Inhalt
Klare Worte finden, – ungeachtet der Sprache, ob in Burgenland-Romani (barikane alava) oder Burgenland-Kroatisch (jasne riči) – dieser Aufforderung möchte "Literatur am Ring" nachkommen. Anlässlich des vor 50 Jahren beschlossenen Volksgruppengesetzes rückt die Literaturveranstaltung die Volksgruppen ins Zentrum. In der ersten von drei Veranstaltungen diskutieren Akteurinnen und Vertreter der Roma sowie der Burgenländischen Kroaten über Sichtbarkeit und Präsenz aus historischer und aktueller Perspektive.
Klare Worte fand die Romni Ceija Stojka (1933-2013) in ihrem 1988 veröffentlichten Buch "Wir leben im Verborgenen". Im Gedenkjahr 1988 waren ihre Erinnerungen an die Zeit der Verfolgung im Nationalsozialismus, die Schilderungen ihrer Erlebnisse in den Konzentrations- und Vernichtungslagern Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Bergen-Belsen, jener individuelle literarische Kraftakt, der für Roma und Romnja in Österreich den Beginn der öffentlichen Anerkennung bedeutete. Anerkennung der systematischen Verfolgung und Vernichtung im NS-Regime, Anerkennung als Volksgruppe in Österreich, Anerkennung ihrer Geschichte und Gegenwart.
Gabriela Stojka, Schwiegertochter Ceija Stojkas, setzte und setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, diese Geschichte weiterzugeben und zu vermitteln: lange gemeinsam mit Ceija Stojka im Rahmen von Bildungsarbeit, in Workshops und Vorträgen in Schulen, später durch ihr Wirken im Rahmen der Ceija Stojka International Association. Der Widerhall Ceija Stojkas ist auch im Schaffen jüngerer Generationen zu spüren. In ihrem Buch "KriegsROMAn" betreibt die Redakteurin und Moderatorin Katharina Graf-Janoska die literarische Auseinandersetzung mit der eigenen, komplizierten (Familien)Geschichte – mit dem was war und was hätte sein können.
Klaren Worten verpflichtet sich auch der Journalismus der "Hrvatske novine", der burgenland-kroatischen Wochenzeitung. Seit 2023 steht die traditionsreiche "Hrvatske novine" unter der neuen Chefredakteurin Tereza Grandits vor einer zweifachen Herausforderung: als Zeitung einer kleinen Gemeinschaft in einer veränderten Medienwelt zu bestehen, zugleich als Trägerin eines historischen Identitätsbewusstseins für Leserinnen und Leser sprachlicher Orientierungspunkt sein.
Wie sich beide Volksgruppen im Hinblick auf die Darstellung in der Öffentlichkeit in einem Spannungsfeld von Geschichte, Erinnerung, Tradition, Folklore und Fremdzuschreibungen bewegen, wie durch Sichtbarkeit und Präsenz Zerrbildern vorgebeugt werden kann, ist Thema bei "Literatur am Ring: Klare Worte | Barikane alava | Jasne riči".