Es ist eigentlich eine Arbeit 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, und es gibt kaum eine Möglichkeit des Durchschnaufens. Du hast immer ein schlechtes Gewissen, wenn du 3 Stunden wegmusst, zum Arzt fährst, weil du nicht weißt, wie dann die Situation ist.
Das heißt, diese Schritte hin in Richtung Pausen, hin in Richtung Urlaubsmöglichkeiten zu schaffen ist aus meiner Sicht einmal das erste, ganz primäre Ziel.
Vizepräsident Dr. Peter Raggl (den Vorsitz übernehmend): Zu einer weiteren Zusatzfrage hat sich Frau Mag.a Elisabeth Kittl zu Wort gemeldet. – Bitte.
Bundesrätin MMag. Elisabeth Kittl, BA (Grüne, Wien): Herr Bundesminister, welche Maßnahmen sind geplant, um die belastende Situation von Young Carers, das sind Zigtausende Kinder und Jugendliche, die ihre Eltern, Geschwister oder andere Familienangehörige pflegen, zu verbessern?
Vizepräsident Dr. Peter Raggl: Herr Bundesminister, bitte.
Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Rudolf Anschober: Geschätzte Frau Bundesrätin, das ist ein großes Thema, das weitgehend unbekannt und undiskutiert ist. Als Young Carers werden eben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bezeichnet, die regelmäßig und über einen längeren Zeitraum die Betreuung eines chronisch kranken Familienmitglieds übernehmen. Das ist die Realität in vielen, vielen Lebenssituationen in Österreich: Neben Haushaltstätigkeiten und der Obsorge für gesunde Geschwister sind sie oftmals auch in klassische Pflegeaktivitäten involviert, die normalerweise von Erwachsenen erledigt werden. Young Carers übernehmen somit in unserer Gesellschaft nahezu unbemerkt überdurchschnittliche pflegerische Verantwortung.
Wir haben zum Thema Einsicht in die Situation pflegender Kinder und Jugendlicher in Österreich bereits vor Jahren Studien machen lassen beziehungsweise in Auftrag gegeben. Diese belegen bundesweit einen Anteil von 3,5 Prozent beziehungsweise rund 42 000 pflegende Kinder und Jugendliche im Alter von fünf – das muss man sich vorstellen! – bis 18 Jahre.
Die Betreuungstätigkeiten erfolgen natürlich in unterschiedlicher Intensität und Dauer, das ist auch abhängig von der Alterssituation. Das durchschnittliche Alter beträgt 12,5 Jahre. 70 Prozent der im Familienverband pflegenden Kinder und Jugendlichen sind weiblich. – Auch da haben wir wieder dieselbe Situation.
Zur Forcierung der Sensibilisierung, insbesondere für betroffene Kinder und Jugendliche selbst, andererseits aber auch für involvierte Berufsgruppen und für die Öffentlichkeit, erfolgten bereits verschiedene breit angelegte Kampagnen. Young Carers bedürfen einer erhöhten Aufmerksamkeit sowie zielgruppenspezifischer und innovativer Unterstützungsangebote.
Die Informationen für diese Zielgruppe müssen in Sprache und Design so aufbereitet sein, dass sie den Kommunikationsformen von jungen Menschen entsprechen, das heißt, die zweitausendste Broschüre bringt in diesem Zusammenhang relativ wenig. Deswegen arbeiten wir derzeit an der Entwicklung einer App für Young Carers, und diese soll auch eine Informationsmöglichkeit für Eltern, Lehrpersonen und sonstige Interessierte in diesem Gesamtbereich darstellen.
Vizepräsident Dr. Peter Raggl: Vielen Dank, Herr Bundesminister.
Wir gelangen nun zur 6. Anfrage, 1921/M-BR/2021.
Ich bitte die Anfragestellerin, Bundesrätin Eva Prischl, um die Verlesung der Anfrage. – Bitte.
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