Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 409

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Dieses Budget ist unter den schwierigsten Voraussetzungen und mit großer Verant­wortung erstellt worden. Es betrifft nicht nur die fordernde Zeit, die wir jetzt erleben, sondern es ist auch in die Zukunft gerichtet. Den anstehenden Zukunftsthemen und der Gesundheitsvorsorge wird in diesem Budget Rechnung getragen werden.

Betonen möchte ich die Entwicklungen im Bereich E-Health, die unbedingt forciert werden müssen. Genderaspekte, die heute noch gar nicht zur Sprache gekommen sind, haben in diesem Budget Platz und werden im nationalen Krebsrahmenprogramm, in der Forschung, in der Diagnostik und in der Therapie berücksichtigt – ganz besonders auch der gleichberechtigte Zugang von Frauen und Männern zur Gesundheitsvorsorge, denn wie wir wissen, sind Männer bei diesem Thema ja etwas nachlässig.

Um nochmals die Notwendigkeit eines guten Budgets für die Gesundheit zu verdeut­lichen, sei gesagt: Wir haben Gott sei Dank eines der besten Gesundheitssysteme der Welt! Mein Kollege hat bereits über die Intensivbetten gesprochen: mit 28,9 Intensiv­betten pro 100 000 Einwohner haben wir eine der weltweit höchsten Versorgungs­dichten. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass wir an dieser Spitze bleiben! Mit diesem Budget ist das möglich. – Danke vielmals. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

12.33


Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Rosa Ecker. – Bitte.


12.33.52

Abgeordnete Rosa Ecker, MBA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geschätzte Damen und Herren hier im Saal und zu Hause vor den Fernsehgeräten! „Es ist eines der Grundrechte jedes Menschen [...], sich einer möglichst guten Gesundheit zu erfreuen.“ – So lautet ein Zitat der WHO. Mit den Ausgaben im Gesundheitsbereich liegt Österreich international tatsächlich im Spitzenfeld. Es gibt viele Gesundheitsziele, die dazu beitragen sollen, dass Herr und Frau Österreicher möglichst viele sogenannte gesunde Lebensjahre in unserem Land verbringen können.

Dabei ist die psychische Gesundheit eines der Schlüsselelemente. Die psychische Gesundheit wirkt sich auf akute und auch auf chronische Erkrankungen aus. Wie schaut es in unserem Land mit dieser Versorgung aus? – Der Herr Minister hat es schon angesprochen: Die psychische Gesundheitsversorgung ist bei uns eine starke Schwach­stelle. Die Wartezeiten für Behandlungstermine betragen oft Wochen oder Monate. Da muss die Versorgung dringend ausgeweitet werden!

Noch dazu ist die Psyche seit Covid-19 unter Dauerbelastung. Das zeigt auch eine Studie der Donau-Universität Krems auf: Seit April leidet ein Fünftel unserer Bevölkerung an depressiven Symptomen, Ängsten, Schlafproblemen und Depressionen. Diese lange und starke Belastung hält an, sie hat sich nach dem Ende des ersten Lockdowns nicht verbessert, und wir sind erst am Anfang des zweiten Lockdowns. Die jungen Erwach­senen leiden besonders auffallend darunter.

In diesem Zusammenhang ist auch brisant, dass die Situation in der Kinder- und Jugend­psychiatrie im Argen liegt. Eine wohnortnahe Versorgung ist überhaupt nicht sicher­gestellt, die Kinder- und Jugendpsychiatrieambulanzen und -stationen sind stark überlastet. Es ist so, dass Covid derzeit alles überdeckt und alles andere untergeht. Es wird aber der Tag kommen, an dem wir alle feststellen werden, dass der gesundheitliche Gesamtschaden enorm ist. Viele Erkrankungen werden nicht oder zu spät festgestellt und können dann nicht mehr geheilt werden, und die wirksame Früherkennung ist nicht Covid zum Opfer gefallen, sondern den Maßnahmen der Regierung.

Der Gesundheits- und Pflegekräftemangel, der heute schon oft angesprochen worden ist, ist wirklich ständig in aller Munde. Wo aber ist mehr Geld für Ausbildung, für praxis-


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