Begrüßung
Bettina Bauer-Hammerschmidt (Abt 8.4 - Leiterin Architektur u. Denkmalpflege): Mir kommt die Ehre zu, zum ersten Mal in meinem Leben eine protokollarische Begrüßung zu machen. Deshalb begrüße ich zunächst sehr herzlich den Präsidenten des Nationalrates Wolfgang Sobotka. Ich darf mich an dieser Stelle herzlich bedanken, dass Sie uns diese schönen Räumlichkeiten für die Präsentation der Ausstellung und für die Präsentation des Bundesdenkmalamtes zur Verfügung gestellt haben und diese Veranstaltung ermöglichen.
Weiters darf ich sehr herzlich den Parlamentsvizedirektor und Generalbevollmächtigten für die Sanierung des Parlamentsgebäudes, Alexis Wintoniak, willkommen heißen. Ein herzliches Willkommen an unsere Gäste: den Präsidenten des Bundesdenkmalamtes, Herrn Christoph Bazil, Herrn Wolfgang Salcher, den Landeskonservator für Wien, Herrn Architekten András Pálffy – gemeinsam mit Herrn Friedreich hier – für die Generalplanung des Sanierungsprojektes, Frau Susanne Beseler – sie ist die Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Restauratorinnen und Restauratoren – und Architekt Hannes Okruch von Studio MOM, dem Planungsteam der Ausstellung. Ich freue mich schon sehr auf die interessanten Beiträge, die wir in der Folge hören werden.
Abschließend darf ich alle anwesenden Abgeordneten zum Nationalrat und Mitglieder des Bundesrates sehr herzlich willkommen heißen, so wie Sie, hochverehrtes Publikum. Schön, dass Sie alle da sind! (Beifall.)
Eröffnungsworte
Wolfgang Sobotka (Präsident des Nationalrates): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Jedes große Projekt kommt einmal zu einem Ende, und das ist ein besonders erfreuliches Ende, weil wir heute eine besondere Festschrift präsentieren können. Dieser Beitrag durch das Bundesdenkmalamt zeigt, was dem Hause innewohnt und welch kostbarer Schatz es in der Architekturgeschichte nicht nur der Ringstraße,
sondern Österreichs, insbesondere natürlich Wiens ist. Er zeigt auch, wie das Haus selbst und die Parlamentsadministration damit umgehen.
Dieser Ausstellung lag ursprünglich eine ganz andere Idee zugrunde. Als ich bei der Tischlereifirma Kamper in der Südsteiermark gewesen bin, habe ich selbst gesehen, dass beim Aufschneiden der Türblätter die Füllung herausfiel und dort eine unheimlich große Zahl von Unterschriften der Handwerker:innen zu sehen war, die an der Errichtung dieses Hauses Anteil hatten. Es war eigentlich, würde man sagen, eine kosmopolitische Erfahrung: Die Leute stammten aus Irland, aus Griechenland, aus Dänemark – bis überall hin. Das heißt, an dieser Baustelle der Jahre 1874 bis 1883 war auch Europa beteiligt.
Es gab auch während der Restaurierungsarbeiten und der Arbeiten davor noch zahlreiche Funde. Die Überlegung hat dazu geführt, diese Artefakte auch zu präsentieren, weil sie von der Geschichte und von dem Werden dieses Hauses erzählen. Schlussendlich habe ich zu Frau Dipl.-Ing. Hammerschmidt – damals noch Mitarbeiterin des Parlaments, heute leider Gottes nicht mehr, aber sie widmet sich dem nächsten Projekt – gesagt, wir sollten das präsentieren und den Menschen auch zeigen.
Daraus ist eine ganz andere Dokumentation im Sinne des Konservatorischen und Denkmalpflegerischen geworden. Das freut mich ganz besonders und zeigt zweierlei: erstens, dass dieser Entwurf von den Architekten Jabornegg & Pálffy einer ist, der in Österreich sicherlich Architekturgeschichte schreibt. Man hat mit hoher Sensibilität und einem Eingehen auf das Bauprojekt aus dem 19. Jahrhundert und die durch den Bombentreffer notwendig gewordenen Restaurierungen der Fünfziger- und Sechzigerjahre, auch durch das Zurücknehmen der einzelnen Einbauten, diesen Baukörper als Juwel wieder herausgeschält. Die Idee, dem Haus durch Unterfahren und Überfahren und das Verbinden von vier Stützen, die sich dann zu skulpturalen Elementen von Stiegen und Liftschächten entwickelt haben, neue Möglichkeiten zu eröffnen, war einfach eine geniale Idee.
Letzten Endes hat man einen Entwurf präsentiert, der die Jury einstimmig überzeugt hat und, ich glaube, heute noch überzeugt, und der, wie wir in der Nutzung sehen,
einmalig geworden ist. Dazu darf ich noch einmal gratulieren, Danke schön sagen und auch den Auftrag damit verbinden, dass er die nächsten Jahre und Jahrzehnte diese Möglichkeit, die ihm gegeben wird, auch in der Nutzung dieses Hauses umfänglich nach sich ziehen sollte. – Das ist das eine.
Das andere ist, dass man, obwohl man über 300 Proben genommen hat, immer wieder draufgekommen ist, was in dem Haus alles versteckt ist. Das war auf der einen Seite technisch notwendig, auf der anderen Seite hat man viele Entdeckungen gemacht, die jetzt hervorgekommen sind und heute präsentiert werden. Ich würde das fast als eine herausgenommene Spolie bezeichnen, die nicht wieder eingesetzt, sondern schlussendlich als Artefakt in der Ausstellung verortet wird – nicht nur in einem Ausstellungsbereich vor der Besuchergalerie, sondern an allen Ecken und Enden dieses Hauses. Ich halte auch diese Konzeption der Ausstellung für sehr, sehr gelungen und darf auch wirklich herzlichen Dank sagen und gratulieren.
Dieses Haus ist aber auch, weil es so besonders ist, eines, das in der Restaurierung eine besondere Herausforderung gestellt hat. Ich konnte mich seinerzeit im Baugeschehen selbst am Gerüst davon überzeugen, mit welcher Intensität man hier zu Werke gegangen ist. Dass man das auch so belassen hat und auch in dieser Authentizität herausgeschält hat, verdanken wir einem Restauratorenteam mit einer ungeheuren Qualität – es wird heute noch zu Wort kommen –, nicht nur aus Österreich, sondern aus vielen anderen Ländern. Ich glaube, auch das Bundesdenkmalamt kann Ja dazu sagen und sich freuen, dass das wirklich auch entsprechend geschehen ist.
Schlussendlich ist der Bau –das spielt heute keine Rolle –nicht nur im Budget geblieben, sondern hat durch die strukturierte Abarbeitung auch diese Notwendigkeiten, die man an ihn gestellt hat, voll erfüllt und ist heute einer, der auch in der praktischen Anwendung wirklich hervorragend funktioniert.
Wir wissen noch, wie viele Mängel es vor der Eröffnung noch abzuarbeiten gab. Das war aber, gemessen an dem, was wir heute haben, eine Kleinigkeit. Ich sehe, dass sich das Haus heute eines ungeheuren Zuspruchs erfreut. Wir hatten im letzten Jahr über 500 000 Besucherinnen und Besucher und wir halten heute schon bei über 300 000.
Das heißt, auch die Öffnung des Hauses war ein vollkommen richtiger Schritt. Das Haus auch als Haus der Demokratie und als Haus der Österreicherinnen und Österreicher, als ein Haus der Begegnung, als ein inklusives Haus zu präsentieren, hat sich in dieser Form bewährt. Wir sind heute sehr, sehr dankbar, dass wir, was die Barrierefreiheit anlangt, nicht nur den Normen entsprechen, sondern dass wir das auch mit unseren Mitarbeitern mit Leben füllen. Es freut mich ganz besonders, wenn unsere Mitarbeiter das auch so sehen und annehmen. Schlussendlich haben wir die Renovierung auch vom ökologischen Standard in bestmöglichem Sinne umgesetzt.
So haben Sie heute die Präsentation vor sich. Ich bin schon gespannt, welche Einblicke uns die Restauratoren, das Bundesdenkmalamt, der Architekt geben, wie sie es heute, eineinhalb Jahre nach der Eröffnung dieses Hauses sehen.
Es hat keine Benutzungsspuren; das ist etwas ganz Seltenes. Wenn ich mir andere Häuser nach mehr als eineinhalb Jahren mit 500 000 Besucherinnen und Besuchern vorstelle, sieht man schon, dass viele Leute dort gewesen sind. Wenn ich am Wochenende hereinkomme oder einmal zur Abendzeit alleine durchgehe, ist es so: Ich merke nicht, dass es schon von so vielen so intensiv genutzt wurde. Auch das ist eine ganz besondere Qualität.
Darum freue ich mich auf den heutigen Abend in ganz besonderer Art und Weise und darf Sie alle noch einmal herzlich willkommen heißen. Das ist so quasi der Abschluss unserer Renovierungsarbeiten, die 2014 begonnen haben und 2024, zehn Jahre danach, auch in der Rückbetrachtung ein absoluter Erfolg gewesen sind. Allen, die dazu beigetragen haben, ein herzliches Dankeschön! (Beifall.)
Bettina Bauer-Hammerschmidt: Herzlichen Dank für die Begrüßung! Ich darf Herrn Christoph Bazil, den Präsidenten des Bundesdenkmalamtes, bitten, uns ein paar Grußworte auszurichten. Ich darf mich an dieser Stelle auch sehr herzlich bedanken: Es war eine ganz tolle Zusammenarbeit und ein Miteinander. Wir haben so viel Unterstützung vom Bundesdenkmalamt erfahren, vielen Dank dafür.
Grußworte
Christoph Bazil (Präsident des Bundesdenkmalamtes): Vielen Dank. Sehr geehrter Herr Präsident des Nationalrates! Sehr geehrte Abgeordnete! Herr Parlamentsvizedirektor! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank, dass wir im Zuge der Eröffnung der Dauerausstellung "Hohes Haus – Hohes Handwerk" auch den Band, das Heft der "Österreichischen Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege" zur Restaurierung, zur "Generalsanierung des Parlamentsgebäudes" präsentieren dürfen. Es ist für uns eine besondere Auszeichnung, eine Ehre, im ersten Haus der demokratischen Republik diesen Band zu zeigen, weil – Wolfgang Sobotka hat es, glaube ich, schon angedeutet, und vieles wird noch kommen – hier eine Restaurierung stattgefunden hat, die beispielgebend ist: dass man das Bestehende erhält, ihm allerdings auch eine zeitgemäße Funktion gibt, dort adaptiert, wo es notwendig ist, und dem Ganzen einen zeitgemäßen Inhalt gibt beziehungsweise auch ermöglicht. Das ist auch das eigentliche Ziel der Denkmalpflege: das auf uns Gekommene zeitgemäß zu nutzen und an nächste Generationen weiterzugeben.
Ich freue mich auch deshalb besonders, dass wir hier im Parlament die "Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege" präsentieren können, denn auch das Bundesdenkmalamt ist ja aufs Engste mit der Republik verbunden. Das erste Denkmalschutzgesetz wurde immerhin im Dezember 1918, also kurz nach Ausrufung der Republik erlassen, das heute in der Stammnorm noch geltende Denkmalschutzgesetz wurde 1923, also in den Anfangsjahren der Republik erlassen, und mit dem Niedergang der Demokratie ist auch unsere Institution niedergegangen und wurde 1945 dann wiedereröffnet. Insofern ist das Bundesdenkmalamt ein auch mit der Republik und ihrer Geschichte, ihren Höhen und Tiefen, eng verbundenes Gebäude.
Auch deshalb: Vielen Dank, dass wir hier unsere Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege im Rahmen der Ausstellungseröffnung präsentieren können. Auch vielen Dank, dass Sie diese Ausstellung zeigen. Es ist auch für uns sehr wichtig, dass man sieht, was alles möglich ist, wenn Architektur und Denkmalpflege, wenn Menschen zusammenfinden, die einfach Dinge in die Zukunft bringen wollen. Vielen Dank, dass Sie hier sind. – Danke sehr. (Beifall.)
Bettina Bauer-Hammerschmidt: Herzlichen Dank, Herr Bazil, für Ihre einleitenden Worte.
Ich darf den Landeskonservator für Wien, Herrn Wolfgang Salcher, bitten, uns das Fokusheft vorzustellen. – Danke.
Präsentation des Fokushefts
Wolfgang Salcher (Bundesdenkmalamt, Landeskonservator für Wien): Sehr geehrter Nationalratspräsident! Sehr geehrter Herr Vizedirektor! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es freut mich, dass so viele bekannte Gesichter hier sind. Das ist natürlich etwas Tolles, das mich besonders freut. Der Herr Nationalratspräsident hat schon wesentliche Worte gesagt, zum Beispiel "kostbarer Schatz", "strukturierte Abarbeitung" – darum geht es heute von den Restauratorinnen und Restauratoren, und ums Budget. Das ist uns auch immer wichtig.
Ich könnte es mir jetzt einfach machen: Danke, dass wir hier in diesem Raum sind! Schauen wir uns diesen Raum an! – Damit ist eigentlich fast alles schon gesagt. Nein, ist es nicht, deshalb sage ich noch bisschen etwas: Es ist natürlich schon begeisternd, wenn man sich diese Räume anschaut, wie die heute toll genutzt werden und wer da aller mitgearbeitet hat. Deshalb, Sie merken es: Ich freue mich sehr, Sie heute zur Präsentation des Fokusheftes der ÖZKD, der "Österreichischen Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege" über die Generalsanierung und Restaurierung des österreichischen Parlamentsgebäudes 2018–2022 – aber Sie haben es schon gesagt, es hat natürlich eine längere Vorgeschichte gehabt – begrüßen zu dürfen. Dieses Werk ist nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis der restauratorischen und handwerklichen Leistungen, sondern auch ein Symbol für den Respekt gegenüber unserer Geschichte und unserer Demokratie.
Das österreichische Parlament ist seit seiner Errichtung im späten 19. Jahrhundert nicht nur ein funktionales Gebäude, sondern ein Monument der Demokratie und der politischen Geschichte unseres Landes. Über Jahrzehnte hinweg hat es nicht nur politischen Wandel, sondern auch den technischen und kulturellen Fortschritt erlebt.
Das haben wir natürlich bei der letzten Restaurierung jetzt sehr anschaulich mitbekommen. Diese Restaurierung war daher ein Projekt von nationaler Bedeutung, das kann man, glaube ich, ohne Weiteres so sagen, eine Aufgabe, die weit mehr als eine einfache bauliche Instandsetzung war. Es ging darum, die historische Integrität des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig moderne Standards zu integrieren.
Das österreichische Parlament ist nicht nur vom Standort her sehr prominent situiert – an der Ringstraße –, es ist auch eines der größten der Welt. Es gibt weltweit nur eine Handvoll, die größer sind, in China zum Beispiel. Und wahrscheinlich ist es Ihnen allen schon so gegangen – Ihnen vielleicht nicht –, aber ich habe mich im Haus schon oft verirrt. Das zeigt natürlich auch, wie beeindruckend es ist. Diese beeindruckende Größe und dieses phänomenale Haus: Da gab es zum Beispiel diese Ausstellung damals, 2014, auf der Biennale in Venedig – viele von Ihnen haben sie wahrscheinlich gesehen; das war damals noch mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer – mit dem Titel "Plenum – Places of Power". Da wurden 200 Parlamentsgebäude der Welt im Miniaturmodell – Maßstab 1:500 – gezeigt, und da hat man dann nicht nur gesehen, dass Österreich eines der größten hat, sondern auch, dass es bei den Parlamenten kein Parlament gibt, das nur Zweckbau ist. Parlamente haben natürlich – da sage ich Ihnen nichts Neues – eine ganz spezielle Rolle, und jedes Parlament, ob älteren oder jüngeren Datums, jedes Volk, jede Nation versucht, über das Parlament auch etwas mitzuteilen. No na net. Wir denken da nur an die Gebäude Palace of Westminster in London, den Reichstag in Berlin, das vom österreichischen Architekten Clemens Holzmeister in Ankara geplante Parlament, das neogotische Parlament in Budapest, das Kongressgebäude in Brasilia oder das Kapitol in Washington. Also da könnte man noch viele aufzählen.
Das ist natürlich alles mit einer gewissen Symbolik, nicht nur für die Demokratie, sondern auch vom Kleinen ins Große. Das zeigen auch die Türgriffe in Schlangenform, die wir hier so schön sehen, bis zu den Großformen, also alles hat eine Bedeutung. Theophil Hansen – kennen wir – hat auf allen Ebenen mit der Großzügigkeit dieser Räume bis zur Detaillierung der Ausstattung ein Ziel verfolgt, nämlich: Politik braucht Symbole, Zeichen und deren visuelle Botschaften, die bei den Menschen auf verschiedenen Ebenen Wirkung zeigen sollen. Hier haben wir jetzt einen neuen
Begriff seit ein, zwei Jahren, diese goldene Energie, von der Sie vielleicht schon gehört haben. Es gibt ja die graue Energie, die steckt in den Häusern drinnen, die ist jetzt nicht so wahnsinnig sexy, aber natürlich wichtig, CO₂ und so weiter. Dann haben wir die rote Energie, die haben wir im Parlament um einiges drosseln können, das ist praktisch die Betriebsenergie, Heizung, Kühlung und so weiter. Jetzt haben wir aber auch den neuen Begriff, den ich sehr gut finde, diese goldene Energie, die ausdrückt, was die Restauratorinnen, die Restauratoren, die Handwerker, die Planer machen, was dieses Gebäude außerhalb dieser Geschichte zeigt.
Das ist ein Begriff, den ich sehr gut finde, weil er etwas fasst, was man bisher nicht so richtig fassen konnte, das Immaterielle, was hier alles passiert ist, was hier erlebt wurde, was hier diskutiert wurde. Deshalb ist es, glaube ich, eine gute Sache, dass wir hier im Parlament jetzt so viel goldene Energie haben. Das finde ich eine sehr schöne Sache.
Der Prozess der Restaurierungen begann natürlich schon früher, also vor der Parlamentssanierung – ich will nur kurz darauf hinweisen –, das hat schon mit der damaligen Landeskonservatorin Eva-Maria Höhle und mit Manfred Koller – viele von Ihnen kennen ihn – begonnen. Sie waren diejenigen, die die Restaurierung des 1907 bis 1911 entstandenen Gemäldefrieses von Eduard Lebiedzki in der Säulenhalle – wir haben ihn gerade im Herzstück des Hansen’schen Prachtbaus in der Säulenhalle gesehen – vorangetrieben haben. Er wurde im Krieg stark beschädigt, lange Zeit war er am Dachboden des Parlaments, und mit der Unterstützung von vielen – unter anderem auch des damaligen Nationalratspräsidenten Dr. Heinz Fischer – ist dann eine Teilrestaurierung der erhaltenen Gemälde gelungen. Die Artikel dazu gibt es übrigens auch in einer älteren Ausgabe der "ÖZKD" nachzulesen.
Weiter ging es dann mit den Quadrigen am Dach: mit den Voruntersuchungen und den Proberestaurierungen, den Arbeiten an den Quadrigen. Jeder kennt noch die großen, schönen weißen Häuser am Dach, die ein bisschen irritiert haben oder nach dem Künstler Wurm ausgeschaut haben; das hat ungefähr zehn Jahre gedauert. Dann kamen die Attikaskulpturen und die zwei historischen Kamine mit den goldenen Kaminaufsätzen; das war dann schon unter Herrn Landeskonservator Dr. Friedrich
Dahm, der heute auch dankenswerterweise anwesend ist. Die goldenen Kamine sind heute zu einem Wahrzeichen geworden und wahrscheinlich die schönsten und prächtigsten Kamine der Welt. Da können ja nicht einmal die Kamine der Loireschlösser mithalten.
Dann ist es weitergegangen – und da haben immer die Nationalratspräsidenten und Nationalratspräsidentinnen eine große Rolle gespielt – mit der Öffnung des Parlaments. Ich glaube, Dr. Andreas Khol hat da eine große Rolle gespielt, sich nach außen zu öffnen, Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer natürlich, und ab 2017 hat Nationalratspräsident Sobotka die wesentliche Rolle übernommen. Erst durch diese Öffnung ist es gelungen, dass das Haus am Ring wie kein zweiter Ort ein Ort der Bevölkerung ist und der Bevölkerung gehört. Das ist, glaube ich, mit dieser neuen Restaurierung kongenial gelungen, mit dem Besucherzentrum und so weiter.
Wir haben damals, 2010, ein internationales Symposium gestartet, das hat "Nobody’s Darling? Preservation, Conservation and Documentation of Postwar-Modernism" geheißen. Das war eine internationale Tagung und da haben wir damals auch schon den Fokus auf den Nationalratssaal gerichtet. Darauf komme ich dann noch zurück, dass mich das natürlich besonders freut, dass es so gelungen ist, in so einer kongenialen Weise diesen Nationalratssitzungssaal, der sich bei uns allen als Symbol unserer Demokratie eingebrannt hat, so gut zu erhalten. Es hätte auch anders ausgehen können.
Wie Sie wissen, die vom Bundesdenkmalamt immer propagierte Vorgehensweise verstehen, bewerten, handeln, das ist immer so unser Zugang, der im ersten Moment manchmal von den Bauherrinnen und Bauherren kommt, so ein bisschen: Können wir nicht gleich zu bauen anfangen? Also ich glaube, jeder, der es dann einmal mitgemacht hat, weiß: Ich vergleiche es dann immer mit einem Arztbesuch. Man fängt ja auch nicht gleich mit dem Operieren an, zuerst kommen die Voruntersuchungen und so weiter. Das ist immer sehr wichtig, deshalb möchte ich mich hier noch einmal bei allen Beteiligten bedanken, die dann auch diese Voruntersuchungen und dieses gigantische Projekt unterstützt haben.
Das war ein umfangreicher Vorlauf mit Freilegungen, Mustern und so weiter. Da hat Herr Wolfgang Baatz – ich sehe ihn hier gerade stehen, ihn möchte ich stellvertretend herausgreifen – natürlich eine wesentliche Rolle bei der Konzeption und bei der Umsetzung gespielt hat. Er war übrigens schon beim Palais Epstein eingebunden. Da hat es noch viele andere gegeben, Landeskonservator Friedrich Dahm hat da eine massive prägende und wichtige Rolle gespielt, für diese notwendigen Vorarbeiten eben das Verständnis zu schaffen, dass man sich nachher durchaus Ärger, Zeit und Geld spart, wenn man das vorher genau untersucht.
Erwähnen darf ich noch meine Kolleginnen Frau Elisabeth Hudritsch und Sylvia Schönolt vom Landeskonservatorat Wien, die ich hier noch kurz hervorheben möchte, die sich da wirklich massiv und positiv und mit voller Energie eingesetzt haben.
Die Publikation ist aus meiner Sicht nicht nur ein sehr schönes Heft geworden, sondern auch ein inhaltlich sehr interessantes, deshalb sind wir heute hier. Die Publikation gibt uns einen tiefen Einblick in die vielfältigen Disziplinen, die hier zusammengearbeitet haben. Die Architekturbüros, die Ingenieure, Restauratoren, Historiker:innen, viele ausführende Firmen haben diese gemeinsame Aufgabe gestemmt.
Wie Sie wissen – das passt auch sehr gut dazu –: Heuer hat das Bundesdenkmalamt das Jahresthema Handwerk und demnächst, am 29. September – also bitte wählen gehen –, findet – auch an diesem Tag – der Tag des Denkmals unter dem Thema "HAND//WERK gedacht+gemacht" statt. Also von der Seite her passt dieses Projekt, diese Sanierung ist wirklich ein Best-Practice-Beispiel. Ich glaube, es ist das größte Restaurierungsprojekt der letzten Jahrzehnte in Österreich, deshalb kann man es nicht groß genug herausstreichen.
Ich habe es schon gesagt, was mich besonders freut, ist – weil für uns wichtig ist, dass Denkmäler und Objekte gut genutzt werden –, dass es eben so ein neues Besucherinnen- und Besucherzentrum gibt, also Maschinenraum der Republik, das ist besonders wichtig.
Über das Restaurierungsziel könnte man jetzt viel sagen, da springe ich jetzt gleich drüber.
Worüber ich auch sehr froh bin und wofür ich allen Beteiligten sehr dankbar bin, dass es gelungen ist, den Nationalratssitzungssaal von Max Fellerer und Eugen Wörle, den ich schon erwähnt habe, in seiner Form und seiner Kraft und mit seiner goldenen Energie in die Zukunft zu bringen.
Hinsichtlich Nachhaltigkeit kann mich jetzt kurzfassen, denn das haben Sie herausgestrichen, dass es natürlich für uns toll ist, wenn man wieder zeigen kann, dass Denkmalschutz, Energiesparen und Nachhaltigkeit kein Gegensatz sind, sondern eigentlich immer von uns auch gemeinsam gedacht werden kann. Die Auszeichnung Klimaaktiv Gold als Leuchtturmprojekt beweist das ja.
Von der Seite her gilt es eigentlich nur mehr allen zu danken. Hier möchte ich, weil es kongenial gelungen ist, die Generalplaner András Pálffy und Christian Jabornegg, Ortfried Friedreich mit den Ingenieuren von Axis besonders herausgreifen. Den Verantwortlichen der Parlamentsdirektion herzlichen Dank; die Auftraggeber und Bauherren haben natürlich immer eine ganz zentrale Rolle, die Bundesimmobiliengesellschaft und alle, die noch dabei waren.
Ich möchte mich natürlich heute auch bei den Restauratorinnen und Restauratoren bedanken, den ausführenden Firmen, Handwerkerinnen und Handwerkern. Sie sind praktisch das Zentrum, die die ganze Leistung erbracht haben.
Sie werden sich wundern, warum ich so wenig über den Inhalt des Heftes sage. Bitte lesen! Es ist wirklich lesenswert und das unterstreicht noch einmal alles, was bisher schon gesagt worden ist. Ich darf mich auch bei der Fachdirektorin Mag. Petra Weiss und ihrem Team und bei Dr. Paul Mahringer für die kongeniale Erstellung des Heftes bedanken.
Ich komme zum Abschluss, ich habe, glaube ich, eh schon viel zu lange geredet. Ich hoffe, dass dieses Fokusheft Generalsanierung Parlament nicht nur als Dokumentation eines großen Projektes, sondern auch als Inspiration für weitere Projekte und für zukünftige Generationen dient. Möge es uns daran erinnern, dass die
Pflege unseres baulichen und demokratischen Erbes eine kontinuierliche Aufgabe ist! Ich freue mich auf viele weitere Projekte und hoffe, dass wir mit dem Parlament länger nichts zu tun haben, aber ich freue mich auch, wenn wir damit zu tun haben. Ich bin sehr oft hier, ich gehe manchmal oben mittags essen, deshalb freut es mich immer so sehr. Es ist einfach ein schönes Haus, das gut tut. Ich freue mich, dass jetzt so viele Besucherinnen und Besucher hereinkommen – das ist die Leistung von Ihnen allen. – Herzlichen Dank. (Beifall.)
Bettina Bauer-Hammerschmidt: Danke schön.
Goldene Energie, das nehme ich mit, das ist ein tolles Wort, kannte ich nicht.
Zum Thema goldene Energie passt auch unser nächster Redner, Herr Architekt Pálffy, sehr gut, der wirklich sehr viel gemeinsam mit den Kollegen von der Generalplanung dazu beigetragen hat, dass dieses Haus so erfolgreich ist, wie es ist. – Ich bitte um deinen Vortrag.
Vortrag
András Pálffy (Jabornegg & Pálffy und Axis, Generalplanung Parlamentsgebäudesanierung): Sehr geehrter Herr Nationalratspräsident! Sehr geehrte Parlamentsdirektion! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Architektur, die gelobt wurde, die Ingenieurleistung, die gelobt wurde, für die bedanke ich mich im Namen aller Planer und ich werde das auch entsprechend bei uns im Team weitergeben. Die Freude wird wie immer groß sein.
Die Architektur sollte ab einem gewissen Zeitpunkt für sich selbst sprechen. Ich glaube, das tut sie, wie ich gehört habe, das freut mich auch. Ich würde gerne mehr über das hohe Handwerk sprechen, das ja eigentlich das Thema des Tages ist, und den damit verbundenen Hintergrund. Das ist und bleibt einmal die Denkmalpflege.
Aus diesem Anlass würde ich gerne einen aktuellen Sprung in die Vergangenheit machen, nämlich in die Zeit der industriellen Revolution, wo zwischen Hand und Werk bereits eine Mechanisierung stattgefunden hat, eine sehr ausgeprägte, die John Ruskin, einen der Gründer, der prägenden Figuren der Denkmalpflege der Gegenwart mit großer Skepsis erfüllt hat, nachdem er gesehen hat, wie sich die Landschaft in ihrer Identität verändert, wie sich die Bauten eigentlich, die Städte damit verändern. Er sah darin einen kulturellen Verlust.
Das mag jetzt vielleicht etwas dramatisch und romantisch aus dieser Zeit klingen, aber es gibt etwas sehr Entscheidendes. Er macht dann eine Publikation über die Steine von Venedig und fasst dort seine Bedenken, aber auch Gegenentwürfe zusammen; die haben etwas, was an Aktualität überhaupt nicht verloren hat. Das ist eine Trias, die er als Kontext bezeichnet, und das ist nichts anderes als die Ökonomie, die Ökologie und die kulturelle Verantwortung oder der kulturelle Wert, der damit verbunden ist. Aus diesem Kontext heraus leitet er dann seine Vorstellungen von Denkmalpflege ab. Da sind wir auch bei dem goldenen Haus und ähnlichen Aspekten, die schon damals im Vorfeld formuliert wurden.
Boito, eigentlich genauso eine tragende Figur neben Viollet-le-Duc für die Denkmalpflege, sieht aber hier nach einem sehr partiellen Teil, nämlich dem Original,
also eigentlich die Urform dessen, was zu schützen ist, die es ex cathedra so natürlich überhaupt nicht geben kann. Das ist meistens überformt, erweitert, sie hat Gebrauchsspuren, also es gilt sie aus diesem Kontext zu lösen und zu verstehen. Das ist der zweite Ansatz, der eigentlich parallel dazu stattfindet. Beide waren sehr maßgeblich auch bei der Restaurierung und Renovierung dieses Hauses.
Dass Ruskin damals auch schon verstanden hat, dass eine Konsumgesellschaft sich letztendlich eigentlich ständig erneuert, nichts bewahrt und dieses Paradoxon auf der einen Seite einmal hier, auf der anderen Seite für uns sehr nachvollziehbar ist, dass es hier auch um den Erhalt gehen kann und der steht in der Mitte.
Aber was wird erhalten oder worum geht es im näheren Zusammenhang? Das muss man auch so sehen, dass die Gründe dafür sehr vielfältig sein könnten. Das eine ist das Ermüden einer Konstruktion, die man lapidar wieder verstärkt. Das andere kann sein, dass man zur Erkenntnis kommt, dass der Abbruch viel zu teuer ist, schlicht und einfach das Gebäude stehen lässt und im Inneren räumliche Veränderungen macht, die notwendig sind, um den funktionierenden Ansprüchen zu genügen. Das heißt aber auch, dass man damit ein Neu und ein Alt in einem Gebäude einführt. Dieser Punkt kann wiederum auf mannigfaltige Weise gelesen werden; in dem Fall aber zum Beispiel bei Carlo Scarpa beim Palazzo Vecchio in Verona ist das ein Kontrast.
Es kann aber auch anders sein, indem eigentlich eine Verletzung maßgeblich ist, eine Zerstörung, und das wieder zu schließen, kann auch wieder von einer symbolischen Prägung getragen werden, die diesen Prozess der, sagen wir einmal, Verarbeitung durchaus in sich tragen kann.
Es gibt genauso provisorische Projekte, die, zum Beispiel aus Holz gefertigt, immer wieder ein Reparaturfall sind. Also das gibt es und sie bleiben dann in der Tradition einer Gesellschaft wie zum Beispiel bei den Dong in Südwestchina bestehen. Der Denkmalschutz, die Denkmalpflege ist die kollektive Erinnerung und keine gesetzliche Regelung. In dem Augenblick, da diese Bevölkerung aus dem Südwesten vertrieben wurde, ist natürlich auch wieder diese Form der "Denkmalpflege" – unter Anführungszeichen – verschwunden.
Was sich an diesen Handlungsfeldern aber herauskristallisiert, sind zwei Methoden des Umganges und da sind wir wieder hier im Haus. Das eine ist der Versuch, eigentlich Verletzungen so zu reparieren, dass sie sich homogen einfügen, dass sie kaum mehr ablesbar sind. Man schrammt dann sehr schnell an der Grenze der Rekonstruktion. Die zweite Möglichkeit ist die, dass man kontrastierend arbeitet, absetzend arbeitet, dass man diesen Abstand zwischen alt und neu zelebriert. Das kann auch zu sehr lyrischen, übertriebenen Ergebnissen führen, aber das sind zwei Methoden, mit denen man etwas verhandelt, nämlich eine ästhetische und eine ethische Wahrheit, der man sich immer wieder aufs Neue zu stellen hat.
Macht man das als Architekt? Jetzt nehme ich einmal uns als Planer heraus; dann fügt man sich in bestehende Strukturen ein, seien es politische, seien es wirtschaftliche, soziale, es könnten genauso kulturelle sein. Genau an der Reibungsfläche entsteht eigentlich erst ein Projekt, so wie in diesem Haus. Dieses Projekt ist einmalig, es lässt sich nicht wiederholen. Das gilt für jeden Umgang in einem denkmalgeschützten Umfeld und das ist auch hier der Fall. Wenn man es wiederholt, wird es zu einer Kopie, die sehr schnell müde wird. Wenn ich jetzt sehe, wie diese Prozesse für mich ablaufen, so ist das nicht mehr eine Renaissance auf die Vorstellung, sondern es ist ein Räderwerk, wo mitunter ein Rad mehr im Vordergrund steht als das andere – und so war es auch hier. Bei einer näheren Betrachtung kann man dann auch fragen: Ja, wo passiert denn das eigentlich?
Wenn ich in die Gotik zurückgehe, dann ist das die tragende Struktur – das ist in der Regel Naturstein –, die auch die Hülle ist, die wird gleich behandelt wie ein Körper. Natürlich muss man differenzieren – und Frau Beseler wird mich gleich streng anschauen – zwischen innen und außen, das ist mir auch klar, aber es gibt dann auch mit Semper das Verständnis von der Bekleidungstheorie. Das ist circa zeitgleich mit dem Haus. Was heißt das? – Er unterscheidet zwischen einer Tragstruktur und Hülle und in dem Moment, in dem wir die Dinge voneinander trennen in eine Mehrschichtigkeit, passiert noch etwas ganz anderes. Die Hülle hat Stöße, diese Stöße werden verbunden und genau dort beschreibt Semper den Ursprung des Ornaments. Man kann sich Schuhe auf die unterschiedlichsten Arten binden, man kann die Schuhbänder unterschiedlichst einfädeln, man kann Knöpfe kreuzweise,
quadratweise, wie auch immer annähen, es ist eine Form der Befestigung. Also man kann es auch als ein Ornament verstehen, das an diesen Stößen zusammenkommt und sich in die Fläche als Dekor ausbreitet; könnte auch hier der Fall sein.
Nun: Diese Zusammenhänge zu verstehen, und Herr Salcher hat schon darauf hingewiesen, dazu bedarf es eines restauratorischen Konzeptes. Das sind nicht wir als Rädchen, so hat Prof. Baatz gemeinsam mit Frau Riff-Podgorschek einmal überhaupt diese Grundlage erarbeitet, und die kann sehr vielschichtig sein, dass das möglich ist, was wir heute mit einer Selbstverständlichkeit sehen, die Geschichte eines Hauses sichtbar macht und auch für die nächsten Jahrzehnte eben in einer Dauerhaftigkeit wiederherstellt.
Das ist der erste Schritt, aber der zweite ist natürlich der, das handwerkliche Wissen und Geschick zu haben, mit diesen Oberflächen, aus welchen Materialgruppen sie auch sind, immer umgehen zu können. Das war für mich eigentlich das schönste Erlebnis: hier in diesem Haus zu sehen, mit welcher Leichtigkeit und mit welchem Wissen gleichzeitig oder mit welcher Selbstverständlichkeit diese Flächen bearbeitet und wiederhergestellt wurden. Dazu kann ich nur gratulieren.
Einen Punkt gibt es – mit dem höre ich jedes Mal auf, wenn ich über Denkmalpflege spreche, Herr Dr. Bazil kennt das schon –: Ich bin der Auffassung, dass ein Denkmal durchaus eine Identität beschreibt, einen kulturellen Wert, wenn Sie so wollen, eine kulturelle Identität. Oft gibt es dem gegenüber das Missverständnis, ein sehr eindeutiges, dass eigentlich die Denkmalpflege in Eigentumsrechte durch ihre gesetzlichen Regelungen eingreift. Es gibt auch durchaus die Vorstellungen, dass es sich hier um eine Preistreiberei handeln kann.
Meinem Verständnis nach sind das mögliche Zugänge, aber in der letzten Konsequenz ist es ein Mehrwert, der für die Gesellschaft geschaffen wird. Daher war und bin ich der Auffassung, dass alles, was über einen normalen Bauprozess hinausgeht, ein simples Fenster oder ein restauriertes Kastenfenster, eine große Differenz haben. Und diese Differenz gehört meinem Verständnis nach steuerlich absetzbar, gehört aus dem Blickpunkt betrachtet. Es ist sicherlich ein wirtschaftlicher Mehrwert, ich glaube, das hohe Handwerk hätte mehr zu tun, aber die Identität wäre poliert und ich
freue mich, wenn das vielleicht einmal der Fall sein könnte. Von mir als netten Gruß an alle Abgeordneten: Ich glaube, das ist wirklich wesentlich.
Vielen Dank noch einmal. Es hat richtig Spaß gemacht, hier zu arbeiten! (Beifall.)
Bettina Bauer-Hammerschmidt: Herzlichen Dank, Herr Architekt, für diesen sehr interessanten Gedanken. Es ist viel zum Mitnehmen.
Ich darf jetzt Susanne Beseler und Hannes Okruch bitten. Wir werden versuchen, zu dritt zu umreißen, worum es in der Ausstellung geht, die wir nachher gemeinsam besuchen können.
Einführung in die Ausstellung
Susanne Beseler (Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Restauratorinnen und Restauratoren): Ich freue mich wirklich sehr, hier heute sowohl als Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Restauratorinnen und Restauratoren als auch stellvertetend für die zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, die hier am Objekt, am Ort tätig waren, zu sprechen. Vielen Dank dafür und ganz herzlichen Dank an alle Vorredner für das Lob, das wir schon bekommen haben, sowohl mit unserer Tätigkeit als auch mit dem Ergebnis. Vielen Dank.
Wir haben es schon gehört: Umfassende Befundungen sind Grundlage einer jeden Restaurierung. Für die Generalsanierung eines Gebäudes wie des Parlaments mit dem bauhistorischen und denkmalpflegerischen Stellenwert, diesen enormen Dimensionen und einer derart komplexen und hochwertigen Ausstattung sind restauratorische Untersuchungen nicht nur wesentlich, sondern auch sehr herausfordernd, gab es doch eine enorme Vielfalt an unterschiedlichsten Materialien. Sie brauchen sich hier nur im Raum umzuschauen: angefangen vom schon gehörten Stein über Stuck über Holz, Metall bis hin zu den Gemälden, verschiedenste Oberflächen, von Lasuren, von Polituren, von polychromen Fassungen, von Vergoldungen bis hin zu den unterschiedlichsten Schadensbildern und -zuständen. Alles das musste erfasst, systematisiert und dokumentiert werden.
In dieser frühen Phase – aller guten Dinge sind drei, wir haben es schon zweimal gehört – waren im Grunde zwei Kollegen besonders prägend. Das ist zum einen Herr Prof. Baatz und das ist zum anderen Frau Riff-Podgorschek. Durch Ihre, durch eure Expertise und eure Akribie wurde nicht nur der Grundstein für diese hochqualitative Befunderhebung gelegt, sondern auch in weiterer Folge für die Restaurierung.
Bevor es aber so weit war, mussten für alle Bereiche, Materialien, Schadensgrade, alle Räume, für alle Dinge, die zur Diskussion standen, repräsentative Musterflächen angelegt werden. Nur so konnten wir gemeinsam mit allen Projektbeteiligten, mit dem Auftraggeber, mit dem Bundesdenkmalamt hier die Einzelmaßnahmen präzisieren und vor allen Dingen übergreifende Restaurierziele definieren, was natürlich enorm wichtig für diese immensen Flächen in diesem Haus ist.
Bettina Bauer-Hammerschmidt (Abt. 8.4 - Leiterin Architektur u. Denkmalpflege): Ja, das ist auch mein Stichwort. Diese Größe des Hauses, diese riesigen Flächen erforderten nicht nur bei der Konservierung und Restaurierung einen eigenen Umgang – auch in der Planung, in der Ausschreibung, in der Vergabe und auch in den Bauprozessen waren diese vielen detaillierten Einzellösungen in Maßarbeit auf das große Ganze zu skalieren. Man darf ja nicht vergessen: Hier ist gleichzeitig der sogenannte dritte Jahresring entstanden, die großen Umbauten wie die Kuppel über dem Nationalratssaal, die ganzen Bauteile im Erdgeschoß, die Agora. Es wurde die gesamte Haustechnik im Haus ertüchtigt und parallel dazu sind natürlich unglaubliche Fußballfelder von Deckenmalerei und Stuccolustro saniert, gereinigt, konserviert und restauriert worden.
Was braucht man dazu? – Man braucht unglaublich viel Arbeitskraft. Neben großen Baufirmen, die hier selbstverständlich engagiert waren, gab es vor allem eine Vielzahl an vielen kleinen und mittelständischen Betrieben – weit über hundert –, die hier sehr engagiert zum Erfolg beigetragen haben.
Hannes Okruch (Studio MOM - Planungsteam der Ausstellung): Damit kann man, glaube ich, auch schon den Bogen ein bisschen zur Ausstellung selbst spannen. Ich möchte mit einem Zitat aus dem Ausstellungstext beginnen: Hohe Qualität ist das Werk vieler Hände. – Der Text ist nicht von mir, sondern von Gabi Kaiser, aber er
trifft es wirklich sehr, sehr gut. Genau das wollen wir sichtbar machen – das ist, glaube ich, der richtige Ausdruck in dieser Ausstellung –, sichtbar machen deswegen, weil es ja heute eigentlich nicht mehr sichtbar ist. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie diese Baustelle während der Bauführung ausgeschaut hat. Ich glaube, es ist schön, dass dem dort oben noch einmal Raum geboten wird.
Was in der Konzeption von Anfang an ein großes Thema war, war die Dualität zwischen einerseits extrem großen Eingriffen, die räumlich auch einfach notwendig waren, um das Gebäude wieder auf den Stand der Technik und vor allem den Stand der Nutzung zu bringen, und gleichzeitig diesen vielen, vielen feingliedrigen Maßnahmen, die so flächendeckend über das ganze Gebäude, über diesen Stuccolustro und die dekorativ bemalten Decken und so weiter passiert sind. Also diese großen Eingriffe und gleichzeitig feine Maßnahmen sind, glaube ich, bei dieser Baustelle und in der Planung sehr gut kombiniert worden.
Ich möchte jetzt nicht zu sehr spoilern, was die Ausstellung betrifft, aber ich möchte trotzdem einen kurzen Einblick über die Kapitel geben. Es gibt drei Kapitel in der Ausstellung, die Sie hoffentlich nachher noch sehen werden, das ist: Am Beginn, also bevor es wirklich zum Handwerk kommt, da wollten wir trotzdem erklären: Warum hat es überhaupt die Generalsanierung gegeben? Warum war die notwendig? Man wird dann merken, dass das Gebäude davor einfach wirklich schon in die Jahre gekommen ist, dass es bei den Themen Brandschutz, Sicherheit, Barrierefreiheit nicht dem entsprochen hat, was ein modernes Arbeitsparlament heute braucht, und – das wird auch im ersten Kapitel beleuchtet – dass die Herausforderungen – also sowohl an die Planung, aber später auch an die Bauführung – sich wirklich im Laufe der Jahrzehnte und in dem Fall Jahrhunderte verändert haben.
Es gibt im Parlament immer die Rede von den drei Jahresringen: der erste Jahresring, die bauzeitliche Planung von Theophil Hansen, später den Wiederaufbau und nun die Generalsanierung. Jede Bauphase hat wirklich ihre eigenen Herausforderungen gehabt, die werden hier beleuchtet.
Im zweiten Kapitel geht es dann schon wirklich ins Handwerk. Die großen Eingriffe, die ich eingangs erwähnt habe, werden hier beleuchtet, die technische Seite der
Sanierung, wenn man so möchte, und auch die großen räumlichen Veränderungen, die Erdarbeiten, die heute nicht sichtbar sind, aber wirklich unter dem Parlament passiert sind.
Und schlussendlich im letzten Kapitel die feinen Maßnahmen, also wirklich diese Riesenfläche an Stuccolustro, Dekorationsmalereien, Stein, Holz, Metall, die mit Pinseln, Spachteln und Tüchern mühseligst bearbeitet wurden.
Zusätzlich zur Hauptausstellung – die befindet sich mehr oder weniger als versteckte Schatulle bisschen abseits von hier, wir werden nachher hingehen – gibt es im gesamten Gebäude verteilt – Satelliten haben wir sie genannt – externe Stationen der Ausstellung, die wirklich am Ort des Geschehens zeigen, was passiert ist. Die näheste ist jetzt gerade in der Säulenhalle nebenan. Da wird ein bisschen darüber berichtet, was während der Bauführung unter der Säulenhalle passiert ist, was man sich heute eigentlich kaum vorstellen kann. Das ist auch im Zuge der Führungen zu sehen, die es im Parlament gibt. Die kann ich jedem stark empfehlen, der sie noch nicht gemacht hat.
Bettina Bauer-Hammerschmidt: Warum gibt es diese Ausstellung "Hohes Haus – Hohes Handwerk"? Bei den Parlamentsführungen – und wir freuen uns ja noch immer über anhaltend großes Besucherinteresse – stellen die Besucher Fragen wie diese: Was wurde eigentlich überhaupt in der Beletage umgebaut? Ja, warum? – Man sieht es ja auch nicht mehr. Es ist alles so wunderschön. Warum und wie haben die das eigentlich um unser Steuergeld gebaut?
Wir wollen da hineinzoomen und diese technisch komplexen Fragen anschaulich beantworten. In der Ausstellung wird also gezeigt, was wie und warum saniert, mit großem Aufwand gebäudetechnisch ertüchtigt, konserviert, restauriert und neu konzipiert wurde, quasi ein Röntgenblick hinein in die Baustellenzeit und hinein in die verschiedenen Bauteile.
Die Ausstellung würdigt aber auch in verschiedenen Filmen die Arbeit der vielen vorher erwähnten Hände. Zum Beispiel zeigen wir einen Film, in dem man von Anfang an sieht, was mit dem Nationalratssaal war, welcher Verwandlung er unterzogen
wurde, wie die Möbel hinausgekommen sind, wie alles komplett abgebrochen war, wie das Gerüst drin gestanden ist und wie zum Schluss wieder die Wandverkleidungen montiert wurden und auch der Adler zurückgekehrt ist. Wir wollen in diese sehr komplexen Prozesse eintauchen, die zu einem Ergebnis führen, das nun unsere Nutzer und unsere Besucher sehen und schätzen.
Susanne Beseler: Das ist gerade im Hinblick auf konservatorische, restauratorische Maßnahmen wesentlich, denn Restaurierungen werden im Allgemeinen ausschließlich durch ihr Ergebnis wahrgenommen. Restaurieren – das haben wir jetzt, glaube ich, ganz schön am heutigen Abend gehört – ist jedoch vielmehr ein langer Prozess, ein langer und oft schwieriger Prozess, von dem eben der überwiegende Teil im Verborgenen bleibt. Dazu gehören die schon gehörten restauratorischen Voruntersuchungen, dazu gehört das gesamte Erarbeiten von Restaurierzielen, von Erhaltungsstrategien, von Konzepten, aber auch bis hin zur Ausführung der eigentlichen Maßnahmen und Interventionen. Sichtbar, also für das bloße Auge ablesbar, ist wie gesagt meist nur das Ergebnis, aber das auch nicht immer, fehlt doch dem öffentlichen Betrachter oft der Vergleich zum Vorzustand, um tatsächlich ein Restaurierergebnis wahrnehmen zu können.
Bei der Ausstellung wird nun versucht, diesen Prozess, den die historischen Oberflächen im Parlamentsgebäude dank der vielen fachkompetenten Kolleginnen und Kollegen durchlaufen haben – was auch nicht immer einfach war, denn, wir haben ja schon gehört, parallel sind hier massive bauliche Maßnahmen abgelaufen –, diesen restauratorischen Prozess in der Ausstellung sichtbar zu machen. Das zum einen durch zahlreiche Videos – auch das haben wir schon gehört –, aber eben auch die Nachvollziehbarkeit an Artefakten, an Elementen, an originalen Bauteilen zu gestalten, wo ganz plakativ Vor- und Nachzustände gezeigt werden. Diese Artefakte bilden einen wesentlichen Teil der Ausstellung.
Hannes Okruch: Absolut. Das war von Anfang an auch ein Grundgedanke, dass man eben das Artefakt nutzt, um die Geschichte zu erzählen. Wichtig ist dabei zu wissen: Es gibt nicht nur die, wenn man so will, schönen historischen Bauteile zum Anschauen, also nicht nur die Friesteile und Stuccolustro, sondern wir wollen auch die
technische Seite der Restaurierung zeigen. Die technischen Komponenten sind genauso, soweit es geht, als Originalartefakte ausgestellt und sollen ihre Geschichte der Generalsanierung erzählen.
Da geht es zum Beispiel in den großen Eingriffen natürlich auch um Dinge, die man heute nicht sieht oder auch nicht verstehen kann, wenn man es nicht weiß, zum Beispiel die ganzen Stelen, die vor den Türen stehen. Welchen Zweck haben die? Was war überhaupt notwendig, um die aufzustellen? Wo ist der Strom? Die ganzen Wände und Decken sind ja quasi ohne sichtbare Beschädigungen. Wie werden die Leitungen geführt? Das sind alles Dinge, die man ja heute nicht mehr sieht und dem wird in der Ausstellung Raum gegeben. Genauso auch die Türen: Wenn Sie die historischen Türen links und rechts anschauen – man würde nicht glauben, was für ein Aufwand notwendig ist, um die brandschutz- und sicherheitstechnisch zu ertüchtigen. Auch das wird man oben sehen.
Was man noch zusätzlich sagen muss, das ist eben das Filmmaterial – das ist schon von euch beiden angesprochen worden –, auch ein unglaublich wichtiger Punkt in der Ausstellung, weil das vor allem auch den komplexen Bauprozess zeigt.
Man muss bedenken, dass auf der Baustelle zeitweise über 500 Personen gleichzeitig tätig waren. Das wird besonders gut im Filmmaterial eingefangen, auf dem man sieht, wie es da wuselt, wie ein Bagger im heutigen Nationalratssitzungssaal Schutt herumschaufelt. Das sind Filme, die ich euch auf jeden Fall empfehle, anzuschauen.
Jetzt muss ich kurz in meinen Spickzettel schauen. Schlussendlich bin ich eh am Ende. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass eben das Artefakt, dieses Filmmaterial möglichst selbsterklärend sein soll. Also wenn Sie sich vielleicht später wundern werden, warum es im Vergleich zu anderen Ausstellungen relativ wenig Text gibt und so weiter: Wir wollen das Material sozusagen selbsterklärend in den Mittelpunkt stellen und die Ausstellung soll vor allem erlebt und weniger erlesen und erklärt werden – zum Anhören, Anfühlen, Anschauen, aber in erster Linie erlebt. Damit bin ich mit meiner Erklärung am Ende.
Bettina Bauer-Hammerschmidt: Mir bleibt noch, mich bei allen Beteiligten, die diese Dauerausstellung geschaffen haben, zu bedanken: an erster Stelle bei Benedikt Haid und Hannes Okruch von Studio MOM für die Konzeption und die Planung, bei allen beteiligten Firmen und bei allen Restauratorinnen und Restauratoren für die Ausführung.
Ich möchte mich auch bei Gabi Kaiser und Joanna White für die Texte bedanken und bei Frog Queen Media, die unermüdlich die Dreharbeiten während der Sanierung durchgeführt haben und die auch deshalb den Filmschnitt für diese Ausstellung zur Verfügung stellen konnten.
Zuletzt bedanke ich mich auch natürlich bei allen Kolleginnen und Kollegen der Parlamentsdirektion – hier vor allem beim Besucherzentrum und bei der Abteilung 8.4 Gebäude- und Baumanagement – für die umfassende Unterstützung.
Ich glaube, wir sind am Ende der Beiträge. Eine weitere Erklärung zum Ablauf: Ich darf jetzt alle zum Empfang in die Säulenhalle bitten, und vielleicht mit einer ersten Gruppe – am besten nicht alle auf einmal – werden wir zur Ausstellung hinaufgehen. Es wird während des Empfangs noch Zeit sein, man kann hinaufgehen und sich die Ausstellung im 2. OG, beim Stiegenhaus Nummer 2 zwei Läufe hinauf oder mit dem Lift, selbstständig erarbeiten. – Danke schön. (Beifall.)