Stellungnahme zu Ministerialentwurf
Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das Universitätsgesetz 2002, das Hochschulgesetz 2005, das Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz, das Fachhochschulgesetz und das Privathochschulgesetz geändert werden
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Inhalt
Stellungnahme der Österreichischen Sportwissenschaftlichen Gesellschaft (ÖSG) zum Gesetzesentwurf der UG-Novelle und dem Reformvorhaben zur Verkürzung der Lehreramtsstudiengänge
Sehr geehrter Herr Bundesminister Polaschek,
grundsätzlich begrüßen wir Bildungsreformen, die bestrebt sind, die Lehrer:innenbildung zeitge-mäß auszurichten. Wir erkennen ebenso an, dass der aktuell vorherrschende Lehrer:innenmangel einen großen Handlungsbedarf erzeugt. Auch ist eine Verkürzung der Lehrer:innenbildung aus unserer Sicht nicht grundsätzlich negativ zu bewerten. Gleichwohl sehen wir uns als Fachgesellschaft dazu veranlasst, zur geplanten Reform und dem vorgelegten Gesetzesentwurf kritisch Stellung zu nehmen. Dies betrifft insbesondere die nachfolgend angeführten Punkte:
• Reformmaßnahmen sollten immer auf eine qualitätsvolle Weiterentwicklung mit dem Ziel der Professionalisierung ausgerichtet sowie evidenzbasiert sein und keinesfalls Gefahr laufen, aus pragmatischen Gründen Qualitätseinbußen und Deprofessionalisierung hervorzurufen. Daher sehen wir in dem vorgesehenen sehr kurzen Zeitrahmen zur Umsetzung einer Verkürzung des Studiums die Gefahr, hier keine qualitätsvolle Entwicklung leisten zu können, sondern im Gegenteil über schnell gesuchte pragmatische Kompromisslösungen eher Qualitätseinbußen zu riskieren.
• Aus wissenschaftlicher Perspektive ist nicht ersichtlich, weshalb die geplante Reform eine zweckmäßige Maßnahme darstellt, um dem aktuell vorherrschenden Lehrer:innenmangel zu begegnen und eine mittelfristige Deckung des Lehrbedarfs zu erreichen. Daher ist eine Begründung dafür erforderlich oder zumindest eine Diskussion darüber, ob bzw. inwiefern eine Verkürzung ein geeignetes Mittel dafür darstellt.
• Für eine qualitätsvolle Lehrer:innenbildung sind die vier Säulen der Bildungswissenschaft, der Fachdidaktik, der Fachwissenschaft und der Schulpraxis unabdingbar. Als Fachgesellschaft sehen wir in dem gegenwärtigen Entwurf insbesondere eine fundierte fachwissenschaftliche und fachdidaktische Ausbildung sowie auch eine reflektierte Auseinandersetzung mit Schul- und Unterrichtspraxis gefährdet.
• Zudem sehen wir die für das Unterrichten im Fach Bewegung und Sport notwendige, sowohl breite als auch vertiefte sportpraktische Ausbildung und die erforderliche fachdidaktische sowie fachwissenschaftliche Reflexion von Sport- und Bewegungspraxis gefährdet.
• Um die Qualität der Verkürzung des Lehramtsstudiums beurteilen und ggf. auch noch Anpassungen vornehmen zu können, halten wir eine evaluative Begleitung der Umsetzung für notwendig. Aus universitärer und wissenschaftlicher Sicht sind wir enttäuscht über die fehlende Kommunikation und mangelnde Transparenz im Vorfeld der geplanten Verkürzung des Lehramtsstudiums. Auch stellt sich uns die Frage, inwieweit die ergriffenen Maßnahmen auf der Basis wissenschaftlicher Evidenz gründen, was u.E. für ein wissenschaftliches Studium unabdingbar wäre. In diesem Zusammenhang möchten wir auch betonen, dass mit der Österreichischen Sportwissenschaftlichen Gesellschaft eine Struktur etabliert ist, in der sich lehrer:innenbildende Standorte im Fach Bewegung und Sport effektiv koordinieren und ihre Expertise bündeln. Es ist ernüchternd, dass diese und vergleichbare Strukturen nicht genutzt wurden und wir wünschen daher, dass dies in Zukunft geschieht.
Mit freundlichen Grüßen,
der Vorstand der Österreichischen Sportwissenschaftlichen Gesellschaft.