Stellungnahme zu Ministerialentwurf
Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das Schulunterrichtsgesetz und das Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz geändert werden
Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlamentsdirektion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.
Inhalt
Wir begrüßen die geplante Anpassung des Anstellungserfordernisse-Gesetzes für die Ermöglichung von grundständigen Bachelorstudien für Elementarpädagogik (180 ECTS), deren Abschluss mit der Berufsberechtigung als Elementarpädagog:innen einhergeht.
Bereits seit langem wird von Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen gefordert, die Grundausbildung von Elementarpädagog:innen auf Hochschulniveau zu heben, um mit aktuellen Entwicklungen in der Elementarpädagogik Schritt zu halten – sowohl in wissenschaftlicher Hinsicht als auch in Bezug auf die steigenden Anforderungen und Herausforderungen in der Praxis elementarer Bildungseinrichtungen - um Absolvent:innen entsprechend darauf vorzubereiten und einen kompetenten Umgang damit zu ermöglichen sowie das Berufsbild aufzuwerten.
Diesbezüglich und in Hinblick auf die Weiterentwicklung der bisherigen BAfEP schließen wir uns
• der Stellungnahme von Josef C. Aigner
(siehe https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/SNME/404/)
• der Stellungnahme der ÖFEB in Bezug auf die Notwendigkeit einer Durchlässigkeit zu weiterführenden Studiengängen auf Master- und Doktoratsniveau (https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/SNME/500/) an.
Kritische Anmerkungen und Empfehlungen:
a) Personalressourcen für die Einführung an Pädagogischen Hochschulen
An den Pädagogischen Hochschulen gibt es bereits Knowhow und langjährige Erfahrungen mit nicht grundständigen Bachelorstudien für Elementarpädagogik, an der KPH Wien/Niederösterreich etwa mit dem Bachelorstudium „Elementarbildung: Inklusion und Leadership“. Im Vergleich zu den bisherigen elementarpädagogischen Ausbildungsformen an den Pädagogischen Hochschulen ist es beim grundständigen Bachelorstudium notwendig, die Praktika und die Zusammenarbeit mit elementaren Bildungseinrichtungen auszubauen.
Damit in Zukunft auch grundständige Bachelorstudien an Pädagogischen Hochschulen angeboten werden können, benötigt es daher entsprechende zusätzliche v.a. personelle Ressourcen an PH, die durch das Bundesministerium für Bildung bereitgestellt werden sollten.
b) Fehlender wissenschaftlicher Nachwuchs: Wer bildet Elementarpädagog:innen auf Hochschulniveau aus?
Die Elementarpädagogik stellt in Österreich in wissenschaftlicher Hinsicht eine junge Disziplin dar, die einen noch geringen Grad der Institutionalisierung im hochschulischen Bereich aufweist (so gibt es bisher nur wenige Lehrstühle für Elementarpädagogik an österreichischen Universitäten). Daher ist es notwendig, neben Bachelorstudien auch (konsekutive) Masterstudien für Elementarpädagogik zu ermöglichen und auszubauen, um wissenschaftlichen Nachwuchs auf Masterniveau sicherzustellen und die Anzahl von Promotionen sowie Professuren im Bereich der Elementarpädagogik zu erhöhen. Ein Vehikel, um einen solchen Ausbau auch auf PhD-Niveau voranzutreiben, stellt die Einrichtung von Doktoratskollegs in Kooperation von Universitäten und Pädagogischen Hochschulen dar, wie sie durch die Initiative „Bildungsinnovation braucht Bildungsforschung“ von BMB und BMFWF gefördert werden. Daher wäre es wichtig, dieses Programm fortzuschreiben und bei künftigen Ausschreibungen das Thema Elementarpädagogik als längerfristigen Schwerpunkt zu verankern und Einreichungen aus diesem Bereich fortlaufend zu ermöglichen.
Einen solchen wissenschaftlichen Nachwuchs braucht es nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Lehre im Bereich Elementarpädagogik u.a. in den neuen Bachelorstudien und für die Ausbildung der zukünftigen Elementarpädagog:innen auf Hochschulniveau.
Das Bundesministerium für Bildung ist daher gefordert, entsprechende Planstellen an den Pädagogischen Hochschulen (ph1- und ph2-Stellen) zu schaffen sowie (übergangsweise) die Mitverwendung von qualifizierten BAfEP-Lehrpersonen an Pädagogischen Hochschulen zu erleichtern.
Zentrum Elementare Bildung, Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Niederösterreich