Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll132. Sitzung / Seite 69

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Nun sollte die Studienbeihilfe ja auch sozial treffsicher sein, sagt man; das wäre der Wunsch. Aber erfüllt sie diese Bedingungen überhaupt noch? – 35 Prozent der Studie­renden, deren Eltern Landwirte sind, sowie 25 Prozent der Studierenden, deren Eltern ArbeiterInnen sind, beziehen Studienbeihilfe. Da kann man jetzt sagen, das wird in irgendeiner Art und Weise schon erfüllt, aber das Problem ist, dass wir es ja noch immer nicht schaffen, an den Unis wirklich eine soziale Durchmischung zu garantieren.

Wenn es das System, in dem wir uns noch immer befinden, nicht schafft, diesen eigentlichen Zweck zu erfüllen und dieses eigentliche Ziel zu erreichen, dann müssen wir doch langsam beginnen, zu hinterfragen, ob es das richtige System und ob es die richtige Logik ist. Studieren ist nämlich immer noch eine Elitentätigkeit. Wir können aber leider nicht garantieren, dass es die geistigen Eliten dieses Landes sind, sondern es sind wahrscheinlich die monetären Eliten. Die Wahrscheinlichkeit, ein Hochschul­studium zu beginnen, ist für Kinder aus bildungsnäheren Schichten 2,6-mal so hoch wie für jene aus bildungsfernen Schichten. Die OECD bescheinigt uns auch immer wieder, dass wir da sehr konservativ unterwegs sind. An den FHs ist das freilich weniger ein Problem, die haben überraschenderweise – das wissen hier ohnehin alle – Studiengebühren.

Was ist unsere Studienbeihilfe also? – Sie ist ein Minderheitenprogramm, aber nicht in dem Sinn, dass sie Minderheiten dabei fördert, an die Uni zu gehen, sondern jene, die sie brauchen würden, um an die Uni zu gehen, nehmen sie nicht in Anspruch, und sie kommt nicht bei denen an, die sie vielleicht brauchen würden.

Es ist also an der Zeit, dieses System grundlegend zu überdenken, da bin ich ganz bei Frau Kollegin Maurer. Ich hätte allerdings ganz andere Ideen, wie man das bewerk­stelligen könnte. Ich glaube, wir müssen dieses letzte Überbleibsel aus der alten Weltordnung im Hochschulsystem endgültig in die Uni-Autonomie überführen und einen gewissen Teil dieses Geldes den Unis zur Verfügung stellen, damit diese auch selbst Stipendien vergeben können, wie es Rektorin Hanappi-Egger an der WU schon begonnen hat. Sie vergibt 15 Stipendien für sieben Semester. Das ist nicht viel, aber sie beginnt damit, weil sie glaubt, dass eine soziale Durchmischung an ihrer Uni wichtig ist. Das ist für sie ein Ziel, und ich finde das gut, dass sie sich dafür raus in die Welt begibt und Drittmittel einwirbt, damit sie das finanzieren kann.

Ich glaube, dass eine solche Reform extrem wichtig ist und auch mit der Einführung einer kapazitätsorientierten Studienplatzfinanzierung einhergehen müsste. Der freie Hochschulzugang ist nicht frei, wenn wir es nicht schaffen, dass alle Studenten die besten Bedingungen haben, an der Uni zu studieren, und dass auch Kinder aus bildungsfernen Schichten an die Uni gehen können. Man muss einfach sagen, dass wir es uns in Zeiten der Wissensgesellschaft, in denen wir uns wirklich in einem globalen Wettbewerb um die besten Köpfe und um die besten Ideen befinden, eigentlich nicht mehr leisten können, nur Kinder reicher Akademiker-Eltern an die Unis schicken, die dann in den Hörsälen auf dem Boden sitzen. Ich glaube, es ist Zeit, dass wir endlich Elite-Unis für alle in Österreich schaffen. – Danke. (Beifall bei den NEOS.)

11.12


Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Weigerstorfer. – Bitte.

 


11.13.11

Abgeordnete Ulrike Weigerstorfer (STRONACH): Frau Präsidentin! Herr Minister! Sehr geehrtes Hohes Haus! Wenn wir heute dieses neue Studienförderungsgesetz einstimmig beschließen, dann hat das gleich zwei positive Effekte: Erstens einmal finde ich es sehr positiv, wenn wir immer wieder Themen finden, die wir einstimmig beschließen, und zum anderen ist es natürlich auch für die Betroffenen – primär junge Menschen über 27 Jahren – positiv, weil diese jetzt natürlich viel mehr Möglichkeiten


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