65 Millionen gewaltsam vertriebene Menschen weltweit
"Ordnung, Kontrolle und Menschlichkeit (...)" – unter diesem Bogen sah der damalige Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in der Sondersitzung des Nationalrates am 24. September 2015 die Reaktion auf die Geschehnisse der vergangenen Tage und Wochen. In Zentrum stand die Frage nach der adäquaten Reaktion auf die große Zahl an Flüchtenden und Asylsuchenden, die im Sommer durch und nach Österreich unterwegs waren. Für das Jahr 2015 verzeichnet das UNHCR weltweit über 65 Millionen gewaltsam vertriebene Menschen, 16,1 Millionen von ihnen Flüchtlinge. Auch der seit 2011 herrschende Krieg in Syrien und die Lage im Nahen Osten hatten Anteil daran, dass 2015 über 1,2 Millionen in EU-Staaten um Asyl ansuchten, in Österreich waren es rund 90.000. Die meisten kamen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die Fluchtbewegungen konzentrierten sich auf einige wenige Länder in der EU, die Verteilung von Asylanträgen und Flüchtlingen erfolgte ungleichmäßig.
Anfang September spitzte sich die Situation in Ungarn zu. Um eine Eskalation zu verhindern, beschloss Österreich, in Abstimmung mit Deutschland, ab 5. September seine Grenze zu Ungarn für die Durch- und Weiterreise von Flüchtlingen zu öffnen. Tausende nutzten in den folgenden Tagen diese Möglichkeit. Viele Menschen in Österreich engagierten sich im Rahmen zivilgesellschaftlicher und ehrenamtlicher Tätigkeiten zu Beginn und im Verlauf der Migrationskrise 2015. Die Herausforderungen für alle Beteiligten waren gewaltig, das Potenzial für Emotionalisierung und Polarisierung groß. Gerade die Rolle und politische Verantwortung Österreichs wurde vor dem Hintergrund einer Bandbreite historischer Flucht und Migrationsereignisse debattiert.