Stellungnahme zu 46/BI (5030/SBI)

Stellungnahme zu Bürgerinitiative

Stellungnahme zu der Bürgerinitiative betreffend "Bereitstellung einer rein pflanzlichen, wahlweisen Verpflegungsoption im Bundesministerium für Landesverteidigung" (46/BI)

Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlaments­direktion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Inhalt

Sehr geehrtes Verteidigungsministerium!

Ich (36 J.) befürworte die Forderung und Stellungnahme der VGÖ. Ich lebe inzwischen seit 1 Jahr ausgewogen vegan, treibe regelmäßig Ausdauersport und fühle mich körperlich besser denn je. Aus physiologischer Sicht kann ich eine vegane Ernährung nur empfehlen.

Außerdem haben ethische Argumente der Veganen Gesellschaft bei mir zu einem besseren Verständnis rechtsphilosophischer, ernährungwissenschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Zusammenhänge beigetragen. Selbst entstamme ich einer christlichen (röm.-kath.) Tradition, und so empfinde ich den Veganismus als logische Konsequenz. Tiertötung zu Nahrungszwecken käme für mich nur in alternativlosen Situationen in Frage.

Aus ressourcen-strategischer Sicht betrachte ich vegane Grundsätze, erfahrungsgemäß im privaten Umfeld, ebenso als Gewinn.
Es wäre beim heutigen Personalbedarf des Bundesheeres und gleichzeitig begrenztem Budget unvernünftig, Staatsbürger:innen, welche sich dieser Weltanschauung verpflichtet fühlen, eine Laufbahn in der Landesverteidung zu erschweren. So fürchte ich dass dem Bundesheer womöglich auch progressives Talent entgehen könnte.

Veganismus erfordert zudem ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und Selbstkontrolle, als auch die Fähigkeit über den Tellerrand traditioneller Wertvorstellungen hinausblicken zu können. Es wäre unzureichend und vereinfachend Veganer:innen als "pazifistische Gutmenschen" einzuordnen, wie es im öffentlichen Diskurs oft der Fall ist. Veganer:innen beweisen im Sport (zB. Alpinismus, Klettern) Lust an körperlicher Erfahrung und Kampfgeist.

Zudem würde ich behaupten, dass viele Veganer:innen einerseits, womöglich intuitiv, ein sehr tiefgründiges Verständnis für natürliche Prinzipien und Prozesse haben (z.B. symbiotische Kooperation als Wettbewerbsvorteil, Energieerhaltungssatz in der Nahrungsmittelproduktion, natürlliche Resilienz der Diversität), und andererseits auch ein Verständnis für sehr abstrakte Ideen mitbringen könnten (Emphatie, Gerechtigkeitssinn, Dezentralität, Non-lineares Denken, Autonomie, Zielstrebigkeit, Weltoffenheit).

Bestimmt bringen viele Nicht-Veganer:innen diese emotionalen und mentalen Qualitäten ebenso in den Wehrdienst mit, keine Frage. So bleibt doch noch zu fragen: Warum leben diese also noch nicht vegan?

Spaß beiseite. Ich denke diesen Aspekt der Rekrutierung sollte man für die Entwicklung einer modernen und effizienten Landesverteidigung im multikulturellen europäischen Raum nicht außer Acht lassen und stattdessen in die Evaluierung miteinbeziehen.

Und auch wenn die Nachfrage nach veganer Ernährung zur Zeit verschwindend gering sein mag, so sollte das Verteidigungsministerium doch auch längerfristige Überlegungen anstellen, und ein Signal an potenzielles Fachpersonal aus dieser Bevölkerungsgruppe aussenden.

Hochachtungsvoll

Dominik Kummer