Im ersten Teil der Analyse wird die Entwicklung der Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege in Österreich auf Grundlage des System of Health Accounts (SHA) von 2015 bis 2024 näher betrachtet.
Öffentliche Gesundheitsausgaben prägen die Entwicklung der Staatsausgaben
Die öffentlichen Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege betrugen in Österreich im Jahr 2024 gemäß SHA 39,5 Mrd. EUR und waren damit für etwa 15 % der gesamten Staatsausgaben verantwortlich. Der Anteil der österreichischen Staatsausgaben am nominellen Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2024 bei 55,3 % und war damit um 4,1 %‑Punkte höher als 2015. Die Entwicklung der Staatsausgabenquote in Österreich wird in der Analyse des Budgetdienstes zur Entwicklung der Staatsausgaben und des Bruttoinlandsprodukts seit 2019 im Detail analysiert. Der Anstieg der Ausgabenquote war im dargestellten Zeitraum zu etwa 60 % auf demografieabhängige Ausgaben zurückzuführen, vor allem in den Bereichen Pensionen und Gesundheit. So war der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege am nominellen BIP im Jahr 2024 mit 8,0 % um 1,0 %‑Punkte höher als 2015, der Anteil der Pensionsausgaben stieg im gleichen Zeitraum um 1,2 %‑Punkte auf 14,9 %. Die demografieabhängigen Ausgaben sind auch für die zukünftige Entwicklung der Staatsausgaben maßgebend. Auf Basis der langfristigen Budgetprognose 2025 des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) soll die Ausgabenquote bis zum Jahr 2060 im Vergleich zu 2024 um 3,3 %‑Punkte ansteigen, wovon 3,2 %‑Punkte auf die demografieabhängigen Ausgaben entfallen. Wesentlich für diesen Anstieg sind die Bereiche Pflege, Gesundheit und Pensionen. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP soll mit 1,3 %‑Punkte stärker steigen als jener der Pensionsausgaben (+0,9 %‑Punkte). Ein besonders starker Anstieg wird auch bei den Pflegeausgaben erwartet, deren Anteil am BIP sich von 2024 bis 2060 auf 2,8 % nahezu verdoppeln soll.
Öffentliche Gesundheitsausgaben wuchsen stärker als private
Unter Berücksichtigung der privaten Ausgaben betrugen die gesamten Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege im Jahr 2015 32,6 Mrd. EUR und sind bis zum Jahr 2024 nominell um 19,5 Mrd. EUR bzw. 60,0 % auf 52,1 Mrd. EUR angestiegen. Das Ausgabenwachstum lag damit über dem Anstieg des nominellen BIP (+44,4 %) und der Verbraucherpreise (+33,9 %). Unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums stiegen die Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege pro Kopf von 3.778 EUR im Jahr 2015 auf 5.682 EUR im Jahr 2024 an (+50,4 %).
Der Anstieg der Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege war im dargestellten Zeitraum vor allem auf die Ausgaben öffentlicher Finanzierungssysteme (d. h. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung) zurückzuführen. Diese waren im Jahr 2024 mit 39,5 Mrd. EUR um 64,9 % höher als 2015 und sind damit deutlich stärker gewachsen als die privaten Ausgaben (+46,3 %). Der Anstieg der Gesundheitsausgaben als Anteil an der Wirtschaftsleistung iHv 1,0 %‑Punkten entfiel zur Gänze auf die öffentlichen Ausgaben.
Im SHA wird auch zwischen laufenden Gesundheitsausgaben, welche den Konsum von Gesundheitsleistungen und ‑gütern messen, und Investitionen unterschieden. Der Konsum wuchs dabei von 2015 bis 2024 deutlich stärker als die Investitionen. Die laufenden Gesundheitsausgaben waren im Jahr 2024 mit 49,5 Mrd. EUR um 61,5 % höher als 2015. Der Anstieg der Investitionsausgaben betrug im gleichen Zeitraum hingegen 34,8 %. Das durchschnittliche Ausgabenwachstum fiel jedoch bei beiden Ausgabenkategorien in den Jahren nach 2019 höher aus als in den Jahren davor.
Laufende Gesundheitsausgaben für die spitalsambulante Versorgung wuchsen stärker als die Ausgaben im stationären und niedergelassenen Bereich
Die einzelnen Gesundheitsleistungen und ‑güter haben in unterschiedlichem Ausmaß zum Anstieg der laufenden Gesundheitsausgaben seit 2015 beigetragen. Dabei sind vor allem die laufenden Ausgaben für die stationäre und spitalsambulante Versorgung sowie für den niedergelassenen Bereich deutlich stärker als das nominelle BIP gestiegen. Aufgrund der COVID‑19-Pandemie kam es zudem temporär zu einem starken Anstieg der Präventionsausgaben.
Die Entwicklung der laufenden Gesundheitsausgaben wird vor allem von den Ausgaben für die stationäre, spitalsambulante und niedergelassene Versorgung geprägt, die insgesamt für etwa 70 % der laufenden Gesundheitsausgaben verantwortlich sind. In diesen Bereichen kam es zu folgenden Entwicklungen:
- Die Ausgaben für die vorwiegend von Krankenanstalten erbrachte stationäre Versorgung betrugen im Jahr 2024 18,4 Mrd. EUR und waren damit um 53,4 % höher als 2015. Damit entfielen 37 % der laufenden Gesundheitsausgaben auf diesen Bereich. Im Beobachtungszeitraum entwickelte sich das stationäre Leistungsgeschehen in den Krankenanstalten tendenziell rückläufig. In den sogenannten Fondskrankenanstalten — das sind jene Krankenanstalten, deren Mittel über die Landesgesundheitsfonds aufgebracht werden und auf die etwa 84 % aller stationären Aufenthalte in Österreich entfallen — war die Anzahl der stationären Aufenthalte im Jahr 2024 um 20,9 % niedriger als 2015. Die Zahl der Belagstage sank im gleichen Zeitraum um 17,0 %, jene der tatsächlich aufgestellten Betten ging um 12,6 % zurück.
- Der spitalsambulanten Versorgung wurden im Jahr 2024 Ausgaben iHv 4,8 Mrd. EUR zugeordnet, was etwa 10 % der Gesamtausgaben entsprach. Im Vergleich zu 2015 sind diese um 143,5 % angestiegen und damit deutlich stärker gewachsen als die Ausgaben für die stationäre (+53,4 %) und niedergelassene Versorgung (+63,0 %).
- Die Ausgaben für die niedergelassene Versorgung, auf die etwa ein Viertel der laufenden Gesundheitsausgaben entfällt, waren im Jahr 2024 mit 11,8 Mrd. EUR um 63,0 % höher als 2015. Dazu trugen vor allem die Ausgaben für die allgemeinmedizinische und fachärztliche Versorgung sowie für Leistungen durch Angehörige anderer Gesundheitsberufe (z. B. Physiotherapie) bei.
Bei den weiteren Gesundheitsleistungen und ‑gütern sind die Ausgaben für medizinische Güter im Vergleich zu den gesamten Gesundheitsausgaben (+61,5 %) mit 42,9 % unterdurchschnittlich stark angestiegen. Der Anstieg war dabei insbesondere auf höhere Ausgaben für außerhalb der Krankenanstalten abgegebene Arzneimittel sowie orthopädische und prothetische Hilfsmittel zurückzuführen. Die Ausgaben im Bereich der Prävention sind während der COVID‑19-Pandemie besonders stark angestiegen, haben sich seit 2021 jedoch wieder rückläufig entwickelt. Auf sie entfielen im Jahr 2024 3 % der laufenden Gesundheitsausgaben. Die Ausgaben für sonstige Gesundheitsleistungen und ‑güter sind von 2015 bis 2024 um 71,4 % angestiegen. Diese betreffen vor allem Verwaltungsausgaben und Ausgaben für Hilfeleistungen (z. B. Rettungswesen).
Laufende Gesundheitsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden stiegen stärker als jene der Sozialversicherung
Die Mittel für die Finanzierung der Gesundheitsleistungen und ‑güter werden von öffentlichen und privaten Finanzierungssystemen aufgebracht. Erstere umfassen gemäß SHA Bund, Länder und Gemeinden sowie die Sozialversicherung. Die Selbstzahlungen privater Haushalte und die freiwilligen Systeme der Gesundheitsfinanzierung (v. a. private Versicherungsunternehmen und private Organisationen ohne Erwerbszweck) zählen hingegen zu den privaten Finanzierungssystemen. Von 2015 bis 2024 kam es vor allem bei den laufenden Gesundheitsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden sowie der Sozialversicherung zu einem deutlichen Anstieg, während das Wachstum der Ausgaben privater Haushalte vergleichsweise gering ausfiel.
Auf Bund, Länder und Gemeinden entfiel im Jahr 2024 mit 12,0 Mrd. EUR etwa ein Viertel der laufenden Gesamtausgaben. Im Vergleich zum Jahr 2015 waren die Ausgaben um 77,4 % höher. Der vergleichsweise starke Anstieg der Ausgaben in den Jahren 2020 und 2021 ist auf die im Zuge der COVID‑19-Pandemie ergriffenen Präventionsmaßnahmen zurückzuführen, die insbesondere vom Bund getragen wurden. Der Großteil der Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden (2024: 85 %) entfällt jedoch auf die stationäre und spitalsambulante Versorgung (+77,7 %). Diese betrifft vor allem die Leistungen der Fondskrankenanstalten, zu deren Finanzierung die Gebietskörperschaften durch Zuschüsse, die primär als Anteile am Abgabenaufkommen definiert sind, und durch Zahlungen der Länder und Gemeinden für die Betriebsabgangsdeckung und sonstige Zuschüsse beitragen.
Die Ausgaben der Sozialversicherung betrugen im Jahr 2024 25,5 Mrd. EUR bzw. etwa die Hälfte der gesamten laufenden Gesundheitsausgaben. Der Ausgabenanstieg fiel mit 62,0 % weniger stark aus als bei Bund, Ländern und Gemeinden. Etwa ein Drittel der Ausgaben entfällt dabei auf den niedergelassenen Bereich (v. a. allgemeinmedizinische und fachärztliche Leistungen) und medizinische Hilfeleistungen. Beide Ausgabenbereiche wiesen mit über 70 % vergleichsweise hohe Wachstumsraten auf. Dabei zeigten unter anderem die Kostenerstattungen der Krankenversicherungsträger für die im Wahlbereich erbrachten Leistungen eine besonders dynamische Entwicklung. Der größte Teil der Ausgaben der Sozialversicherung entfällt auf die stationäre und spitalsambulante Versorgung. Diese umfassen neben dem Anteil an der Finanzierung der Fondskrankenanstalten auch die in eigenen Einrichtungen (z. B. Unfallkrankenhäuser, Rehabilitationszentren) erbrachten Leistungen und sind insgesamt mit 58,2 % weniger stark als die Ausgaben der Sozialversicherung allgemein gewachsen. Zu einem unterdurchschnittlich starken Anstieg kam es auch bei den Ausgaben für medizinische Güter, insbesondere bei den verschriebenen Arzneimitteln.
Im Vergleich zu den öffentlichen Finanzierungssystemen fiel der Anstieg der Ausgaben der privaten Haushalte von 2015 bis 2024 vergleichsweise gering aus. Diese beliefen sich im Jahr 2024 auf 7,8 Mrd. EUR und waren um 33,4 % höher als 2015. Sie sind somit in etwa gleich stark gestiegen wie die Verbraucherpreise (+33,9 %). Der Anstieg war dabei insbesondere auf den niedergelassenen Bereich (v. a. Ausgaben für Zahnarztpraxen) und medizinische Güter (v. a. rezeptfreie Arzneimittel) zurückzuführen. Die Ausgaben der freiwilligen Systeme der Gesundheitsfinanzierung betrugen im Jahr 2024 4,2 Mrd. EUR und stiegen seit 2015 um 84,0 % an. Zu einem Anstieg kam es dabei vor allem bei den Ausgaben für Hilfeleistungen, den niedergelassenen Bereich und Verwaltungskosten (inkl. Betriebsüberschüsse).