Vom 22. bis 26. Juni 2026 wurde der dritte Teil der Sitzungsperiode 2026 der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (ER-PV) in Straßburg abgehalten. Die österreichische Delegation war mit zehn von insgesamt zwölf Delegationsmitgliedern vor Ort vertreten.
In ihrer Eröffnungsrede ging die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung, Abgeordnete zum Nationalrat Petra Bayr, MA MLS, auf die Rolle und Widerstandsfähigkeit der Versammlung bei der Bewältigung der aktuell besonders herausfordernden geopolitischen Zeiten ein. So sei es dem konsequenten Engagement sowohl der Mitglieder der Versammlung als auch der politischen Fraktionen zu verdanken, dass die Versammlung von den europäischen Regierungen gehört werde. Dies sei auch bei der anlässlich der letzten Sitzung des Ministerkomitees in der Republik Moldau angenommenen "Erklärung von Chişinău" der Fall gewesen. Diesbezüglich betonte Bayr, dass die Europäische Menschenrechtskonvention (EMKR) sowie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nicht verhandelbar seien. "Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird unabhängig bleiben, und seine Richter werden unabhängig bleiben. Die Rechtsstaatlichkeit wird nicht gestärkt, wenn Politiker den Richtern vorschreiben, was sie zu denken haben. Die Rechtsstaatlichkeit wird gestärkt, wenn Richter frei entscheiden können.", so Bayr. Sie zeigte sich sodann sehr erfreut darüber, dass der Anteil der Frauen in der Versammlung aktuell bei 49,2 % liegt und dies auch bei allen wichtigen Funktionen so sei. Außerdem könne der Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine nicht ungestraft bleiben und basierend auf einem Vorschlag der Versammlung sei deshalb der Sondergerichtshof zur Ahndung ebendieses Verbrechens entstanden und er werde mittlerweile bereits von 36 Staaten unterstützt. Gleichzeitig diskutiere die Versammlung aber auch mit den Vertreterinnen und Vertretern der russischen Opposition sowie der Minderheiten im Rahmen der Plattform für den Dialog mit den demokratischen Kräften Russlands über ein friedliches und demokratisches Russland nach der Ära Putin. Bayr beendete ihre Rede mit den folgenden Worten: "Wir stärken den Konvent. Wir stärken die Rechenschaftspflicht. Wir stärken die demokratische Zukunft Europas. Wir stärken die Gleichberechtigung. Wir stärken die Umweltrechte. Der bevorstehende Sturm mag heftig sein. Aber Institutionen, die vorbereitet, geeint und ihren Prinzipien treu sind, halten Stürmen nicht nur stand: Sie geben die Richtung vor."
Angesichts zahlreicher Krisenherde in Europa und seiner Nachbarschaft wurde beschlossen, aktuelle Debatten zur Funktionsweise des Justizsystems und das harte Vorgehen gegen die Opposition in der Türkei sowie zur Migration nach Europa abzuhalten. Zusätzlich fand eine dringliche Debatte zu dem Thema Zugang von Frauen zur Justiz statt.
Die Versammlung wählte außerdem die ständige Vertreterin der Niederlande beim Europarat, Botschafterin Tanja Gonggrijp, zur stellvertretenden Generalsekretärin des Europarats für eine Amtszeit von fünf Jahren ab dem 1. September 2026. Abgeordnete Prammer wurde von den Mitgliedern der Parlamentarischen Allianz für gute Verwaltung und Integrität im Sport zur Vorsitzenden gewählt.
Darüber hinaus verlieh die Versammlung den Vigdís-Preis für die Stärkung der Stellung der Frau an die slowenische Organisation "My Voice, My Choice", die aus über 300 Organisationen aus der gesamten Europäischen Union besteht, mit dem Ziel, sich für sichere und zugängliche Schwangerschaftsabbrüche einzusetzen. Im Jahr 2025 wurden so über eine Million Unterschriften für eine entsprechende Bürgerinitiative gesammelt, was zu einer Entschließung des Europäischen Parlaments und zu einer Zusage der Europäischen Kommission führte, EU-Mittel für Einrichtungen zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen einzusetzen.
Im Laufe der Sitzungswoche wandten sich außerdem die folgenden Persönlichkeiten an die Mitglieder der Versammlung: Christophe Mirmand, Staatsminister von Monaco, Isabelle Berro-Amadei, Ministerin für auswärtige Angelegenheiten und Zusammenarbeit von Monaco sowie derzeitige Vorsitzende des Ministerkomitees des Europarats, und nicht zuletzt Alain BERSET, Generalsekretär des Europarats.
Bundesrätin Eder-Gitschthaler stellte dem Generalsekretär die Frage, wie die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Europarat und OSZE, speziell im Bereich der Wahlbeobachtungen, aussehen könnte. Der Generalsekretär gab daraufhin zu verstehen, dass er zwar die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen erkenne, diese aber auf Basis bereits vorhandener Kompetenzen geschehen könne. Es seien dazu "keine neuen Doppelungen" oder Hierarchien nötig. Vielmehr sei nach neuen Bereichen für komplementäres Handeln zu suchen, in denen man sich gegenseitig unterstützen könne. Bei der Wahlbeobachtung bestehe bereits eine sehr enge Kooperation. und er stehe zudem im laufenden Kontakt mit der OSZE.
Zudem erkundigte sich Bundesrätin Eder-Gitschthaler, wie die Rückholung der nach Russland verschleppten ukrainischen Kinder unterstützt werden könne. Staatsminister Mirmand verwies dazu auf das aktive Engagement der monegassischen Regierung in der internationalen Koalition zur Rückholung ukrainischer Kinder, sowie in der Konsultationsgruppe des Europarates über Kinder in der Ukraine hin. Diese Engagement wolle man im Rahmen des Vorsitzes weiter ausbauen und fortführen.