Budgetdienst - Bundesrechnungsabschluss 09.09.2019

Bundesrechnungsabschluss 2018

Überblick

Der Rechnungs­hof legte am 28. Juni 2019 den Bundes­rechnungs­abschluss 2018 des Bundes vor. Der Budget­dienst hat in seiner Analyse neben der konsolidierten Vermögens‑, Ergebnis‑ und Finanzierungs­rechnung insbesondere die Voranschlags­abweichungen und die Ergebnisse der Abschluss­prüfungen des Rechnungs­hofes behandelt.

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BD - Bundesrechnungsabschluss 2018 / PDF, 1 MB

Kurzfassung

Der Rechnungshof legte am 28. Juni 2019 den Bundes­rechnungs­abschluss 2018 mit der konsolidierten Vermögens-, Ergebnis- und Finanzierungs­rechnung des Bundes und den Voranschlags­vergleichs­rechnungen sowie die Ergebnisse seiner Prüfungen gemäß § 9 RHG vor.

Im Jahr 2018 befand sich die österreichische Wirtschaft in einer Phase der Hoch­konjunktur, was die Budget­politik wesentlich beeinflusste. Die Wachstums­dynamik war insbesondere im ersten Halb­jahr hoch und schwächte sich in der zweiten Jahres­hälfte etwas ab. Das Wachstum erfolgte auf breiter Basis mit stabilen Zuwächsen im privaten Konsum, einer Ausweitung der Unternehmens­nachfrage nach Ausrüstungs- und Bau­investitionen und positiven Wachstums­beiträgen aus der Außen­wirtschaft.

Im Bundes­haushalt wies der Ergebnis­haushalt im Jahr 2018 ein Netto­ergebnis von ‑0,5 Mrd. EUR auf, was eine Verbesserung gegen­über dem Vor­jahr (2017: ‑1,6 Mrd. EUR) sowie zum Bundes­voranschlag 2018 (‑4,4 Mrd. EUR) bedeutet. Zwei wesentliche Gründe für die mit 3,9 Mrd. EUR sehr deutliche Verbesserung gegenüber dem Voranschlag sind die über den Erwartungen liegenden Erträge aus öffentlichen Abgaben und die Unter­schreitung der budgetierten Aufwendungen bei den Bundes­zuschüssen an die ÖBB.

Im Finanzierungs­haushalt betrug der Netto­finanzierungs­saldo im Jahr 2018 rd. ‑1,1 Mrd. EUR. Das Ergebnis im Finanzierungs­haushalt war damit deutlich weniger negativ als in den beiden Vor­jahren (2016: ‑5,0 Mrd. EUR, 2017: ‑6,9 Mrd. EUR), die unter anderem durch die Steuer­reform 2015/2016 und durch Zahlungen im Zuge der Banken­sanierung geprägt waren. Auch gegen­über dem Voranschlag, in dem das BMF von einem Netto­finanzierungs­saldo iHv ‑2,2 Mrd. EUR ausging, kam es zu einer erheblichen Verbesserung, die ungefähr zu gleichen Teilen auf einnahmen- und auf ausgaben­seitige Faktoren zurück­zuführen war.

Die konsolidierte Vermögens­rechnung des Bundes zum 31. Dezember 2018 weist ein Vermögen von 100,32 Mrd. EUR und Fremdmittel von 254,68 Mrd. EUR aus. Daraus ergibt sich ein negatives Netto­vermögen ("negatives Eigen­kapital") von ‑154,36 Mrd. EUR, das sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 8,12 Mrd. EUR verbesserte. Diese außer­ordentliche Verbesserung im Jahr 2018 ist überwiegend auf eine Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungs­methoden bei der Perioden­abgrenzung von Abgaben­forderungen ("Time Adjustments") zurück­zuführen.

In der Voranschlags­vergleichs­rechnung erbrachte der Vollzug des Bundes­haushalts im Jahr 2018 sowohl im Finanzierungs- als auch im Ergebnis­haushalt ein günstigeres Ergebnis als veranschlagt. In der Ergebnis­rechnung war ein Netto­ergebnis von ‑4,40 Mrd. EUR geplant, im Budget­vollzug fiel dieses mit ‑0,52 Mrd. EUR deutlich günstiger aus (Verbesserung von 3,88 Mrd. EUR). In der Finanzierungs­rechnung konnte der Netto­finanzierungs­saldo statt der geplanten ‑2,16 Mrd. EUR mit ‑1,10 Mrd. EUR (Verbesserung von 1,06 Mrd. EUR) ebenfalls erheblich reduziert werden.

Eine eingehende Ursachen­analyse der Voranschlags­abweichungen in beiden Haushalten ergab, dass die Abweichungen bei den Erträgen/Einzahlungen überwiegend durch die bessere Konjunktur getrieben waren, die insbesondere zu einer überplanmäßigen Steigerung bei den Abgaben führte. Weiters führten verrechnungs­technische Gründe (Weiter­verrechnung und Auszahlung des Umsatzsteuer­anteils an die Länder für die Abschaffung des Pflege­regresses) zu Mehr­einnahmen/-einzahlungen. Im Ergebnis­haushalt bewirkte zudem die Aufwertung der Beteiligung an der Verbund AG Mehrerträge. Für die unter dem Voranschlag liegenden Aufwendungen/Auszahlungen waren konjunkturelle Entwicklungen ebenfalls ein bestimmender Faktor (geringere Leistungen der Arbeitslosen­versicherung, niedrigerer Pensions­beitrag des Bundes durch höhere Beiträge, niedrigere Zinszahlungen) sowie überschätzte Budgetierungs­grundlagen (z. B. zur Inanspruchnahme des Beschäftigungs­bonus). In die Gegenrichtung wirkten nicht budgetierte Mehr­aufwendungen im Bereich der Arbeitsmarkt­förderungen aufgrund der Verwendung der Arbeitsmarkt­rücklage. Im Ergebnis­haushalt führten geringere Transfer­aufwendungen an die ÖBB und geringere Wert­berichtigungen auf Abgaben- und Zollforderungen zu Minder­aufwendungen.

Der Stand der Rücklagen zum 31. Dezember 2018 betrug 15,66 Mrd. EUR, damit stiegen die Rücklagen­bestände gegen­über dem Vorjahr nur gering­fügig um rd. 146 Mio. EUR. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 956,8 Mio. EUR an Rücklagen entnommen und 1,10 Mrd. EUR neu zugeführt.

Die Prüfungs­ergebnisse des RH aus der Stichproben­prüfung gemäß § 9 RHG, insbesondere die geringe Anzahl von fehlerhaften zeitlichen Zuordnungen, lassen darauf schließen, dass sich durch die Prüfungs­schwer­punkte des RH in den Vor­jahren und die Bemühungen des BMF sowie der Fach­ressorts die Qualität der Ergebnis­rechnung gegen­über den Vorjahren verbesserte.

Eine im Juli 2017 eingesetzte Arbeits­gruppe aus VertreterInnen des RH, des BMF und des Budget­dienstes erarbeitet Vorschläge für eine Neuregelung der Erstellung und Prüfung des Bundes­rechnungs­abschlusses sowie dessen parlamentarische Behandlung, die internationalen Rechnungslegungs- und Prüfungs­standards und anerkannten Best Practice Modellen entsprechen. Die Arbeiten am Endbericht der Arbeits­gruppe sind bereits sehr weit fort­geschritten, sodass dieser aus Sicht des Budget­dienstes zeitnah finalisiert werden könnte.