Wer sind die Altösterreicherinnen und Altösterreicher?

Im Mittelpunkt stehen deutschsprachige Menschen aus Herkunftsgebieten, die außerhalb der nach 1918 bestehenden Grenzen Österreichs lagen, aber eng mit der Geschichte des Landes verbunden waren, sowie ihre Nachkommen.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel die Habsburgermonarchie. Die Republik Österreich wurde zu einem ihrer Nachfolgestaaten. Die Heimat vieler deutschsprachiger Menschen lag nun außerhalb Österreichs. Einige wurden Teil der neuen österreichischen Gesellschaft. Viele lebten weiterhin in Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie wie Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien, die Bukowina, die Zips, das Banat, die Batschka oder Siebenbürgen. Die Suche nach einem besseren Leben führte zu Migrationsbewegungen innerhalb Mitteleuropas, aber auch nach Übersee.

Mit der Radikalisierung der Zwischenkriegszeit und dem Nationalsozialismus wurden viele dieser Lebenswege von Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt geprägt. Wachsender Antisemitismus zwang jüdische Altösterreicherinnen und Altösterreicher zur Emigration. Viele wurden in der Shoah ermordet.

Ab 1944/45 verband sich die Geschichte deutschsprachiger Altösterreicherinnen und Altösterreicher besonders mit Flucht, Vertreibung und Ankunft in Österreich. Sie wurden noch jahrzehntelang "Flüchtlinge" genannt und mit der überkommenen Bezeichnung "Volksdeutsche" versehen. Gängig war und ist auch der Begriff "Heimatvertriebene".

Heute sprechen wir in diesem Zusammenhang von "deutschsprachigen Altösterreicherinnen und Altösterreichern", um auf ihre enge Verbindung mit der Geschichte Österreichs hinzuweisen. Ihre Nachkommen suchen nach neuen Formen der Identifikation mit den Heimatregionen ihrer Vorfahren.

"Altösterreich" meint also nicht nur ein früheres Staatsgebilde, sondern auch Herkunftsräume, Prägungen und Erinnerungen. Auch das Attribut "deutschsprachig" bleibt komplex. Es verweist auf Muttersprache, Bildungssprache, soziale Zugehörigkeit und mitunter auf Fremdzuschreibung.

Die Bezeichnung "deutschsprachige Altösterreicherinnen und Altösterreicher" macht somit Flucht- und Vertreibungserfahrungen sichtbar, darf aber jüdische, assimilierte, mehrsprachige oder anders erinnerte Biografien nicht übergehen. Gerade deshalb erzählt sie weniger von Eindeutigkeit als von österreichischen und mitteleuropäischen Lebenswegen nach dem Ende einer gemeinsamen Welt.