BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 22

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Es werden zwar die Verkehrseindämmung und der Umweltschutz in Tirol gepredigt, aber: In ganz Tirol? – Nein, nicht in ganz Tirol, denn das gallische Dorf in diesen beiden Bereichen ist das Außerfern, der Bezirk Reutte, da durch diese Tunnelvariante der Ver­kehr allgemein steigen würde, insbesondere aber der Transitverkehr. Dort gibt es seit Jahrzehnten keine sinnvolle Lösung. Oh, Moment, es würde sie doch geben, und zwar den Bahntunnel. Es sei nur kurz erwähnt, dass diese Variante von der SPÖ Reutte stammt, sie wäre aber die beste Lösung für Mensch und Umwelt.

Seit Kurzem gibt es da zumindest medial eine kleine Unterstützung vonseiten der Grünen, aber nur weil jemand etwas in die Zeitung schreibt, heißt es noch lange nicht, dass dies dann auch zur Anwendung kommt und Bestand hat. Schon oft gab es dann, wenn es darauf ankam, Umfaller – so auch bei der letzten Landtagssitzung vergangene Woche am Donnerstag. In Schmach und Schmerz muss man da wohl sagen: Der Wolf zählt mehr als die Unterstützung im Bereich Kinder- und Jugendanwaltschaft. Anstatt die Aufstockung der Anzahl der Mitarbeiter der Kinder- und Jugendanwaltschaft in die Tagesordnung einfließen zu lassen und als Dringlichkeitsanliegen zu sehen, wurde diese nun auf die nächste Sitzung vertagt, denn für unseren Landeshauptmann und sein Gefolge scheint es von größerer Tragweite zu sein, dass sich einige Wölfe wieder in Tirol aufhalten und naturgemäß einige Schafe gerissen haben. Ja, das ist für den Landwirt sehr tragisch, jedoch sollten wir eines nicht vergessen: Wir sind Gäste in der Natur – und nicht die Tiere, egal ob ein zahmes Reh, ein Wolf oder auch ein Bär. Wir haben den Wolf und den Bären aus ihrer natürlichen Umgebung verdrängt.

Doch nun wieder zurück zur Landtagssitzung vom 7.7.21, denn dort wurden – noch­mals – 1 300 Kinder ins Abseits gestellt und ihr Anliegen kurz am Ende der Sitzung be­han­delt. Lösungen dazu gibt es noch keine. Ich spreche von der Eule – es gibt acht Therapiezentren, die über ganz Tirol verteilt sind. Unser schönes Land Tirol ist flächen­mäßig ein kleines Bundesland, und trotzdem haben wir einen großen Ärztemangel bezie­hungsweise fehlen oft in den Seitentälern wie auch in den zwei Außenbezirken Fach­ärzte, insbesondere in der Kinderheilkunde. Daher sollten wir dankbar sein für diese acht Therapiezentren, die Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und klinisch‑psychologi­sche Behandlungen unter einem Dach vereinen.

Vor jeglicher Therapie werden die Eltern miteinbezogen und auch die Eltern sowie die Geschwisterkinder unterstützt. Gerade bei Geschwistern, die mit einem verhaltens­auf­fälligen oder behinderten Gegenpart aufwachsen, entsteht oft eine Belastung, die die Kinder ihren Eltern nicht mitteilen können, da sie diese nicht auch noch belasten wollen.

Dass die Eltern, die Kinder und die etwas über 100 Mitarbeiter einer ungewissen Zukunft entgegensehen, schien die Landesregierung nicht sehr zu belasten – das ist wahr­scheinlich nicht das richtige Wählerklientel. Wir setzen uns selbstverständlich weiter für die Kinder und die Mitarbeiter ein und werden die Schließungen nicht hinnehmen.

Meine Schlussworte richte ich an Sie, Herr Landeshauptmann: Sehen Sie mit offenen Augen und hören Sie mit offenen Ohren, dann werden Sie erkennen: Der einzige Weg, um unserem Land Tirol Stärke und Sicherheit zu geben, ist ein gemeinsamer Weg, der alle im Landtag vertretenen Parteien miteinbezieht. Stellen Sie die überparteiliche Zu­sammenarbeit in den Vordergrund, dann werden wir gemeinsam Lösungen in verschie­densten Themenbereichen finden. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

9.52


Präsident Dr. Peter Raggl: Zu Wort gemeldet ist Bundesrat Christoph Steiner. Ich er­teile ihm dieses.


 


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