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Rede von Nationalratspräsidentin Doris Bures anlässlich der Verleihung der Victor-Adler-Plakette an Rudolf Gelbard im Parlament

Montag, 15. Februar 2016

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich weiß, Du gehst mit mir d'accord, dass ich heute das Protokoll hintanstelle, und zu allererst einen ganz besonderen Menschen und Freund begrüße.

Hochgeschätzter Herr Professor Rudolf Gelbard, herzlich willkommen, lieber Rudolf Gelbard, liebe Inge Gelbard!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, geschätzte Mitglieder der Bundesregierung!
Sehr geehrte Landeshauptleute!

Herr Klubobmann!
Werte Abgeordnete zum Nationalrat, zu den Landtagen und Mitglieder des Bundesrates!

Geschätzte Vertreterinnen und Vertreter der Lagergemeinschaften, Religionsgemeinschaften und Erinnerungsinitiativen!

Liebe Freunde von Rudi Gelbard! 
Liebe Käthe Sasso!

Wenn ich mich hier im Empfangssalon umschaue, dann bin ich mir sicher: Alle, die Dir, lieber Rudi, heute die Ehre geben, kennen Deine Geschichte.  Dein Wirken, Deine Kraft und auch Dein liebenswertes Wesen!

Ich habe mich heute gefragt, wie lange wir einander eigentlich schon kennen. Aber ehrlich gesagt, ich weiß es gar nicht mehr genau. In meiner Erinnerung bist Du nämlich schon immer da: als treuer Wegbegleiter, als mein Ratgeber und als lieber Freund!

Lieber Rudi!

Bei der Gedenkveranstaltung im Historischen Sitzungssaal des Parlaments gegen Gewalt und Rassismus vor einem Jahr, bei der Du als "letzter Zeuge" das Wort ergriffen und dadurch die Veranstaltung zu etwas ganz Besonderem gemacht hast, hast du gesagt: "Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet."

Du hast all Deine Kraft aufgewendet, das Erlebte immer wieder zu erzählen. In Schulen, auf Kundgebungen, in Interviews und Vorträgen und dabei hast Du auch immer wieder die Angst, das Entsetzen, die Trauer und die Wut durchleben müssen: Über die Zerstörung Deiner Kindheit durch die Nationalsozialisten, die Deportation nach Theresienstadt, den Überlebenskampf im KZ, die Ermordung Deiner Angehörigen. Du hast erzählt, um für jene zu sprechen, die ermordet wurden und um Generationen von jungen Menschen Dein Wissen als Rüstzeug mitzugeben.

Das Erlebte hat Dich aber auch zu einem – wie Du selbst immer sagst –"Seismographen" für bedrohliche Entwicklungen gemacht. Immer dann, wenn die Dämonen der Vergangenheit neue Gestalt annehmen, erhebst du verlässlich Deine Stimme. Denn Du weißt nur zu gut: Nur was wir benennen, können wir auch bekämpfen und wie wichtig das ist, erleben wir immer wieder.

Du hast nie resigniert. – das war nie Dein Weg. Du hast dich für das Kämpfen entschieden: Und dafür gebührt Dir unsagbar großer Dank.

Der Dank unserer Gesinnungsgemeinschaft, die uns verbindet.
Der Dank eines ganzen Landes.  
Und der persönliche Dank eines jeden einzelnen von uns.

Danke Rudi!