dies habe man auch in der Pandemie erlebt, bei der sich heute zeige, was als Wahrheit bzw. Lüge enttarnt und von der EU finanziert wurde.
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