Budgetdienst - Budget 11.11.2015

Budgetanalyse 2016

Überblick

Die geplanten Auszahlungen steigen im BVA‑E 2016 im Vergleich zum BVA 2015 um 2,3 Mrd. EUR oder 3,1 % auf 77,0 Mrd. EUR. Die geplanten Ein­zahlungen sollen aufgrund der Steuer­reform mit 71,9 Mrd. EUR nur um 0,5 % (378 Mio. EUR) über jenen des Vor­jahres liegen. Daraus ergibt sich ein veranschlagter Netto­finanzierungs­bedarf von 5,1 Mrd. EUR. Im Ergebnis­haushalt erhöht sich das negative Netto­ergebnis auf 9,8 Mrd. EUR. Für 2016 wird ein Maastricht‑Defizit iHv 1,4 % des BIP und ein strukturelles Defizit iHv 0,5 % des BIP erwartet. Die gesamt­staatliche Verschuldung soll auf 85,1 % des BIP zurückgehen.

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Kurzfassung

Die weiterhin schwierigen volks­wirtschaftlichen Rahmen­bedingungen mit geringen Wachstums­raten und einer ansteigenden Arbeitslosen­quote sowie die budgetären Aus­wirkungen der aktuellen Flüchtlings­ströme nach und durch Österreich stellen besondere Heraus­forderungen dar. Im Budget 2016 finden die Aus­wirkungen der Steuer­reform 2015/2016 mit einem Entlastungs­volumen von insgesamt 5,4 Mrd. EUR (ab dem Jahr 2017) und der dafür erforderlichen Gegen­finanzierung ihren Niederschlag.

Eckpunkte des Budgets

Die geplanten Auszahlungen im Finanzierungs­haushalt des BVA‑E 2016 steigen im Vergleich zum BVA 2015 um 2,3 Mrd. EUR oder 3,1 % auf 77,0 Mrd. EUR. Die geplanten Ein­zahlungen sollen aufgrund der Steuer­reform im Jahr 2016 mit 71,9 Mrd. EUR nur um 0,5 % (378 Mio. EUR) über jenen des BVA 2015 liegen. Daraus ergibt sich ein veranschlagter Netto­finanzierungs­bedarf von 5,1 Mrd. EUR. Im Ergebnis­haushalt erhöht sich das negative Netto­ergebnis im Vergleich zum BVA 2015 um 2,7 Mrd. EUR (37,4 %) auf 9,8 Mrd. EUR.

Gesamtstaatliche Indikatoren

Der BVA‑E 2016 sieht für 2016 ein Maastricht‑Defizit iHv 1,4 % des BIP und damit einen Rück­gang um 0,5 %‑Punkte gegen­über 2015 vor. Unter Berücksichtigung von konjunkturellen Effekten und Einmal­maßnahmen ergibt sich laut BMF‑Schätzung sowohl 2015 als auch 2016 ein strukturelles Defizit iHv 0,5 %. Nach den deutlichen Anstiegen im Zusammenhang mit den Banken­hilfen soll die gesamt­staatliche Verschuldung im Jahr 2016 nur mehr leicht ansteigen und im Verhältnis zum stärker wachsenden BIP um 1,4 %‑Punkte auf 85,1 % zurück­gehen.

Steuern und Abgaben

Die öffentlichen Brutto­abgaben gemäß BVA‑E 2016 werden gegenüber dem für 2015 veranschlagten Wert nur gering­fügig um rd. 70 Mio. EUR auf 81,9 Mrd. EUR ansteigen. Die Steuer­schätzung für das Jahr 2016 ist von der Steuer­reform 2015/2016 geprägt. Durch die Steuer­reform kommt es zu einer erheblichen Verschiebung der Abgaben­struktur zwischen der Lohn­steuer und der Umsatz­steuer. Die Ein­zahlungen aus der Lohn­steuer sind erstmals seit 2009 rück­läufig und werden mit 24,8 Mrd. EUR veranschlagt (30,3 % der Brutto­abgaben). Bei der Umsatz­steuer wird ein deutlicher Anstieg der Ein­zahlungen auf 28,2 Mrd. EUR budgetiert (34,5 % der Brutto­abgaben).

Arbeit

Die Gebarung in der UG 20‑Arbeit ist von der anhaltend angespannten Arbeitsmarkt­lage geprägt, weshalb die Mittel im BVA‑E 2016 deutlich um 944 Mio. EUR auf 8,1 Mrd. EUR aufgestockt wurden. Für 2016 prognostiziert das WIFO einen weiteren Anstieg der Arbeitslosen­quote auf 9,7 % bzw. 384.400 vorgemerkte Arbeitslose.

Pensionen

Die Auszahlungen für Pensionen (Abgang Pensions­versicherung und Beamt:innen­pensionen) werden laut BVA‑E 2016 rd. 20,4 Mrd. EUR betragen, d. h. auf den Pensions­bereich entfallen 26,5 % der für 2016 veranschlagten Auszahlungen. Im Bereich der Pensions­versicherung stieg das faktische Pensions­antritts­alter von 2013 auf 2014 um 13 Monate auf 59,6 Jahre an, bei den Beamt:innen um drei Monate auf 60,9 Jahre.

Asyl und Sicherheit

Der dramatische Anstieg der Anzahl an Flüchtlingen in den vergangenen beiden Jahren insbesondere aber seit Sommer 2015 ist mit großen auch budgetären Heraus­forderungen für Österreich verbunden. Im BVA‑E 2016 sind Mehr­kosten für die Grund­versorgung iHv 420 Mio. EUR sowie ein mit 75 Mio. EUR dotierter "Topf für Integration", der im Rahmen einer Ermächtigung aus der Marge des Finanz­rahmens in Anspruch genommen werden kann, vor­gesehen, wobei noch nicht alle absehbaren Mehr­kosten berücksichtigt werden konnten.

Bildung, Forschung und Entwicklung

Im BVA‑E 2016 sind in der UG 30‑Bildung und Frauen Auszahlungen iHv rd. 8,1 Mrd. EUR veranschlagt. Damit steigen die Aus­zahlungen um 106,5 Mio. EUR gegen­über dem BVA 2015. Die Forschungs­quote in Österreich soll im Jahr 2015 laut Global­schätzung der Statistik Austria 3,01 % erreichen und damit gegenüber 2014 (2,99 %) und 2013 (2,95 %) leicht ansteigen.

Familien

Zur Entlastung der Familien ist neben einer steuerlichen Entlastung im Rahmen der Steuer­reform (Verdoppelung des Kinderfreibetrags) eine Erhöhung der Familien­beihilfe um 1,9 % ab 1. Jänner 2016 und eine weitere Erhöhung um 1,9 % ab 1. Jänner 2018 vorgesehen. Regierung und Sozial­partner haben eine deutliche Senkung des Dienstgeber­beitrags zum FLAF (0,4 %‑Punkte ab 2017, weitere 0,2 %‑Punkte ab 2018; zusätzlich 0,1 %‑Punkte bei Beschäftigung älterer Arbeit­nehmer:innen) vereinbart. Der FLAF, der zuletzt bedeutende Überschüsse erzielte, würde dadurch spätestens ab 2018 wieder defizitär.

Verwaltungs- und Förderungsreform

Zur Gegen­finanzierung der Steuer­reform sind bei der Verwaltung (Personal- und Sach­aufwendungen) und bei den Förderungen für Bund, Länder und Gemeinden jährliche Ein­sparungen von insgesamt 1,1 Mrd. EUR vorgesehen. Die einzelnen Maßnahmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll, sind nicht nachvollziehbar.

Infrastruktur und Umwelt

Infrastrukturinvestitionen auf Bundes­ebene werden vor allem außerbudgetär getätigt. Im Jahr 2016 sind bei der ÖBB Infrastruktur AG, der ASFINAG und der Bundes­immobilien­gesellschaft (BIG) Investitionen von insgesamt rd. 3,8 Mrd. EUR vorgesehen. Im Bereich der Thermischen Sanierung (‑46,5 Mio. EUR) und des Klima- und Energie­fonds (‑29,4 Mio. EUR) sind deutliche Kürzungen der veranschlagten Beträge vorgesehen. Obwohl diese Mittel über Rücklagen­entnahmen im Vollzug aufgestockt werden könnten und zusätzliche EU‑Mittel zu Verfügung stehen, sind diese Kürzungen aus Sicht des Klima­schutzes zu hinterfragen.

Wirkungsorientierung

Für den Voranschlags­entwurf 2016 wurde von der Wirkungs­controlling­stelle eine Qualitäts­offensive initiiert. Zu den 128 Wirkungs­zielen des letzten Voranschlags sind zehn neue Wirkungs­ziele hinzugekommen und zwölf Wirkungs­ziele weg­gefallen, bei 27 Wirkungs­zielen erfolgten inhaltliche oder textliche Änderungen.

Budgetrisiken

Das vorgelegte Budget für 2016 ist in seinen Ziel­setzungen ambitioniert, enthält aus Sicht des Budget­dienstes aber in einigen Positionen auch Risiken, die zu Abweichungen von den vorgesehenen Ziel­werten führen können.