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Auftrag, Geschichte, Provenienzforschung und Restitution

Die Parlamentsbibliothek ist die einzige Bibliothek der Legislative auf Bundesebene. Damit ist sie ein wesentlicher Teil der Unabhängigkeit der Gesetzgebung gegenüber der Exekutive und der richterlichen Gewalt, in Summe ein wichtiges Element der parlamentarischen Eigenständigkeit.

Als Forschungs- und Informationszentrum für Demokratie, Parlamentarismus, Recht und Politik bietet die Bibliothek einen österreichweit einzigartigen Bestand: mehr als 360.000 Bücher und 40.000 Aufsätze, rund 270 nationale und internationale Fachzeitschriften und Zeitungen, zahlreiche Online-Datenbanken mit entsprechendem thematischen Schwerpunkt sowie die Archivalien der gesetzgebenden Körperschaften Österreichs ab 1861. Die Mitarbeiter/innen der Bibliothek stehen den Abgeordneten und ihren parlamentarischen Mitarbeiter/innen, den Klubs, der Parlamentsdirektion sowie der interessierten Öffentlichkeit für Anfragen und Recherchen zur Verfügung.

Die Bibliothek ist 2017 ins Palais Epstein übersiedelt.

Umfassende Sammlung

Seit Gründung der Bibliothek mit kaiserlichem Handschreiben vom 11. Mai 1869 ist die Sammlung auf mehr als 360.000 Medien angewachsen, die rund 12 km Regallänge füllen. Sie umfasst in- und ausländische Parlamentsschriften, Gesetz- und Verordnungsblätter, höchstgerichtliche Entscheidungen, grundlegende Werke des Rechts, der Staatslehre und des Parlamentarismus, der Politik, der Volkswirtschaft, der Soziologie und der Europäischen Integration.

2016 wurde das Archiv der Bibliothek angeschlossen. Die Archivalien der gesetzgebenden Körperschaften Österreichs ab 1861 umfassen mehr als 6 km Regallänge.

Provenienzforschung und Restitution

Die Provenienzforschung in der Parlamentsbibliothek ist abgeschlossen.

Im Auftrag der Parlamentsdirektion erstellten externe Experten und Expertinnen des Vereins für wissenschaftliche und kulturelle Dienstleistungen unter der Leitung von Dr. Harald Wendelin umfassende Recherchen zur Provenienz der Bücher in der Parlamentsbibliothek. Untersucht wurden rund 15.000 Bände auf im Sinne des Kunstrückgabegesetzes relevante Bestände: Erscheinungsdatum vor 1945, Erwerb nach dem 30. Jänner 1933. Der Kunstrückgabebeirat hat in seiner Sitzung vom 21. Juni 2013 für 29 Signaturen, das sind 37 Bände, die Rückgabe an vom NS-Regime verfolgte Personen und Institutionen bzw. deren RechtsnachfolgerInnen empfohlen.

Die Suche nach den Rechtsnachfolger/innen der ehemaligen Eigentümer/innen sowie die Abwicklung der Restitution erfolgt durch den Nationalfonds der Republik Österreich in enger Kooperation mit der Parlamentsbibliothek. 11 der 19 Restitutionsfälle konnten bisher abgeschlossen werden.

Restitutionen 2014 – 2017

Am 6. März 2014 restituierte die damalige Präsidentin des Nationalrates, Mag.a Barbara Prammer, im Lesesaal der Parlamentsbibliothek sechs Bücher an den Präsidenten des IKG Wien, Oskar Deutsch. Die IKG Wien ist Rechtsnachfolgerin für die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien, Bibliothek der Z.T.V. Avoda sowie die Trumpeldor-Bücherei Wien, Jugendbund Josef Trumpeldor.

Parlamentskorrespondenz Nr. 183/2014

2015 erfolgten Rückgaben an die Rechtsnachfolger/innen nach Dr. Edwin Bader und Dr. Lily Bader, Robert Holzinger und Dr. Leopold Singer. Die Rückgabe an die Erb/innen nach Dr. Leopold Singer erfolgte am 1. Oktober 2015 in einer gemeinsamen Feierstunde mit der Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien, die knapp 700 Bände restituierte, die Parlamentsbibliothek eines.

2016/2017 erfolgten Rückgaben an die Rechtsnachfolger/innen nach Auguste Goldschmid, Siegfried Graubart und Ing. Felix B. Kraus.

Am 6. Juli 2017 restituierte Nationalratspräsidentin Doris Bures im österreichischen Generalkonsulat in New York ein Buch an die Rechtsnachfolger/innen nach Richard Beer-Hofmann.

Parlamentskorrespondenz Nr. 882/2017

Die den noch nicht abgeschlossenen Restitutionsfällen zugeordneten Bände bleiben bis zu ihrer Übergabe an die Erb/innen der ursprünglichen Eigentümer/innen in der treuhänderischen Obhut der Parlamentsbibliothek, wo sie in der Camera Präfekti separat aufbewahrt werden.

Informationsquelle

Die Bibliothek war und ist eine wichtige Informationsquelle für die Abgeordneten zum Nationalrat, die Mitglieder des Bundesrates, die österreichischen Mitglieder des Europäischen Parlaments, die Angestellten der parlamentarischen Klubs, die parlamentarische MitarbeiterInnen gemäß Parlamentsmitarbeitergesetz 1992 sowie die Bediensteten der Parlamentsdirektion.

Auch externe LeserInnen sind zum Lesen und Forschen im - nach Plänen von Theophil Hansen gestalteten historischen Lesesaal - willkommen.

Geschichte der Bibliothek - eine Zeitreise

Die Bibliotheksgeschichte ist eine Zeitreise vom 19. zum 21. Jahrhundert und erlaubt Begegnungen mit Siegfried Lipiner, Karl Renner, Gustav Mahler, Hilda Rothe und vielen anderen Persönlichkeiten.

Zur Geschichte der Parlamentsbibliothek vergleiche auch:

Zur Geschichte der Parlamentsbibliothek und des Parlamentsarchivs vergleiche auch:

Czerny, W.F.: Die Entwicklung der österreichischen Parlamentsadministration, In: Schambeck (Hg.), Österreichs Parlamentarismus – Werden und System, Berlin 1986 Zum Suchportal

Schefbeck, G.: Parlamentsverwaltung auf dem Weg zur Autonomie, In: Brüche und Kontinuitäten 1933 – 1938 – 1945, 2013. Zum Suchportal