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Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg gestaltete Andreas Khol die Politik in Österreich. Erstmals 1983 in den Nationalrat als Abgeordneter gewählt, wurde er 1994 Klubobmann der Bundes-ÖVP. Im Jahr 2002 wählte ihn der Nationalrat zu seinem Präsidenten. Dieses zweithöchste Amt im Staat übte er bis 2006 aus. Als Konservativer war er nicht nur ein profilierter Debattierer, sondern auch einer der strategischen Köpfe der Partei. Früh verband ihn eine enge politische Weggemeinschaft mit Wolfgang Schüssel. Gemeinsam wirkten sie im innersten Kreis, dem sogenannten "Küchenkabinett", und bereiteten zuerst den Beitritt Österreichs zur EU und später die Regierung mit der FPÖ unter Jörg Haider vor – eine Wende, die Österreich nachhaltig veränderte. Ob in Verhandlungen im Hintergrund, im Parlament oder als Bundesobmann des ÖVP-Seniorenbundes: Khol stand für klare Positionen, analytische Schärfe und eine unverwechselbare politische Handschrift. Nach seiner Niederlage in der Bundespräsidentenwahl zog er sich aus der aktiven Politik zurück – nach einer Karriere, die Spuren hinterlassen hat.