Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll72. Sitzung, 25. April 2019 / Seite 142

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Das Problem liegt bei der ÖVP, und es ist auch nur bei der Österreichischen Volkspar­tei lösbar. Wir hatten das bereits in der ersten schwarz-blauen Koalition, nur ist die da­mals von der freiheitlichen Seite eher durch Korruption zusammengehalten worden. Der Unterschied ist, dass Ideologie – rechtsextreme Ideologie! – bei dieser Koalition in hohem Maße die Bindung durch Korruption ersetzt hat.

Das ist jetzt eine große Frage an den Bundeskanzler – und ich glaube nicht, Herr Vize­kanzler, dass Sie in der Lage sind, ihm diese Frage seriös weiterzugeben; deswegen werden wir das mit ihm noch einige Male hier besprechen müssen, und zwar persön­lich –: Wie wollen Sie den Schaden, der durch Ihren Koalitionspartner täglich in immer größerem Maße verursacht wird, von Österreich abwenden? – Sie reden ständig von Sicherheit.


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Den Schlusssatz bitte!


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (fortsetzend): Wir haben den größten Unsicherheitsin­nenminister der Zweiten Republik, und es liegt am Bundeskanzler, da klare Verhältnis­se zu schaffen. Die Freiheitlichen sind heute politische Geiseln der Identitären, und ich frage mich, wieweit die Österreichische Volkspartei bereits eine politische Geisel der Freiheitlichen Partei ist.


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Bitte kommen Sie zum Schluss! Sie haben über­zogen. – Bitte sehr.


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (fortsetzend): Herr Präsident! Ich bin gerade bei der zwei­ten Hälfte meines Schlusssatzes.

Ich hoffe, dass der Bundeskanzler in der Lage ist, nicht nur bei jedem Einzelfall eine routinerote Linie zu ziehen, sondern endlich zu trennen, was nicht zusammengehört: eine demokratische Österreichische Volkspartei und eine rechtsextreme Freiheitliche Partei – im Interesse dieser Republik, im Interesse der Demokratie, im Interesse unse­res Rechtsstaates! (Beifall bei JETZT und bei Abgeordneten der SPÖ.)

16.24


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Schatz. – Bitte. (Abg. Martin Graf: Hat der Pilz schon geredet? Habe ich den schon verpasst?)


16.24.30

Abgeordnete Sabine Schatz (SPÖ): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Her­ren! Jeder fünfte Identitäre ist laut Verfassungsschutz in Österreich im Besitz von Waf­fen. Ich zitiere: „Gottseidank hab ich schon ne Waffe gekauft, bevor der Asylwahn be­gonnen hat.“ – Das hat Martin Sellner auf Twitter gepostet. Er ist der Sprecher der ös­terreichischen Identitären, jener rechtsextremen Gruppierung, die Sie, Herr Vizekanz­ler, als – ich zitiere – „parteiunabhängige nicht-linke Bürgerbewegung“ bezeichnet ha­ben und die Sie gelobt haben: „Sie sind quasi junge Aktivisten einer nicht-linken Zivil­gesellschaft.“

Seit bekannt wurde, dass der Attentäter von Christchurch dem Sprecher der österrei­chischen Identitären eine Spende überwiesen hat, sind auch die Verbindungen, die personellen, die räumlichen, die organisatorischen, aber vor allem die ideologischen Verbindungen der Freiheitlichen Partei zu den Identitären ins Rampenlicht der Öffent­lichkeit gerutscht.

Seither werden Sie, Herr Vizekanzler, nicht müde, zu betonen, dass sich die Freiheit­liche Partei von den Identitären distanziert. Sie haben ja heute auch schon wieder er­wähnt, dass es seit Februar 2018 einen Beschluss gibt, dass man nicht FPÖ-Funk­tionär und aktives Mitglied der Identitären gleichzeitig sein kann. Jetzt beschreibt ja dieser Beschluss allein schon, wo die FPÖ ideologisch steht – oder gibt es eine andere


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