Arzneimittelgesetz und Gentechnikgesetz (60025/SN)

Stellungnahme

Stellungnahme betreffend die Regierungsvorlage (1289 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Arzneimittelgesetz und das Gentechnikgesetz geändert werden

Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlaments­direktion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Inhalt

Jegliche Behandlungen mir Gentechnik ist strikt abzulehnen!

Du sollst nicht Frankenstein spielen
Auch die intuitive Annahme von Absicht und Zweckgebundenheit allen menschlichen Handelns beeinflusst unsere Haltung zur Gentechnik. Eigentlich befähigt uns diese Denkweise dazu, das Verhalten unserer Mitmenschen einzuschätzen, ihre Wünsche, ihre Absichten. Doch wir übertragen diesen Glauben an das Sinnhafte und Zielgerichtete auch auf andere Bereiche: Wir fluchen auf das Auto, wenn es uns im Stich lässt, ermahnen den Computer, wenn er langsam arbeitet. Angewandt auf die Sphäre der Biologie lässt diese Intuition uns annehmen, auch die Natur sei ein bewusst handelnder Akteur.

Diese Intuition ist Basis aller religiösen Glaubenssysteme. In säkularer Weltsicht scheint sie die Idee einer „Mutter Natur“ zu beflügeln, die dem Menschen als kraftvoller, gütiger Akteur begegnet, und die automatisch zum Besten strebt. Und in deren Walten wir uns nicht einmischen sollten. Gentechnik erscheint vor diesem Hintergrund als Angriff auf den großen Masterplan der Natur. GMO wirken „widernatürlich“, Gentechniker spielten Gott. Der Begriff „Frankenfood“ trägt die Botschaft in sich: Wenn wir gegen den Willen der Natur agieren, werden wir Schreckliches hervorrufen – wie jener literarische Dr. Frankenstein, der in seiner Selbstanmaßung ein Menschen-Monster schuf.

Ekel ist ein weiteres Gefühl, das unsere Haltung zur Gentechnik beeinflusst. Lange, bevor wir Menschen den Zusammenhang von Hygiene, Mikroben und Infektionen begreifen konnten, hat die Evolution uns mit einem Mechanismus ausgestattet, der uns intuitiv fernhält von potenziell krank machenden Substanzen – weil er, etwa angesichts von Fäkalien oder verdorbenem Fleisch, Ekelgefühle weckt.

Wir haben gelernt, lieber übervorsichtig zu sein als leichtsinnig. Vor allem auf Dinge, die wir in den Mund stecken, reagiert unser Ekelsensor sensibel: Im Zweifelsfall lieber etwas liegen lassen, das vielleicht gar nicht schädlich ist, als das hohe Risiko in Kauf zu nehmen, das der Verzehr von Verdorbenem oder Giftigem mit sich bringt.

Auch GMO lösen auf diese Weise den Ekelreflex aus: Die genetische Modifikation erscheint als Verschmutzung der organischen Essenz. Dieses tief in uns wurzelnde Gefühl nährt die Idee, GMO könnten krank machen oder unfruchtbar. Sie könnten die Umwelt verschmutzen, „natürliche“ Pflanzen infizieren oder ganze Schiffsladungen voller Futterpflanzen kontaminieren.

Ekel beeinflusst auf subtile Weise unser moralisches Urteil, lässt uns vorschnell und pauschal urteilen. Nicht nur „Frankenfood“ erscheint suspekt, abstoßend wirken auch all jene, die damit hantieren. Individuen, Unternehmen, Institute etwa, die sich mit der Entwicklung oder Vermarktung von GMO befassen. Analysen der Kognitionsforschung wie die unsere sollen und können keinesfalls dazu dienen, Argumente gegen die Gentechnik zu widerlegen. Selbstverständlich kann sie unerwünschte Folgen haben (wie die konventionelle und die biologische Landwirtschaft auch). Und selbstverständlich kann es auch gentechnisch hergestellte Produkte geben, bei denen sich herausstellt: Diese sind nicht für die Vermarktung oder den Verzehr geeignet.

Die Rolle der multinationalen Konzerne, die wachsende Herbizid-Resistenz von „Unkräutern“ – all das sind real existierende Probleme, die nach Lösungen verlangen. Doch, und darum geht es hier: Im Zusammenhang mit dem Reizwort „Gentechnik“ erhalten diese Probleme offenbar eine ganz eigene drastische Qualität.