Fachinfos - Zukunftsthemen 07.07.2026

Studie: Digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung

Kurzfassung der Studie

Die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung tritt mit Künstlicher Intelligenz (KI), algorithmischer Entscheidungsunterstützung und Automatisierung sowie dem wachsenden Einsatz von Datenanalysen in eine neue Phase ein. Der vorliegende Bericht widmet sich dem aktuellen Stand und gegenwärtigen Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation der Verwaltung in Österreich. Im Rahmen dieser digitalen Transformation geht es nicht nur um die Implementierung einzelner Technologien, sondern auch um die grundlegende Neuausrichtung von Prozessen und Arbeitsweisen sowie den Aufbau von vernetzten Dateninfrastrukturen. Daten werden dabei zunehmend als strategische Ressource genutzt. Diese "Datafizierung" des Staates beschreibt eine politische Intervention, die Probleme und Lösungen auf eine bestimmte Weise konstruiert und die Rahmenbedingungen für Governance mitprägt. Digitale Daten sind an bestimmte Infrastrukturen, Praktiken, Erfordernisse, Erwartungen und rechtliche Standards gebunden. Sie sind in konkreten gesellschaftlichen Kontexten und Konstellationen an bestimmte Geschäfts-, Eigentums- und Zugangsmodelle geknüpft. Aktuelle Veränderungen der Personalstruktur durch Pensionierungen und Generationenwechsel, aber auch steigende Anforderungen an Prozessinnovation und Standardisierung stellen derzeit spezifische Ansprüche an die digitale Transformation. Auch das Verständnis "verantwortungsvoller" Digitalisierung entwickelt sich laufend weiter und stellt Anforderungen an (föderalistische) Politiksysteme.

Fragestellungen der Studie

Vor diesem Hintergrund und nicht zuletzt auch aufgrund neuer geopolitischer Entwicklungen mit den damit verbundenen technologischen Abhängigkeiten, bearbeitet diese Studie folgende Fragestellungen:

  • Welche Chancen bieten neue und anstehende technologische Entwicklungen für die öffentliche Verwaltung?
  • Wie stellt sich der aktuelle Stand der digitalen Transformation der Verwaltung in Österreich dar?
  • Wie soll verwaltungsebenen- und ressortübergreifende Kooperation im föderalen System gestaltet werden?
  • Welche Best Practices für einen transparenten und verantwortungsvollen Technologieeinsatz gibt es in anderen europäischen Ländern?
  • Welche Schritte können unternommen werden, um die digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung zu fördern?

Ausgehend von diesen Fragen verfolgt der vorliegende Bericht das Ziel, einen Beitrag zur Kooperation im Mehrebenensystem, zur Stärkung der digitalen Souveränität sowie zur Förderung der Sozialverträglichkeit digitalisierter Prozesse und Serviceangebote zu leisten und zeigt dafür konkrete Handlungsoptionen für das Parlament und die Verwaltung auf.

Ausgangspunkte der Studie

In der Einleitung werden die Ausgangspunkte der Studie, die spezifischen Schwerpunkte und das methodische Vorgehen skizziert. Die angewandten Methoden waren: Literatur- und Dokumentenanalyse, eine teilstandardisierte Befragung, ein Fokusgruppen-Workshop, leitfadengestützte Interviews mit Experten und Expertinnen sowie ein weiterer Stakeholder-Workshop inklusive SWOT-Analyse (Strengths–Weaknesses–Opportunities–Threads). Die Themenschwerpunkte der Studie werden einleitend vorgestellt: die Bedeutung digitaler Souveränität für die staatliche Kontrolle über Verwaltungsdaten und digitale Infrastrukturen; Interoperabilität als technische, organisatorische und juristische Aufgabe; die digitale Kluft und gerechte Teilhabe; und schließlich die sozialverträgliche Nutzung von KI, Algorithmen und automatisierter Entscheidungsunterstützung.

Technische Entwicklungen

Mit einem Überblick über maßgebliche technische Entwicklungen gibt der Bericht in Kapitel 2 Einblicke in das Potenzial aktueller technologischer Trends für Innovationen in der Verwaltung. Der Fokus liegt hier auf den Chancen, die sich durch generative KI, automatisierte Prozesse, One-Stop-Shop-Systeme, Open Source und Cloudlösungen ergeben.

Stand der digitalen Transformation in der österreichischen Verwaltung

Aufbauend auf dem allgemeinen technologischen Status Quo, stellt Kapitel 3 den konkreten technisch-organisatorischen Stand der digitalen Transformation innerhalb der österreichischen Verwaltungsstrukturen dar. Infrastrukturelle Bausteine sind hier der elektronische Akt (ELAK), die ID Austria, und Digital Austria Data Exchange (dadeX) für den Austausch von Daten aus den Registern unterschiedlicher Behörden. Die Umsetzung des One-Stop-Shop-Gedankens manifestiert sich in behördenübergreifenden Plattformen und Serviceportalen wie "oesterreich.gv.at" und "Mein Postkorb". Aktuell erfolgen neue Entwicklungen in den Bereichen generative KI, Datenanalysen und algorithmische Entscheidungsunterstützung. Zudem werden die Wechselwirkungen zwischen Digitalisierungskompetenzen und Beschaffung sowie zwischen Digitalisierungsprozessen und Organisationsentwicklung beleuchtet.

Verwaltungsebenen- und ressort-übergreifende Kooperation

Ein zentraler Schwerpunkt strategischer Digitalisierungsbeschlüsse in Österreich ist die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gebietskörperschaften bzw. Verwaltungsebenen sowie zwischen den Ressorts der Bundesministerien. Der Föderalismus wird dabei zum Ausgangspunkt für eine gelingende digitale Transformation. In Kapitel 4 werden die gegenwärtigen Erfahrungen von Digitalisierungsexperten und -expertinnen aus den Bundesministerien, dem Bundeskanzleramt, den Bundesländern und der Parlamentsdirektion ins Zentrum gestellt. Die Ergebnisse eines Fokusgruppen-Workshops verdeutlichen, wie interdisziplinäre und kooperative Prozesse in der gemeinsamen Beschaffung, bei Lern- und Austauschformaten sowie in der Projektumsetzung langfristig zur Förderung von Wissenstransfer, Menschenzentrierung und Kosteneinsparungen beitragen können. Entsprechende Handlungsoptionen dahingehend werden im letzten Berichtskapitel auf den Punkt gebracht.

Chancen und Best Practices

Einen zentralen Teil des Berichts stellt die Analyse vielversprechender Transformationsbeispiele aus anderen europäischen Ländern dar. Aus einer umfangreichen Auswahl an Projekten aus Estland, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und der Schweiz werden konkrete Best-Practice-Kriterien für die österreichische Verwaltung herauskristallisiert. Die Palette reicht hier von gelungenen verwaltungsebenen- und ressortübergreifenden Kooperationen über die Einführung interoperabler Dateninfrastrukturen bis hin zur demokratischen Kontrolle von KI, algorithmischer Entscheidungsfindung und Datenanalysen. Auch diese Länderbeispiele fließen schließlich in die Handlungsoptionen ein.

Digitale Verwaltung und digitale Souveränität

Aktuelle geopolitische Spannungen und die Abhängigkeit von großen Tech-Konzernen rücken strategische Schritte zur Stärkung der digitalen Souveränität derzeit ins Zentrum vieler Debatten und von Kapitel 6. Österreich und Europa verfolgen das Ziel, durch digitale Souveränität Unabhängigkeit gegenüber außereuropäischen Akteuren zu erreichen, sensible Daten zu schützen, wirtschaftliche Innovation zu stärken und nachhaltige und resiliente Infrastrukturen zu schaffen. Open-Source-Technologien und strategische Kapazitäten wie die Entwicklung eigener Technologien und die Diversifizierung von Lieferketten spielen hier eine wichtige Rolle. Als weitere Schritte zu einem sicheren und selbstbestimmten digitalen Handeln schlägt dieser Bericht eine strategische Koordination zwischen den EU-Mitgliedstaaten sowie die Entwicklung interoperabler Lösungen durch die bestehenden Netzwerke (relativ) kleiner Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der öffentlichen Hand vor.

Schlussfolgerungen und Handlungsoptionen für die Politik

Der Bericht präsentiert abschließend in Kapitel 7 konkrete Handlungsoptionen für das österreichische Parlament und die öffentliche Verwaltung in folgenden fünf Dimensionen:

  • Förderung der digitalen Souveränität
  • Verwaltungsebenen- und ressortübergreifende Kooperation
  • Beschäftigte als tragende Kräfte der digitalen Transformation
  • Bürgerinnen und Bürger im Zentrum
  • Begleitung und Evaluierung

Die Förderung digitaler Souveränität soll bestehende Abhängigkeiten von marktbeherrschenden Systemen reduzieren. Dafür braucht es klare Strategien, rechtliche Rahmenbedingungen und gezielte Förderung von Open-Source-Technologien, die nicht nur die Resilienz der öffentlichen Infrastruktur stärken, sondern auch den österreichischen und europäischen Wirtschaftsstandort voranbringen.

Eine erfolgreiche digitale Transformation in einer föderal organisierten öffentlichen Verwaltung setzt auf Kooperation über Verwaltungsebenen und Ressortgrenzen hinweg, um Synergien zu schaffen, Ressourcen zu bündeln und Insellösungen zu vermeiden. Gleichzeitig sollen die Menschen im Mittelpunkt stehen: Die frühzeitige Einbindung von Mitarbeitenden fördert Wissensaustausch und Mitgestaltung, während die Berücksichtigung der Lebensrealitäten der Bürgerinnen und Bürger sowie deren aktive Teilhabe die Servicequalität und das Vertrauen in politische Institutionen stärkt. Durch menschenzentrierte Prozessinnovation können bürokratische Systeme nachhaltig transformiert werden.

Die Einführung und Nutzung von KI, Algorithmen und Datenanalysen in der öffentlichen Verwaltung erfordert umfassende Begleitung, Evaluierung und demokratische Kontrollmechanismen, um Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und effektiven Ressourceneinsatz zu gewährleisten. Ein proaktives Vorgehen der öffentlichen Verwaltung sowie ein entsprechender Kapazitätsaufbau sind empfehlenswert. Das öffentliche Beschaffungswesen kann durch klare Leitlinien und Standards eine Schlüsselrolle spielen, um verantwortungsvollen und sicheren KI-Einsatz zu fördern.