Stellungnahme zu Ministerialentwurf
Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz-TSchG) BGBl. I Nr. 118/2004, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 86/2018, geändert wird
Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlamentsdirektion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.
Inhalt
Sehr geehrte Damen und Herren
Ich möchte festhalten, dass ich den Schutz von Tieren sehr begrüße, allerdings sollte dabei nicht über das Ziel hinausgeschossen werden.
Diese Eingabe bezieht sich im Wesentlichen auf das Ziel:
Verbesserter Schutz von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen
Es gibt 3 Möglichkeiten einen Hund zu bekommen.
1. Über den Tierschutz.
Hier werden Hunde vermittelt, deren elterliche Abstammung nicht geklärt ist. Es kann über Vorerkrankungen der Eltern keine Aussage getroffen werden. Dennoch gilt die landläufige Annahme, dass Mischlinge „gesünder“ wären als Hunde von seriösen Züchter. Viel gilt, dass Mischlinge durch die fehlenden Untersuchungen der Elterntiere eher eine erbliche Vorbelastung aufweisen als Hunde aus streng kontrollierter Zucht.
2. Hund aus unkontrollierter Zucht.
Hunde aus unkontrollierter Zucht dienen in der Regel lediglich der Geldbeschaffung. Hier wird auf das Tierwohl KEINEN Wert gelegt, und auch die Gesundheit der Tiere ist hier nicht im Fokus. Da diese Gruppe aber weder erfasst noch kontrolliert wird, ist sie auch kaum greifbar. Solange ein Teil der Bevölkerung billig auf diesem Weg an einen „Rassehund“ kommt, wird sich Problem auch nicht ändern.
3. Hunde aus kontrollierter Zucht.
Hier sieht die Sache im Gegenteil zu den beiden vorangegangenen Möglichkeiten hinsichtlich der Gesundheit völlig anders aus. Züchter aus den offiziellen Zuchtverbänden (ÖKV, VDH,…) unterliegen strengen Regeln. Allem voran ist hier, neben anderen zuchtrelevanten Voraussetzungen vor allem die ZWINGENDE gesundheitliche Untersuchen der Elterntiere Voraussetzung für eine erfolgreiche Zuchtzulassung. Weiters steht der seriöse Züchter nicht nur durch den Dachverband unter Kontrolle, sondern muss in Österreich auch behördlich als Züchter registriert sein.
Um zu verdeutlichen, in welchem Verhältnis die Zahl der Hunde aus Punkt 1 und 2 zu der Zahl der Hunde aus Punkt 3 liegt, verweise ich auf Zahlen (1), die im Geschäftsbericht 2021 des VDH veröffentlicht wurden.
Diese belegen, dass nur ein geringer Anteil der Hunde aus Zuchtstätten des VDH kommen.
Erschreckende Hoch ist der Unterscheid bei den „Französischen Bulldoggen“.
Nur 193 der registrierten 13.657 Hunde kommen aus streng kontrollierter Zucht.
Die enge Zusammenarbeit mit Zuchtverbänden sollte daher verstärkt im Fokus liegen, um den Qualzuchtmerkmalen entgegenzuwirken.
Als ordentlich registrierter Züchter von Chinesischen Schopfhunden, sehe ich der Entwicklung dieser Rasse mit großer Sorge entgegen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum nachweislich falsche Grundlagen zu einem gesetzlich verankerten Problem für diese Urhunderasse werden sollen bzw. können. Ein Großteil der Argumente, die der Tierschutz anführt, sind nicht korrekt.
Frau Édua Elster hat nach meinem Erachten sehr gründlich recherchiert und einige bemerkenswerte Fakten zusammengetragen.
Mit ihrer Genehmigung möchte ich hier Teile des Textes zitieren:
Nackthunde sind keine neumodische Erscheinung. Sie gehören zu den Urhunderassen und existieren in ihrer heutigen Form seit nachweislich über 3500 Jahren (2). Dies belegen archäologische Funde (3). Was ich zusätzlich, während meinen Recherchen erfahren durfte, ist dass das FOXI3 Gen, das in der Kritik steht neben der Haarlosigkeit auch fehlende Zähne zu verursachen, seit ca 20 Millionen Jahren existiert und es Hundeartige gab die genau mit diesem, heute als fehlerhaften angesehenen Gebiss, gelebt haben (4).
Viele Forscher sind der Meinung, dass dieses Gen in der Evolution eine entscheidende Rolle bei der Bezahnung von vielen Säugetierarten, inklusive des Menschen, gespielt hat. Leider wurde bis jetzt zu wenig dazu geforscht und genaue Details sind nur im Zusammenhang mit Mäusen und Frettchen bekannt (4).
Im Grunde genommen sind nackte Urhunde lebende Fossilien, die uns sehr viel über Genetik und Evolution beibringen könnten. Aus Unkenntnis und falscher Tierliebe ziehen aber viele voreilige Schlüsse und wagen es die Natur selbst in Zweifel zu ziehen und sehen Nackthunde als ein menschlich gemachtes Übel an. Dies trifft bei weitem nicht zu, keine Rasse könnte nur und ausschließlich durch menschliche Einflüsse so lange überleben.
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Kommen wir zu den Zähnen.
Wir vergleichen ein für uns scheinbar ästhetisch mangelhaftes Gebiss … ohne zu bedenken, dass [dieses] Funktional [ist] ... Wäre dies nicht der Fall, könnten Straßenhunde … der nackten Rassen nicht überleben, was sie aber nachweislich taten (7).
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Maßstäbe der Ästhetik …[sollten] keinen Stellenwert in der Debatte um Qualzuchten haben. Ein funktionelles Gebiss … führt nicht zu Schmerzen oder Leid, nur weil dieses nicht unserer ästhetischen Vorstellung entspricht. Erfahrungen von Nackthundehaltern zeigen, dass selbst eine Rohfütterung mit Knochen genauso praktikabel ist wie bei anderen Rassen.
Ähnliches Bild für die nackte Haut.
Sie weist viele Vorteile auf, besonders im warmen Klima. Ektoparasiten haben kaum Möglichkeiten sich festzusetzen. Die Gefahr für Hautkrebs ist bei pigmentierter Haut nicht höher als bei anderen Rassen.
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Die Wundheilung von nackter Haut ist erheblich schneller und unkomplizierter als bei störender Behaarung, dies ist ebenfalls ein evolutionärer Vorteil.
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Eine weitere Debatte dreht sich um die Letalität des FOXI3-Gens in reinerbiger Form. Es gibt [jedoch] keine [nachweislich ausgetragenen] reinerbigen Nackthunde mit dem FOXI3-Gen. Diese werden vermutlich als Fötus im Mutterleib bis zur vierten Lebenswoche absorbiert (11).
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Alle Nackthunde mit diesem [Foxy-3] Gen sind mit nackter Haut mischerbig, somit können zwei nackte auch behaarten Nachwuchs zeugen.
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Es gibt auch weitere Nackthunderassen, deren Genetik nicht auf das FOXI3-Gen zurückzuführen ist. … Die Nacktheit entsteht durch eine Mutation auf dem SGK3-Gen (11). Eine Mutation dieses Gens führt unter anderem auch beim Deerhound zu nackten Exemplaren mit ebenfalls vollständiger Bezahnung (12).
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Das spontane Auftreten nackter Individuen in verschiedenen Rassen lässt vermuten, dass auch die Mutation des SGK3-Gens schon längere Zeit existiert und keinen menschlichen Einfluss brauchte, um zu entstehen.
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Nackthunde überzeugen durch ihre Vitalität, Langlebigkeit und außergewöhnlichen Charakter. Sie mögen exotisch und ungewöhnlich für unsere Augen sein, jedoch bestehen keinerlei Einschränkungen in ihrem Körperbau, die eine Bezeichnung als Qualzucht rechtfertigen könnte.
Nur die Willkür von Unwissenden führt dazu, dass wir um unsere geliebten Rassen fürchten müssen.
Ergänzend zu den Ausführungen von Frau Édua Elster möchte ich noch weitere Überlegungen festhalten.
Im Gesetzesentwurf wird unter §5(2)e Haarlosigkeit genannt.
Dass die Natur sehr wohl in Richtung Haarlosigkeit gehen kann, lässt sich neben den Urhunderassen auch andere Beispiele deutlich aufzeigen. So gehen die heutigen haarlosen Elefanten und Nashörner auf das behaarte Wollmammut bzw. das Wollnashorn zurück.
Elefanten und Nashörner haben trotz, oder auch gerade wegen ihrer Haarlosigkeit bis heute überlebt, was ihren behaarten Vorfahren nicht gelungen ist.
Ebenso ist falsch, dass Nackthunde durch das fehlende Fell keinen Sonnenschutz haben. In der Regel zeigen Nackthunde eine ausgezeichnete Pigmentierung, die sofort bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr die Haut dunkel werden lässt. Die Evolution hat hier statt einem Fell den Weg eingeschlagen, der dem des Menschen durchaus ähnlich ist, nämlich eine pigmentierte Haut als Sonnenschutz.
Auch der Hinweis auf fehlende Temperaturregelung entbehrt bei genauer Betrachtung ebenfalls jeglicher Logik.
Nur bei Hunderassen die eine dichte Unterwolle, bzw. ein dichtes Fell mit einem großen Maß an Volumen haben, könnte das Fell in gewissen Grenzen eine isolierende Wirkung bieten. Allen Kurzhaar- oder Drahthaar-Variationen wäre dieser Schutz, wie auch beim Nackthund, nicht gegeben.
Beim Nackthund, der keine Unterwolle hat, und nur wenig bis gar keine Haare am Körper hat, wird das Evolutionsbedingt durch eine festere und dickere Hautstruktur ausgeglichen.
Weiters fällt auf, dass bei großer Hitze, oder direkter Sonneneinstrahlung Hunde mit viel bzw. dichtem Fell den Nackthunden benachteiligt sind, was sich in starkem Hecheln zur inneren Temperatursenkung zeigt.
Wir sollten demnach auch hier statt Vermutungen und Annahmen nach einer wissenschaftlich fundierten und belastbaren Wahrheit streben, bevor gesetzlich verankerte Tatsachen geschaffen werden, die auf falschen oder unbelegten Meinungen basieren.
Für die Haarlosigkeit des Chinesischen Schopfhundes ist das Foxy-3 Gen verantwortlich.
In einem wissenschaftlichen Artikel(14) von der Max-Planck-Gesellschaft wird das Foxy-3 Gen aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet. Der Artikel schließt mit dem Fazit:
[Zitat] Die Leipziger und Jenaer Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass FOXI3 eventuell eine größere Bedeutung in der Entwicklung der Zähne der Säugetiere zugemessen werden sollte. „Es ist gut möglich, dass dieses Gen auch bei evolutiven Veränderungen der Zahnmorphologie des Menschen eine Rolle gespielt haben könnte“, sagt Kupczik.[Zitat]
Haarlosigkeit kann demnach ein evolutionsbedingter Umstand sein, und ist daher nicht zwingend ein Qualzuchtmerkmal.
Das Tierschutzgesetzt dient dem Wohl des Tieres, und sollte sich lediglich darauf konzentrieren.
Optische Belange, beziehungsweise Meinungen, die nicht wissenschaftlich gestützt werden können, haben hier nichts verloren.
Zusammenfassend möchte ich festhalten:
• Nacktheit bei Urhunderassen geht nicht mit Schmerzen oder Qualen einher, sondern ist durch die Evolution entstanden und hat sich sogar als vorteilhaft erwiesen.
• Fehlende Zähne sind nicht zwingend ein Problem
Die Vorgeschlagene Fassung zum Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG) wäre demnach noch einmal zu überarbeiten.
Vielen Dank
Thomas Hawranek
Quellangaben in der Beilage