Die bereinigten Finanzschulden des Bundes (Finanzschulden unter Berücksichtigung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Währungstauschverträgen abzüglich Eigenbesitz des Bundes) betrugen zum Jahresende 2019 insgesamt 208,8 Mrd. EUR. Der Rückgang um 2,9 Mrd. EUR gegenüber dem Vorjahr resultiert aus dem im Jahr 2019 erzielten administrativen Überschuss iHv 1,5 Mrd. EUR. Außerdem dürfte die Liquiditätshaltung Ende 2019 gegenüber dem Jahresende 2018 gesunken sein.
Die Maastricht-Verschuldung des Bundessektors lag Ende 2019 bei rd. 241,8 Mrd. EUR bzw. 60,7 % des BIP. Die Reduktion gegenüber 2018 um 4,3 Mrd. EUR ist insbesondere auf den erzielten Maastricht-Überschuss des Bundessektors iHv 2,0 Mrd. EUR und den Rückgang von Verbindlichkeiten der Abbaubanken zurückzuführen. Auf gesamtstaatlicher Ebene lag der Schuldenstand Ende 2019 bei 280,4 Mrd. EUR bzw. 70,4 % des BIP.
Das Zinsumfeld entwickelte sich für Österreich im Jahr 2019 äußerst günstig und verbesserte sich insgesamt gegenüber dem Vorjahr. Dies war insbesondere auf die stark expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen. Dadurch konnten in der zweiten Jahreshälfte erstmals Anleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren zu negativen Effektivzinsen begeben werden.
Der Bund führte im Jahr 2019 Neuaufnahmen iHv 26,3 Mrd. EUR durch. Trotz des im Jahr 2019 erzielten Nettofinanzierungsüberschusses iHv 1,5 Mrd. EUR, wurden damit um 3,1 Mrd. EUR höhere Neuaufnahmen getätigt als im Jahr 2018, was vor allem durch das höhere Tilgungsvolumen alter Anleihen begründet ist.
Die durchschnittliche Laufzeit der neu aufgenommenen Finanzschulden des Bundes war mit 7,7 Jahren insgesamt etwas niedriger als im Jahr 2018 (8,3 Jahre), weil ein etwas höherer Anteil der Finanzierungen über sehr kurz laufende Darlehen erfolgte. Die Neuaufnahmen des Bundes erfolgten im Jahr 2019 erstmalig zu einer negativen durchschnittlichen Effektivverzinsung (‑0,12 %).
Die Nettozinsbelastung im Finanzierungshaushalt der UG 58‑Finanzierungen, Währungstauschverträge betrug im Jahr 2019 4,7 Mrd. EUR und lag damit um 0,5 Mrd. EUR unter dem Voranschlag, bei dessen Erstellung noch von einem schrittweisen Zinsanstieg ausgegangen wurde. Im periodengerecht abgegrenzten und damit aussagekräftigeren Ergebnishaushalt setzte sich der Rückgang des Nettozinsaufwands der letzten Jahre fort, sodass sich dieser 2019 auf 4,4 Mrd. EUR reduzierte (‑0,4 Mrd. EUR gegenüber 2018). Auch der für 2019 im Ergebnishaushalt veranschlagte Wert wurde um 0,3 Mrd. EUR unterschritten.
Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) nahm im Jahr 2019 Kreditoperationen für Länder, sonstige Rechtsträger und Sonderkonten des Bundes iHv 5,2 Mrd. EUR vor. Der Anstieg gegenüber dem Jahr 2018 um 3,4 Mrd. EUR resultiert insbesondere aus einer höheren Inanspruchnahme der Finanzierungsmöglichkeit über die OeBFA durch die ÖBB-Infrastruktur AG sowie aus der erstmaligen Inanspruchnahme durch die BIG.