Stellungnahme zu 32/BI (553/SBI)

Stellungnahme zu Bürgerinitiative

Stellungnahme zu der Bürgerinitiative betreffend "Unsere Kinder brauchen Unterstützung JETZT und nicht irgendwann! Stoppt die NOT im Bildungsbereich!" (32/BI)

Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlaments­direktion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Inhalt

Wir unterstützen die Anliegen dieser Initiative und halten folgendes fest:

Österreich hat sich offiziell zweimal dazu bekannt, dass Bildung für alle da sein soll – und das auch mit offiziellen Unterschriften bestätigt. Einmal mit der Kinderrechtskonvention und ein weiteres Mal mit der UN-Behindertenrechtskonvention.
Bildung beginnt bei den Kleinsten. Und je besser die Begleitung in diesen frühen Jahren ist, desto mehr Wege öffnen sich in ihrem Leben. Das bedeutet mehr Chancen, mehr Möglichkeiten, mehr Schritte in Richtung echter Inklusion.
Doch wer Ja zur Gleichberechtigung in der Bildung sagt, gleichzeitig aber die notwendigen Ressourcen nicht erhöht, der spricht letztlich nur leere schmerzhafte Worte. Denn ohne ausreichende Unterstützung bleibt Inklusion ein Versprechen auf dem Papier.
Und eine weitere entscheidende Frage ist: Was rauben wir diesen Kindern, wenn wir ihnen die nötige Unterstützung verwehren?
Aber auch: Was rauben wir unserer Gesellschaft, also uns allen?
Wir verlieren Menschlichkeit, Vielfalt, Potenziale, Möglichkeiten und Entwicklung.
Eine Gesellschaft wächst an ihrer Vielfalt und an ihrer Bereitschaft, niemanden zurückzulassen.

Als Organisation, die seit vielen Jahren Menschen mit Behinderungen auf ihrem Weg in Ausbildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe begleitet, unterstützen wir die Forderung nach einer dringenden Verbesserung der personellen Ressourcen im Bildungsbereich für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf ausdrücklich.
Unsere tägliche Praxis zeigt deutlich: Entwicklung, Reife und berufliche Orientierung benötigen Zeit – insbesondere für junge Menschen mit Behinderungen oder erhöhtem Unterstützungsbedarf. Viele Jugendliche profitieren enorm von zusätzlichen Entwicklungsphasen, etwa durch ein 11. und 12. Schuljahr bzw. durch sogenannte Nachreifeprozesse, in denen sie soziale Kompetenzen, Selbstständigkeit, Arbeitsfähigkeiten und Stabilität entwickeln können. Diese Schritte sind oft entscheidend, um später eine echte Teilhabe am Arbeits- und Sozialleben zu ermöglichen.
Wenn diese Entwicklungszeit im Schulsystem zu kurz ist und gleichzeitig nachfolgende Qualifizierungsangebote zeitlich verkürzt werden, entsteht eine problematische Lücke. In unserer Arbeit beobachten wir derzeit genau diese Entwicklung, und es sinkt die Zeit für Stabilisierung, Kompetenzaufbau und berufliche Orientierung deutlich. Als Folge beobachten wir bereits sinkende Vermittlungsquoten in den Arbeitsmarkt, zunehmende Perspektivlosigkeit bei jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf und ein wachsendes Risiko sozialer Ausgrenzung.
Wenn Kinder bereits in der Schule nicht ausreichend Unterstützung erhalten und danach auch die Zeit für berufliche Orientierung, Ausbildung oder Qualifizierung verkürzt wird, vergrößert sich das Defizit an Entwicklungsmöglichkeiten erheblich.
Gerade deshalb ist es aus unserer Sicht dringend notwendig, die strukturellen Voraussetzungen für bessere Unterstützung im Bildungssystem zu schaffen. Eine Erhöhung der Deckelung für sonderpädagogische Ressourcen ist ein wichtiger Schritt, damit Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf jene Unterstützung erhalten, die sie für ihre Entwicklung benötigen.
Denn jedes Jahr in der Entwicklung eines jungen Menschen zählt.
Investitionen in Bildung, Förderung und Entwicklungszeit verhindern spätere soziale Kosten und ermöglichen echte Inklusion.