Stellungnahme zu Petition
Stellungnahme zu der Petition betreffend "Neuerrichtung einer Baurestmassendeponie im Grünland zwischen Weibern und Aistersheim stoppen", überreicht vom Abgeordneten Ralph Schallmeiner (3/PET)
Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlamentsdirektion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.
Inhalt
Meine Position zu diesem Vorhaben:
Bereits vor sehr langer Zeit habe ich in Entwicklungsländern hautnah erlebt, wie Müllentsorgung nicht funktionieren kann und darf.
Riesige Gruben wurden am Ortsrand ausgehoben, mit Müll befüllt und wieder zugeschüttet. Die Wiederbegrünung übernahm die üppige Natur selbständig. Fast so, als wäre nichts passiert. Fast so, als würde sie im Moment noch nicht spüren, dass der Boden unter ihr nicht nur sie, sondern auch Menschen krank macht. Aber eben nur fast!
Welche Umweltsünde! Wo bleibt hier der Gedanke an die Gesundheit der Menschen, an das Wohl der Umwelt, an das Wohl der Tiere und der Natur, an die Zukunft? So etwas gibt es in Österreich nicht. Hier sind wir schon viel weiter in unserer Verantwortung. Dachte ich! Zumal wir doch gerne unseren Fingerzeig auch auf Mülldeponien samt zugehöriger Umweltvernichtung fernab von uns richten.
Nun, da eine Baurestmassendeponie von immenser Größe im Grünland inmitten von BIO-Landwirtschaften, bewirtschafteten Futterwiesen, Wäldern und des Naherholungsgebietes einer Ortschaft errichtet werden soll, sage und frage ich: Welche Umweltsünde! Wo bleibt hier der Gedanke an die Gesundheit der Menschen, an das Wohl der Umwelt, an das Wohl der Tiere und der Natur, an die Zukunft?
Apropos Zukunft! „Die Zukunft gehört unseren Kindern“ sagen wir vollmundig und gerne. Doch wie sollte diesen Worten jemals Wahrheit eingehaucht werden, wenn wir ihnen den lebensnotwendigen gesunden Nährboden entziehen?
Dürfen wir uns heute im Zeitalter des weltweit ausgerufenen Naturschutzes tatsächlich noch erlauben, Grünland ohne Not für wirtschaftlichen Profit einiger weniger zu opfern? Dürfen wir uns weiterhin erlauben, unsere Lebensgrundlagen wie Wasser, Luft, Landwirtschaft und Natur mit Staub, Schmutz und gesundheitsschädlichen Emissionen über Jahrzehnte hinweg neu zu belasten? Dürfen wir uns grundsätzlich erlauben, die Lebensqualität von Menschen einfach so zu zerstören?
Aber vor allem auch, dürfen wir uns erlauben, unseren Folgegenerationen wieder ein Stück des bereits erteilten und verpflichtenden Versprechens für strengen Umweltschutz wegzunehmen?
Und nicht zuletzt: Mit welchem Recht setzen wir unsere Kinder auf dem Kindergarten-/Schulweg, Spielplatz etc. der immensen Gefahr durch massiven zusätzlichen Schwerverkehr aus, lassen sie unmittelbar schlechte Luft atmen?
Dürfen wir all dies machen? Meine Antwort lautet NEIN!
Natürlich müssen Baurestmassen entsorgt werden. Sicher ist allerdings, dass es dafür geeignetere Plätze als unberührtes Augebiet gibt. Dem stets vorausgesetzt, dass tatsächlich zusätzlicher Bedarf an Deponieflächen besteht, was jedoch den Aufzeichnungen zufolge verneint werden muss.
Der OÖ. Umweltlandesrat S. Kaineder teilte im März d.J. mit „Der Landesabfallwirtschaftsplan zeigt, dass derzeit ausreichend Kapazitäten für Baurestmassendeponien vorhanden sind.“
Angesichts der Tatsache, dass die bereits vorhandenen Deponien genügend Volumen bieten, muss also die berechtigte Frage gestellt werden, warum im konkreten Fall eine Fläche von ca. 20 ha Grünland mitten im landwirtschaftlich genutzten Gebiet für die Errichtung einer Baurestmassendeponie vernichtet werden soll.
Unsere Landwirtschaft ist im internationalen Vergleich kleinstrukturiert und in Österreich bewirtschaftet lt. Zahlen aus 2022 ein Betrieb eine durchschnittliche Fläche von 23,6 ha (ohne Forstwirtschaft). Das heißt also, dass symbolisch dargestellt, wieder fast ein ganzer landwirtschaftlicher Betrieb der lukrativen Müllwirtschaft geopfert werden soll.
Ganz abgesehen davon, dass eine Baurestmassendeponie mitten im Naherholungsgebiet die ländliche Gegend vollkommen zerfleddert und die Symbiose zwischen Mensch, Tier und Natur zerstört!
Wer meint, wir könnten uns all dies leisten, hebe bitte die Hand.
Ich bitte Sie, sehr geehrte Damen und Herren in der Politik, diese Petition im positiven Sinn zugunsten der Lebensqualität der Bevölkerung von 4 betroffenen Gemeinden zu behandeln. Bestimmt möchte niemand von Ihnen eine Baurestmassendeponie auf der Wiese vor der Haustüre haben. Muten Sie dies bitte auch nicht anderen Menschen zu.
Lebendige Natur erhalten, anstatt sie zu verschmutzen, zu versiegeln und zu vernichten. In Ihren Händen liegt das Werkzeug dazu! Bitte nutzen Sie es!
Danke!