Budgetdienst - Budgetberichte 16.10.2026

Beteiligungs- und Finanzcontrolling zum Stichtag 31. März 2026

Analyse des Budgetdienstes

Überblick

Der Bericht zum Beteiligungs- und Finanzcontrolling umfasst zum 31. März 2026 119 Unternehmen mit direkter oder indirekter mehrheitlicher Bundes­mehrheits­beteiligung. Diese Unternehmen beschäftigen laut Vorschau 2026 etwa 130.100 Vollbeschäftigten­äquivalente (VBÄ), erhalten 19,5 Mrd. EUR an Auszahlungen vom Bund und leisten 1,8 Mrd. EUR an Einzahlungen in das Bundes­budget. Bei der Harmonisierung der Bericht­erstattung zu den Beteiligungen besteht weiterhin Verbesserungs­potenzial. Die Analyse des Budget­dienstes zum Gesamt­bericht wurde in der veröffentlichten Version zum Schutz von Betriebs‑ und Geschäfts­geheimnissen gekürzt.

Die Analyse zum Download:

BD - Beteiligungs- und Finanzcontrolling zum Stichtag 31. März 2026 / PDF, 2 MB

Die Beteiligungen des Bundes umfassen laut Vorschau 2026 130.100 Beschäftigte (VBÄ), 120 Unternehmen, 12,3 Mrd. EUR für Personal­aufwand, 19,5 Mrd. EUR an Auszahlungen des Bundes, 1,8 Mrd. EUR an Einzahlungen in das Bundesbudget und 20,6 Mrd. EUR an Haftungen.

Kurzfassung

In der Analyse wird auf die Ergebnisse des Beteiligungs- und Finanz­controlling per 31. März 2026 eingegangen. Ebenfalls behandelt wird der Bericht gemäß § 42 Abs. 5 Bundes­haushalts­gesetz 2013 (BHG 2013) über die Ausgliederungen und Beteiligungen des Bundes 2027 und 2028 (Beteiligungs­bericht 2027 und 2028). Der Beteiligungs­bericht 2027 und 2028 wurde dem Nationalrat im Mai 2026 im Zuge der Budget­beratungen vorgelegt und stellt die finanziellen Verflechtungen des Bundes mit seinen Beteiligungen gemäß Bundes­voranschlägen (BVA) 2027 und 2028 dar. Der Rechnungshof (RH) hat im Rahmen der Prüfung der Abschluss­rechnungen des Bundes nach § 9 Rechnungshof­gesetz 1948 im Jahr 2024 eine Schwerpunkt­prüfung zu den finanziellen Beziehungen zwischen dem Bund und seinen Beteiligungen durchgeführt, seine Empfehlungen wurden in der Analyse ebenfalls berücksichtigt.

Der Bericht über die Ergebnisse des Beteiligungs- und Finanzcontrolling umfasst 119 Unternehmen an denen der Bund direkt oder indirekt mehrheitlich beteiligt ist.

Diese Unternehmen beschäftigen insgesamt etwa 130.100 Vollbeschäftigten­äquivalente (VBÄ), das entspricht etwa 2,9 % aller Erwerbstätigen Österreichs. Im Vergleich dazu ist der Personal­stand des Bundes zum 31. Dezember 2025 mit etwa 138.200 VBÄ nur um etwa 8.100 VBÄ höher.

Entwicklungen im Finanzcontrolling im Überblick

99 Unter­nehmen (83 %) erhalten im Jahr 2026 Auszahlungen vom Bund und 64 (55 %) leisten Einzahlungen in das Bundes­budget. Die Auszahlungen belaufen sich laut Vorschau 2026 auf 19,5 Mrd. EUR, die Einzahlungen auf 1,8 Mrd. EUR. Die Zahlungen des Bundes an seine Beteiligungen entsprechen damit etwa 16 % der im BVA 2026 veranschlagten Auszahlungen, damit liegt der Anteil auf Vorjahres­niveau.

Laut dem Bericht über die Ergebnisse des Beteiligungs- und Finanz­controlling zum Stichtag 31. März 2026 sollen die Auszahlungen des Bundes an seine Beteiligungen im Gesamt­jahr 2026 laut Vorschau auf 19,5 Mrd. EUR (+4,2 %) steigen. Dies ist auf gegenläufige Entwicklungen zurückzuführen. Während es vor allem im Bereich Infrastruktur für Verkehrsdienste- und Zuschuss­verträge, aber auch bei den Universitäten (gesamt) entsprechend der Leistungs­vereinbarung 2025 bis 2027 zu Zuwächsen kommt, verzeichnen die Transfers an die Austrian Development Agency (ADA) und die Österreichische Forschungs­förderungs­gesellschaft mbH (FFG) ebenso wie die Leistungs­entgelte (Mieten) an die BIG infolge des Aussetzens der Mietpreis­indexierung Auszahlungs­rückgänge.

Die Einzahlungen der Beteiligungen an den Bund betreffen überwiegend Dividenden, aber auch Rück­vergütungen für Bundespersonal. Für 2026 wird gemäß Vorschau ein leichter Rückgang der Einzahlungen der Beteiligungs­unternehmen um 67 Mio. EUR bzw. 3,5 % im Vorjahres­vergleich erwartet. Der geplante Rückgang gegenüber dem Ergebnis 2025 ist vor allem auf geringere Refundierungen von Personal­aufwendungen für das Bundes­personal der Universitäten (‑50 Mio. EUR) sowie des ÖBB‑Konzerns (‑35 Mio. EUR) zurückzuführen. Ausschlag­gebend dafür sind insbesondere die infolge von Ruhestandsversetzungen gesunkenen Personal­ausgaben. Zu höheren Einzahlungen kommt es durch Dividenden der ÖBAG (+252 Mio. EUR) und Haftungsentgelte der ASFINAG (+10 Mio. EUR). Im Juli 2026 (Stand August 2026) gingen bereits Dividenden­zahlungen der ÖBAG in Höhe von 1.019 Mio. EUR ein, der BVA 2026 sah Einzahlungen von 793 Mio. EUR vor. Ausständig sind insbesondere noch die Dividenden der ASFINAG (305 Mio. EUR) und der Österreichischen Bundesforste AG (10 Mio. EUR), insgesamt wird der Voranschlag 2026 deutlich überschritten.

Bei den Haftungen des Bundes für die Beteiligungen soll es laut Vorschau 2026 gegenüber dem Vorjahr zu einem Abbau von 4,3 % auf 20,6 Mrd. EUR kommen. Der Rückgang ist vor allem bei den Haftungen für den ÖBB‑Konzern (‑1,2 Mrd. EUR bzw. ‑20,9 %) sowie für die Austria Wirtschafts­service Gesellschaft mbH (aws; ‑0,3 Mrd. EUR bzw. ‑22,6 %) vorgesehen. Zu einem Haftungs­anstieg soll es hingegen bei der ASFINAG (+0,6 Mrd. EUR bzw. +6,4 %) infolge von Anleihe­emissionen kommen. Nicht im Finanz­controlling ausgewiesen sind die von der aws abgewickelten COVID‑19-Haftungen, diese betrugen Ende 2025 etwa 360 Mio. EUR.

Entwicklungen im Beteiligungscontrolling im Überblick

Bei allen drei personalbezogenen Kennzahlen kommt es laut dem Bericht über die Ergebnisse des Beteiligungs- und Finanz­controlling per 31. März 2026 zu Anstiegen gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 wird ein Anstieg der durchschnittlichen Beschäftigten­zahl um 2,2 % gegenüber dem Erfolgs­wert 2025 auf etwa 130 Tsd. erwartet. Der Personal­aufwand soll sich um 4,7 % auf 12,3 Mrd. EUR erhöhen. Dies führt gegen­über 2025 auch zu einer Erhöhung des Personal­aufwands je Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter um 2,5 % auf etwa 94.400 EUR. Den größten Einfluss auf die Entwicklung der Personal­kennzahlen haben die Universitäten und der ÖBB‑Konzern, die in etwa 70 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Beteiligungs­unternehmen beschäftigen. Der dafür anfallende Personal­aufwand beläuft sich auf etwa 8,3 Mrd. EUR bzw. 68 % des gesamten Personalaufwands der Beteiligungen.

Die Eigenmittel erhöhen sich laut Vorschau 2026 gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,5 Mrd. EUR bzw. 1,5 % auf 35,2 Mrd. EUR. Den höheren Eigen­mitteln bei der ASFINAG, aufgrund auflaufender Ergebnisse vor Steuern unter Berücksichtigung der erfolgten Ausschüttungen, der ÖBB‑Holding AG und der BIG, stehen rückläufige Eigen­mittel beim Arbeitsmarkt­service (AMS) wegen höherer Finanzierungs­beiträge und Einmal­effekten bei der Abbau­management­gesellschaft des Bundes (ABBAG) sowie bei der KA Finanz AG in Abwicklung gegenüber. Die Umsatz­erlöse und sonstigen betrieblichen Erträge steigen laut Vorschau 2026 gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Mrd. EUR (+4,6 %) auf 31,7 Mrd. EUR, insbesondere tragen dazu die Entwicklungen bei der Münze Österreich Aktiengesellschaft (Münze Österreich), dem ÖBB‑Konzern und der SCHIG mbH bei.

Das Ergebnis vor Steuern wird für 2026 mit 2,4 Mrd. EUR erwartet und soll damit um 30,9 % geringer ausfallen als im Vorjahr. Die Verschlechterung geht auf die Ergebnisse mehrerer Beteiligungs­unternehmen zurück, zu deutlich höheren Ergebnissen kommt es laut Vorschau per 31. März 2026 nur beim ÖBB-Konzern (+133 Mio. EUR). Neben Einmaleffekten bei der ABBAG (‑269 Mio. EUR), kommt es laut Vorschau bei weiteren Gesellschaften zu deutlichen Ergebnis­rückgängen, die sich 2027 auf die Dividenden­höhe auswirken können. Beispielsweise wird bei der ASFINAG wegen höherer Instand­haltungen mit einem Rückgang von 291 Mio. EUR bzw. 26,7 % gerechnet. Das Ergebnis vor Steuern der ÖBAG soll laut Vorschau per 31. März 2026 um 205 Mio. EUR bzw. 23,2 % sinken, ausschlag­gebend dafür sind geringere Dividenden ihrer Beteiligungs­unternehmen. Auch die BIG soll laut Vorschau per 31. März 2026 ein um 101 Mio. EUR bzw. 12,1 % geringeres Ergebnis im Jahr 2026 erwirtschaften, dies geht auf geringere Umsatz­erlöse infolge des Aussetzens der Mietpreis­indexierung zurück. Der Cashflow aus dem Ergebnis soll 2026 um 13,6 % auf 4,9 Mrd. EUR abnehmen. Dieser Rückgang resultiert vor allem aus den Entwicklungen bei den Universitäten und dem ÖBB‑Konzern.

Beteiligungsbericht 2027 und 2028

Der Beteiligungsbericht 2027 und 2028 stellt die Finanz­flüsse zwischen dem Bund und seinen 102 direkten, mehrheitlichen Beteiligungen dar. Die im Beteiligungs­bericht 2025 und 2026 umgesetzte Gruppierung der Beteiligungen des Bundes nach operativen Schwer­punkten in acht Bereiche wurde unverändert beibehalten. Im Vergleich zum Bericht über die Ergebnisse des Beteiligungs- und Finanz­controlling werden Aus- und Einzahlungen an Beteiligungs­unternehmen je Unter­gliederungen gezeigt, darüber hinaus werden Informationen zur Zuschussart ausgewiesen. Allerdings werden Sachverhalte weiterhin uneinheitlich bezeichnet und nicht vollständig erfasst. Maßgebliche Auszahlungen an Beteiligungen, wie die Bundes­rechenzentrum GmbH (BRZ GmbH), die SCHIG mbH oder die Agrarmarkt Austria (AMA), sind im Beteiligungs­bericht nicht enthalten. Auszahlungen an die BIG sind nicht vom Beteiligungs­bericht umfasst, als indirekte Beteiligung ist sie nur im Beteiligungs- und Finanz­controlling berichts­pflichtig. Auch Auszahlungen an Fonds, wie beispielsweise den Klima- und Energie­fonds, den Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung oder den Umwelt- und Wasser­wirtschafts­fonds, sind im Berichtswesen über Beteiligungen nicht enthalten.

Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Bericht­erstattung über Beteiligungen wurden bisher teilweise umgesetzt. Die zuletzt in der Analyse des Budgetdienstes zum Beteiligungs- und Finanzcontrolling zum Stichtag 30. September 2025 aufgezeigten Verbesserungs­potenziale sind weiterhin vorhanden, insbesondere in folgenden Bereichen:

  • Aus Sicht des Budgetdienstes sollten die in die Bericht­erstattung über Beteiligungen einzubeziehenden Unternehmen harmonisiert werden. Vor allem im Bereich der indirekten mehrheitlichen Beteiligungen wäre klar zu regeln, wen eine Berichts­pflicht trifft. Stiftungen und Fonds des öffentlichen Rechts mit maßgeblichem Gebarungs­umfang bzw. finanziellen Verflechtungen mit dem Bundeshaushalt sollten in das Beteiligungs- bzw. Finanz­controlling einbezogen und neue Beteiligungen zeitnah in die Bericht­erstattung aufgenommen werden.
  • Die Berichte über die Ergebnisse des Beteiligungs- und Finanz­controlling könnten deutlich gestrafft werden. Zahlungs­ströme der Beteiligungen mit dem Bundes­haushalt sollten im Beteiligungs­bericht und im Bericht über die Ergebnisse des Beteiligungs- und Finanz­controlling einheitlich kategorisiert und zugeordnet werden. Methodische Unterschiede (z. B. bei BRZ GmbH, AMA, aws, FFG oder SCHIG mbH) erschweren Vergleiche und sollten reduziert werden. Damit könnte die Vollständigkeit der berichteten Geldflüsse erhöht und die Qualität der Informationen für das Budget­controlling verbessert werden.
  • Die zukünftige Bericht­erstattung über Beteiligungen könnte stärker anhand von Analysen bereichs- und unternehmens­spezifischer Kennzahlen erfolgen. Insgesamt würde eine stärkere Differenzierung der Kennzahlen die Analyse­möglichkeiten verbessern. So könnten aussage­kräftige Kennzahlen zur Verschuldung, zu liquiden Mitteln und Finanzanlagen, getrennten Umsatz­darstellungen und steuerungs­relevanten Erfolgs­indikatoren ausgewählt werden.

Beteiligungs-Taskforce

Im BVA 2026 waren mittelfristig wirksame ausgaben­seitige Maßnahmen, wie die Einrichtung der Beteiligungs-Taskforce, noch wenig konkret. Beiträge der Beteiligungs-Taskforce wurden im BVA 2027 berücksichtigt und sollen einzahlungs­seitig in Höhe von 73 Mio. EUR im Wesentlichen durch höhere Dividenden in der UG 40‑Wirtschaft (z. B. Verbund AG, ÖBAG) erbracht werden. Auszahlungs­seitige Einsparungen in Höhe von 27 Mio. EUR wurden im BVA 2027 vor allem bei der UG 41‑Mobilität berücksichtigt. Das Gesamt­konsolidierungs­volumen aus der Beteiligungs-Taskforce von 100 Mio. EUR soll bis 2029 auf jährlich 300 Mio. EUR steigen.