Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll28. Sitzung, 13. Juni 2018 / Seite 124

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Diese Daten sind Daten der Republik, der Res publica, der gemeinsamen öffentlichen Sache, weil Bildung ein öffentlicher Auftrag ist. Das ist ein öffentliches Gut – ein merito­risches Gut, sagt der Volkswirtschaftler, ein öffentliches, sagt der Liberale. Wir müssen da öffentliche Gelder investieren. Wir stehen mit jeder Faser unseres Herzens dahinter – dann sind aber natürlich auch die Daten, die wir erheben, öffentlich. Natür­lich haben sie das Potenzial, die eine oder andere Schule zu beschämen – das ist mir schon klar und das muss man auch sehr ernst nehmen, denn das kann nie der Auftrag sein.

Finnland macht nicht alles richtig, aber Finnland lebt den Grundsatz, und insbesondere skandinavische Länder sagen im Schulsystem: Kein Kind beschämen! Das ist so ein wunderbarer kraftvoller Grundsatz, da können wir in Österreich noch ganz viel lernen. Jeder von uns weiß, dass er selber oder in seinem Umfeld Erlebnisse der Beschämung in der Schule hatte, die einen ein Leben lang nicht mehr loslassen. Ich treffe immer wieder Leute, die mir erzählen, dass sie auch mit 55 von dieser oder jener Prüfung träumen, und zwar nicht im Guten, sondern einen Albtraum, der sie offensichtlich bis ans Lebensende verfolgt. Das ist nicht die Abteilung Flügelheben, nicht die Abteilung Entfaltung, da ist etwas falsch gewickelt, da kann man anders damit umgehen.


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Schlusssatz, bitte!


Abgeordneter Mag. Dr. Matthias Strolz (NEOS) (fortsetzend): Ich komme zum Schluss­satz: Ich bitte, dass wir hier eben die Daten der Zentralmatura nutzen, um auch in ge­deihliche Schulentwicklungen zu kommen, so wie die Niederlande – das wird ein langer Satz, aber ich komme zum Ende, Herr Präsident –, so wie Südtirol, die einen Auftrag haben, dass auf jeder Schulwebsite auch ein Entwicklungsplan für den Schul­standort steht, ich bitte um ein Bekenntnis: Wir wollen besser werden, und wir können, wenn wir wollen! (Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von SPÖ und Liste Pilz.)

15.21


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Bevor ich dem Bundesminister das Wort erteile, begrüße ich unsere Pensionisten der Polizei aus Mistelbach recht herzlich. Herzlich willkommen im Hohen Haus! (Allgemeiner Beifall.)

Herr Minister, Sie haben das Wort. – Bitte.


15.21.32

Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung Dr. Heinz Faßmann: Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Besuchergalerie und vor den Fernsehern! Die Matura stellt unzweifelhaft für viele junge Menschen eine wichtige Schnittstelle in ihrem Leben dar. Sie markiert den Abschluss einer zwölfjährigen Schullaufbahn, sie bietet die Grundlage für gute und qualifizierte Jobs und sie ist nicht zuletzt ein Türöffner für die Universitäten und Hochschulen.

Matura heißt ja bekanntlich Reife und Matura bescheinigt Reife und zertifiziert dies auch durch ein öffentliches Dokument. Matura ist daher wichtig und sie betrifft insge­samt – vollkommen korrekt dargestellt – 40 000, 42 000, 44 000 junge Menschen jähr­lich. Wir müssen uns daher ernsthaft, aber auch ernstnehmend damit auseinander­setzen.

Ich darf vielleicht gleich vorwegschicken, dass ich die Debatte, die wir hier führen, durch­aus begrüße, wenngleich ich nicht jede Zeile Ihres Antrages, Herr Strolz, so unterschreiben würde, aber das würden Sie von mir auch mit Sicherheit nicht verlangen. Ich glaube, es ist gar nicht notwendig, eine mediale Debatte zur Legiti­mation der Wichtigkeit in den Antrag aufzunehmen, denn mit welcher Diktion die Me-


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