Veranstaltung

Trauerfeier aus Anlass des Ablebens von Mag.a Barbara Prammer

Abschied von National­rats­präsidentin Barbara Prammer

Am Samstag, dem 9. August 2014, fand im Beisein der Familie und zahlreicher Ehren­gäste aus dem In- und Ausland vor dem Parlaments­gebäude die offizielle Trauer­feier für die verstorbene Präsidentin des Nationalrates Barbara Prammer statt.

Mehr als 700 Ehren­gäste aus dem In- und Ausland waren gekommen, um sich von Nationalrats­präsidentin Barbara Prammer zu ver­ab­schieden, unter ihnen Präsidenten der Parlamente Deutschlands, Kroatiens, Montenegros, Sloweniens und Tschechiens, hochrangige Vertreter:innen des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission.

Zu Klängen aus "Tristan und Isolde" von Richard Wagner – eine Reverenz an die Opern­lieb­haberin Barbara Prammer – wurde der Sarg aus der Säulen­halle auf den Vor­platz des Parlaments getragen.

Kämpferin für die parlamentarische Demokratie

Als Erster gedachte der Zweite Präsident des Nationalrates Karlheinz Kopf der Verstorbenen. Er sprach der Trauer­familie tief empfundenes Mit­gefühl aus. Barbara Prammer habe in den Jahren ihres Lebens und Wirkens viel gegeben, umso schwerer wiege der Verlust durch ihren allzu frühen Tod. Sie sei eine "engagierte Kämpferin für den un­verzicht­baren Stellen­wert und die Würde des Parlaments als Zentrum unseres demo­kratischen Österreich" gewesen. Die knapp acht­jährige Präsident­schaft Prammers habe tiefe Spuren hinterlassen. Kopf bedankte sich für Prammers "umsichtige, überparteiliche und vor allem menschliche Führung" des Parlaments.

Auch die Präsidentin des Bundes­rates, Ana Blatnik, unterstrich in ihrer Rede - Teile davon fasste sie in slowenischer Sprache zusammen - das Engagement Prammers für die Demokratie. Dieses habe die Verstorbene als Chance und Auftrag zur Gestaltung verstanden. Nie habe sie den Bezug zu den elementaren Fragen verloren, die Menschen tagtäglich bewegen. Respekt und An­er­kennung verdiene Prammer für ihr Eintreten für die Rechte der Minder­heiten in Österreich, ihren Mut und ihren Willen zu einem konstruktiven Mit­einander über Grenzen hinweg.

Diesem Engagement Prammers war auch die musikalische Um­rahmung der Trauer­reden gewidmet. Harri Stojka und Timna Brauer interpretierten Lieder der Roma sowie hassidischer und jemenitischer Juden.

Dank an eine mutige Politikerin

Von Barbara Prammer bleiben werde, so die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi, dass man Politiker:in sein könne, ohne sich zu ver­biegen. Ihr Beispiel habe gezeigt, dass Politik für eine bessere Gesellschaft gemacht werden könne. Prammer sei offen für andere gewesen und damit beispielhaft für nächste Generationen. Sie wäre, so Coudenhove-Kalergi, eine gute Bundes­präsidentin gewesen.

Bundes­ministerin Gabriele Heinisch-Hosek würdigte die großen Verdienste Prammers im Kampf um die Gleich­berechtigung der Frauen. Sie erinnerte sich ihrer Freundin und Mentorin als einer Frauen­politikerin, die sich für eine "Zukunft ohne Hürden" stark gemacht habe. Prammers Ziel sei  gewesen, Mut zu machen, den eigenen Weg zu gehen und Frauen ein gleich­berechtigtes und selbst­bestimmtes Leben zu ermöglichen.

Österreich verliert Leitfigur

Betroffen­heit und Trauer hinter­lasse der Tod Barbara Prammers, so Bundes­kanzler Werner Faymann. Die Republik verliere eine Leit­figur der Demokratie und einen außer­ordentlich liebe­vollen Menschen. Prammer hätten Grund­satz­treue, Toleranz und Offen­heit aus­ge­zeichnet. Ihr Welt­bild sei von Gleich­heit und Gerechtig­keit geprägt gewesen. "Menschen wie sie braucht es in der Demokratie dringender denn je", so Faymann. Prammer sei immer ihren sozial­demo­kratischen Über­zeugungen treu geblieben und sie habe die Fähigkeit gehabt, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen.

Einen letzten, sehr persönlichen Gruß richtete Bundes­präsident Heinz Fischer an die Verstorbene. Noch vor einem Jahr sei Barbara Prammer im Zenit ihres Lebens gestanden, als eine Stimme der Vernunft, die über die Grenzen des Landes hinaus gewirkt habe. Ihrer Krank­heit habe sie sich in bewunderns­werter Weise gestellt. Barbara Prammer hätte sich über die ihr nun bezeugte An­erkennung und Zu­stimmung sehr gefreut, so der Bundes­präsident. Er nahm dies zum Anlass, zu möglichst viel Sensibilität und Fairness im Umgang mit anderen Menschen, sowohl in der Politik und in den Medien wie auch im Alltags­leben, aufzurufen.

Große Anteilnahme

Der Trauer­feier wohnten rund 2000 Österreicherinnen und Österreicher bei. Von der ge­sperrten Ring­straße aus konnten die Menschen die Ansprachen direkt und über Video­walls mit­verfolgen. Sie erwiesen "ihrer Präsidentin" die letzte Ehre, einer Präsidentin, der die Öffnung des Parlaments für die Bürgerinnen und Bürger ein großes Anliegen war.

Einen letzten Gruß entbot das offizielle Österreich Barbara Prammer mit der Bundes­hymne und einem Zapfen­streich vor dem Balkon ihres Büros. Als der Konvoi mit dem Sarg den Weg zur letzten Ruhe­stätte Barbara Prammers in einem Ehrengrab am Wiener Zentral­friedhof antrat, war die tiefe Trauer über den Abschied von einer großen Österreicherin greifbar.