News 03.12.2024, 10:31

Inklusion leben, Barrieren abbauen, Chancengleichheit herstellen

Wie barrierefrei ist das Hohe Haus?

Das Parlament barrierefrei zugänglich zu machen, war eine wesentliche Aufgabe bei der Sanierung des Hohen Hauses. Im vergangenen Jahr erhielt das Parlament die Barrierefreiheit-Zertifizierung "Fair für Alle". Damit setzt das Parlament ein Zeichen dafür, dass Menschen mit Behinderungen die Teilnahme am parlamentarischen Geschehen ermöglicht wird.

Zertifiziert wurden damit die öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten des Hohen Hauses, dazu gehören das Besucher:innenzentrum und die Parlamentsbibliothek. "Wir streben eine Zertifizierung für das gesamte Haus im Jahr 2026 an", sagt Barrierefreiheitsbeauftragte Tatjana Novakovic.

Informationen auf der Parlamentswebsite können in einfacher und Leichter Sprache abgerufen werden. In der Parlamentsbibliothek steht zudem ein Arbeitsplatz zum barrierefreien Lesen und Recherchieren zur Verfügung.

Bei den Sensibilisierungstagen im Mai konnten die Besucher:innen selbst versuchen, mit einer Augenbinde und einem Blindenstock in die Wahlkabine zu finden oder mit einen Rollstuhl hinein zu fahren.

Barrierefreiheit nach innen und außen leben

Doch bauliche Barrierefreiheit sei nicht alles, meint Caroline Lackner, stellvertretende Barrierefreiheitsbeauftragte des Parlaments. Die Grundvoraussetzung für alle anderen Bereiche der Barrierefreiheit – von barrierefreien Dokumenten bis zur Anstellung von Menschen mit Behinderungen – ist die Sensibilisierung. Deshalb organisiert das Parlament jährliche interne Sensibilisierungsworkshops – zuletzt kurz vor der Europawahl zum Thema "Barrierefreies Wählen". An drei Stationen erzählten Menschen mit Behinderungen von ihren Erfahrungen und Herausforderungen beim Wahlvorgang.

"Nur wer sich mit den Problemen von Menschen mit Behinderungen auseinandersetzt, kann auch verstehen, wo Nachjustierungsbedarf ist und worauf zu achten ist, wenn Menschen mit Behinderungen im Haus unterwegs sind", sagt Lackner. Es ginge vor allem darum, Berührungsängste abzubauen.

"Inklusion ist ein Menschenrecht"

Inklusion sei ein unveräußerliches Menschenrecht, verankert in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, sagt Nationalratspräsident Walter Rosenkranz. "Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, Barrieren abzubauen und Chancengleichheit zu gewährleisten, damit jeder Mensch sein Leben selbstbestimmt gestalten kann", so der Nationalratspräsident.

Inklusion solle man nicht nur an einem Tag leben, sondern an jedem Tag und auf allen Ebenen, meint der Zweite Nationalratspräsident Peter Haubner. "Es liegt an uns allen, dass wir diesen Weg kontinuierlich weitergehen und das Bewusstsein für Fragen der Inklusion Schritt für Schritt ändern. Nur so ist gewährleistet, dass Menschen mit Behinderung auch wirklich ein selbstbestimmtes Leben führen können."

Auch Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures spricht sich für mehr Inklusion aus: "In einer offenen liberalen Demokratie werden alle Menschen mit Würde und Respekt behandelt - ganz selbstverständlich auch im Parlament, symbolisiert etwa durch weitgehende Barrierefreiheit."