Universitätsgesetz, Hochschulgesetz u.a., Änderung (138/SN-308/ME)

Stellungnahme zu Ministerialentwurf

Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das Universitätsgesetz 2002, das Hochschulgesetz 2005, das Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz, das Fachhochschulgesetz und das Privathochschulgesetz geändert werden

Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlamentsdirektion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Inhalt

Sehr geehrte Bundesregierung,
sehr geehrter Herr Bundesminister Univ.-Prof. Dr. Polaschek,

als studentische Mitglieder der CuKo (Curricula-Kommission) am Institut für Romanistik und derzeitige Studierende im Master des Lehramtsstudiums an der Universität Graz und der Pädagogischen Hochschule Steiermark begrüßen wir die Entscheidung der Bundesregierung, die Mindeststudiendauer des Lehramtsstudiums Sekundarstufe von sechs auf fünf Jahre zu verkürzen. Diese Maßnahme bietet zukünftigen Studierenden einen Bildungsweg mit weniger Zeitaufwand und Hindernissen, was ihnen wiederum eine effizientere Absolvierung ihres Studiums ermöglichen wird.

Allerdings möchten wir in aller Deutlichkeit auch darauf hinweisen, dass die Absolvierenden des aktuellen sechsjährigen Lehramtsstudiums 60 ECTS-Punkte beziehungsweise ein Studienjahr zusätzlich absolvieren müssen und mussten. Eine Anerkennung in Form einer Entschädigung für dieses zusätzliche Studienjahr wäre demnach mehr als gerechtfertigt, da der Verdienstentgang eines Jahresgehalts und das Fehlen eines Versicherungsjahres in der Pensionsanrechnung als Konsequenz dieser zusätzlichen Studienzeit einen Lebensverdienstentgang in mittlerer fünfstelliger Höhe bedeutet! Eine entsprechende Entschädigung würde nicht nur als Wiedergutmachung für die erlittenen Nachteile dienen, sondern auch als Geste der Gerechtigkeit und Fairness gegenüber einer Generation, die sich durch ein extrem anspruchsvolles Studium gekämpft und sich damit auch eine zwar höhere, aber unbelohnte Qualifikation als vorherige und folgende Studienabsolventen erarbeitet hat.

Dazu erscheint es uns auch noch wichtig zu betonen, dass eine mögliche Verkürzung der LehrerInnenausbildung nicht auf Kosten der Qualität gehen sollte. Sorgfältige Überlegungen und Planungen sind unbedingt erforderlich, um sicherzustellen, dass eine solche Reform nicht zu einer Deprofessionalisierung des Lehrberufs führt, dessen Image durch das momentan häufig praktizierte Quereinsteigen bereits merklich gelitten hat.

Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass das neue Curriculum internationale Standards berücksichtigt und uns ausreichend Zeit und Raum für eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Fachdidaktik bietet. Die Fachdidaktik spielt eine entscheidende Rolle in unserem Studium, da sie uns das nötige Wissen und die Kompetenzen vermittelt, um unseren zukünftigen Unterricht effektiv gestalten zu können. Viele Studierende und Lehrende schätzen den Wert der fachdidaktischen Ausbildung im aktuellen Lehramtscurriculum. Eine Kürzung des Anteils der Fachdidaktik im neuen Curriculum würde eine Minderung der Qualität unserer Ausbildung für den Schulalltag verursachen, da die Fachdidaktik von den meisten Studierenden als ausschlaggebend für die zukünftige Berufspraxis wahrgenommen wird. Deshalb plädieren wir dafür, den Anteil der Fachdidaktik zumindest beizubehalten, wenn nicht sogar zu erhöhen. Nur so können wir sicherstellen, dass auch die zukünftigen Lehrkräfte mit dem notwendigen Wissen und den Fähigkeiten ausgestattet werden, um unseren Beruf professionell ausüben zu können. Wir möchten betonen, dass das Hauptziel einer Reform der LehrerInnenausbildung die Erhöhung der Qualität unserer Ausbildung sein sollte und nicht nur die kurzfristige Deckung des Lehrpersonenbedarfs an Schulen.

Ebenso ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass das Masterstudium essentiell für eine nachhaltige Lehrerausbildung ist, da es den Studierenden ermöglicht, ihre Kenntnisse über Lehr- und Lernprozesse sowie Studieninhalte durch kritische Auseinandersetzung mit fachdidaktischer Forschung zu vertiefen. Ein zu starrer Fokus auf berufsbegleitende Modelle könnte die Bedeutung des Masterstudiums mindern und die Qualität der Lehrerausbildung sowie der fachdidaktischen Forschung beeinträchtigen. Durch eine Minderung des Stellenwerts des Masterstudiums könnte zudem die wissenschaftliche Nachwuchsförderung eingeschränkt werden, da die Studierenden aufgrund des mangelnden Angebots weniger Zugang zu wissenschaftlicher Forschung erhalten und infolgedessen würden auch weniger Studierende ein Doktoratsstudium wählen. Aufgrund der vorgesehenen Minderung im Bereich der Fachdidaktik stellt sich die Frage, ob ein Doktoratsstudium mit so wenig Einbindung dieser Elemente im Bachelor- und Masterstudium überhaupt möglich wäre.

Ein weiteres Anliegen unsererseits besteht darin, dass die Umstellung auf das neue Curriculum reibungslos verläuft, ohne dass Studierende gezwungen sind, ECTS-Punkte nachzuholen. Außerdem stellt sich für uns die Frage, wie sich diese Umstellung auf Quereinsteiger sowie auf aktuell fachfremd unterrichtende Lehrpersonen auswirken würde.

Des Weiteren betrachten wir die Kürzung der PPS im Bachelor als sinnvollen Schritt, um die Anmeldung zum Praktikum und die Durchführung zu erleichtern, jedoch sollte dieses Praktikum über einen längeren Zeitraum erfolgen und dafür mehr ECTS wert sein. Durch eine Erhöhung der ECTS-Punkte könnte mehr Raum für eigenständiges Unterrichten geschaffen werden und somit die Praxisausbildung für den Schulalltag verbessert werden.

In Anbetracht der geplanten politischen Neuwahlen im September 2024 und einer unsicheren Zukunft der Novelle für das Lehramt möchten wir abschließend auf den hohen Stellenwert von ExpertInnen-Meinungen wie beispielsweise aus der Fachdidaktik sowie diverser Stellungnahmen von StudierendenvertreterInnen hinweisen.

Wir hoffen daher, dass unsere Perspektive bei der Gestaltung des neuen Curriculums angehört und berücksichtigt wird.

Mit freundlichen Grüßen,
die studentischen Mitglieder der CuKo Romanistik an der Universität Graz,
Julia Egg, Esraa Shehata und Selina Pignitter

Themen

Stellungnahme von

Curricula-Kommission des Instituts für Romanistik an der Universität Graz; Studentische Mitglieder der Curricula-Kommission der Romanistik an der Universität Graz