LETZTES UPDATE: 15.03.2018; 17:45
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Wissenschaftspreis 2017

Mit dem Wissenschaftspreis der Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie wird entweder ein wissenschaftliches Gesamtwerk, eine Publikation oder eine abgeschlossene, beurteilte Dissertation ausgezeichnet, die sich mit den Chancen und Stärken, aber auch den Herausforderungen und Schwächen der parlamentarischen Demokratie und ihren Institutionen in Österreich auseinandersetzen.

Am 6. November 2017 wurde der Margaretha Lupac-Wissenschaftspreis im Rahmen eines feierlichen Aktes im Parlament an die diesjährigen Preisträgerinnen übergeben. Die PreisträgerInnen sind die Politologin Birgit Sauer (Universität Wien), der Politologe Reinhard Heinisch (Universität Salzburg) und der Rechts- und Politikwissenschafter Klaus Poier (Karl-Franzens-Universität Graz). Juryvorsitzender Manfried Welan begründete die Wahl der Jury damit, dass alle drei Geehrten in vorbildlicher Weise wissenschaftliche Theorie und publizistische Praxis miteinander verbinden. Sie seien in vielfältiger Weise tätig, um ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht nur der wissenschaftlichen Community, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. In der Vielfalt ihrer Forschungsthemen bieten sie zudem einen guten Querschnitt der österreichischen Politikwissenschaften, sagte Welan.

Sauer: Angemessene Repräsentation ist Herausforderung für Parlamentarismus

In seiner Laudatio auf Birgit Sauer hob Welan hervor, dass die Preisträgerin mit der Geschlechterperspektive der Politikwissenschaft ein wichtiges Themenfeld eröffnet. Sauer, die in Brackenheim, Deutschland, geboren wurde, hält an der Universität Wien eine Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Governance und Geschlecht. Vor ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit in Wien, die sie 1996 antrat, forschte Sauer an den Universitäten Berlin und Freiburg. Gastprofessuren führten sie an Universitäten in Mainz, Klagenfurt, Seoul und Boca Raton. In ihren Dankesworten erklärte Birgit Sauer, dass ein besonderer Schwerpunkt ihrer aktuellen Forschung auf der Frage der politischen Repräsentation, insbesondere von Frauen und MigrantInnen, liege. Beide Fragen stellen für Sauer eine große Herausforderung für den repräsentativen Parlamentarismus und die Demokratie dar. Hier sei inklusive Politik ebenso notwendig wie der Beitrag einer lebendige Zivilgesellschaft.

Heinisch: Forderung nach mehr direkter Demokratie kann Populismus stärken

Jurymitglied Sieglinde Rosenberger (Universität Wien) wies in ihrer Laudation auf die langjährige Auslandserfahrung von Reinhard Heinisch hin. Der in Villach geborene Politologe lebte und arbeitete von 1986 bis 2009 in den USA. Seit 2009 ist er Universitätsprofessor für Österreichische Politik in vergleichender europäischer Perspektive sowie Leiter der Abteilung Politikwissenschaft an der Universität Salzburg. Schwerpunkte seiner Arbeit bilden die vergleichende Populismusforschung sowie Fragen der direkten Demokratie und des Parteiensystems. Zu seinen Tätigkeiten gehöre auch ein intensives zivilgesellschaftliches Engagement, etwa die Betreuung eines Entwicklungsprojekts in Bolivien. Zudem ist Heinisch Mitinitiator und akademischer Leiter der Internationalen Summer University Carinthia. Reinhard Heinisch erinnerte daran, dass das Phänomen Populismus, mit dem er zu Ende der 1990er Jahre erstmals konfrontiert wurde, damals als vorübergehende Randerscheinung im politischen Leben einzelner Staaten und kaum der wissenschaftlichen Beachtung wert galt. Seitdem ist Populismus eine internationale Erscheinung geworden und in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sein besonderes Interesse gelte in diesem Zusammenhang der Forderung nach mehr direkter Demokratie. Heinisch gab zu bedenken, dass diese Forderung die Gefahr enthalte, dass auch der "hässliche Zwilling" der direkten Demokratie, die populistische Demokratie, gestärkt wird.

Poier: Demokratieforschung soll kreative Lösungsansätze bieten

Die Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofs, Brigitte Bierlein, stellte den Rechts- und Politikwissenschafter Klaus Poier vor. Poier, der in Graz geboren wurde, ist Assistenzprofessor am Institut für öffentliches Recht, Verwaltungslehre und Politikwissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz. Als eine besondere Leistung Poiers hob Bierlein dabei seine Beiträge zu Wahlsystemen und Wahlrecht hervor, zu denen er auch praxistaugliche Reformvorschläge beigesteuert hat. Poier war in den Jahren 2003 bis 2005 Mitglied des Österreich-Konvents sowie 2015 der Enquete-Kommission zur Stärkung der Demokratie in Österreich. Zu seinen weiteren Tätigkeiten gehört unter anderem seine Funktion als Obmann des Dr.-Karl-Kummer-Instituts für Sozialreform, Sozial- und Wirtschaftspolitik in der Steiermark. Klaus Poier betonte, dass Demokratieforschung in besonderer Weise auf Interdisziplinarität angewiesen ist. Des Weiteren brauche sie die Verknüpfung mit der Praxis. Aus seiner Sicht ist die Wissenschaft gefordert, kreative und innovative Lösungsvorschläge anzubieten.

Weitere Informationen:

Parlamentskorrespondenz Nr. 1107 vom 6.11.2017