Stellungnahme zu Ministerialentwurf
Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das Kraftfahrgesetz 1967 geändert wird (41. KFG-Novelle)
Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlamentsdirektion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.
Inhalt
Mein Vater arbeitet in einer Fahrschule, die auch eine Akademie betreibt. Ich bin alleinerziehende Mutter und möchte auch den Beruf erlernen, da mir Verkehrserziehung sehr am Herzen liegt und ich mich dazu Berufen fühle. Nun habe ich über ihn einige Infos dazu erhalten und sehe diese Ausbildung mit den Änderungen als unerfüllbar für mich!
Wegen der Kinderbetreuung meiner Kleinen geht das nicht mehr!
Mein Vater meinte, dass es ihn sehr an den damaligen Probefahrlehrer erinnert- nur mit einem anderen Namen.
Als er damals die Ausbildung machte, war das auch so und die meißten seiner Kollegen wurden dann hinausgeworfen, bevor sie fertig ausgebildet waren. Er sagte mir, dass bei der Computerprüfung eine 14 Tage-Wartefrist gibt, wenn jemand durchfällt- lt. der Änderung gibt es für Fahrlehrer auch einen Computerprüfung-bei der es keine Wartefrist gibt?! Es müssen auch Aufzeichnungen über die besuchten Theoriekurse , bzw. die Anwesenheit mit einer Unterschrift bestätigt werden, vorher musste man sich aber auch für den Kurs erst anmelden- die Anwesenheit wurde dann mit der Unterschrift bestätigt bzw. kontrolliert.
Er meinte auch, dass man erst mal die Voraussetzung, um den Beruf ausüben zu können, klären sollte, bevor man damit beginnt-, also ob man verkehrszuverlässig ist.
In der Änderung, sagte er mir, ist nur noch Präsenzunterricht möglich, somit kann ich als alleinerziehende Mutter dann diese Ausbildung nicht mehr machen- das ist eine Ungleichstellung für mich als alleinerziehende Frau und Mutter! Außerdem, wenn ich da so viel hinfahren muss, wer bezahlt mir denn die Fahrtkosten? Die Ausbildung wird sicher so schon teuer werden, da dann auch ein Jurist den ganzen Tag unterrichten soll.
Da ich ein Lehramtsstudium vor der Geburt meiner Kleinen begonnen hatte, habe ich bereits ein wenig über zeitgemäße Lehr- und Lernsysteme gelernt und bin schockiert, dass die neue Ausbildung weder einem aktuellen Lehrkonzept (Präsenz- , bzw. Frontalunterricht war im letzten Jahrtausend!), noch irgendwelchen Lernpsychologischen Grundlagen folgt! Es fällt jede Flexibilität weg. Auch soll das Coaching in der Ausbildung nun eingesetzt werden- dabei soll ja bekanntlich mit Fragen der Schüler zum Ergebnis gebracht werden, da sich selbsterarbeitetes Wissen besser und länger verankert. Komisch finde ich, dass dann jemand Coachen soll (ein alter Fahrlehrer?), der selber den Ansatz des Coachings nie gelernt hat- Das hatte mein Vater nicht in der Ausbildung.
In der neuen Ausbildung sollen auch pädagogische Kompetenzen vermittelt werden- ohne Erklärung welche das sein sollen- es können aber nur wenigere sein als früher, da auch der pädagogische Teil reduziert werden soll in der neuen Ausbildung.
Und dann soll ich eine Gruppe von vielleicht 30 Schülern als Fahrschullehrerin unterrichten, obwohl ich weniger Unterricht dafür in meiner Ausbildung erhalten würde als in der aktuellen Ausbildung?
Noch dazu, wo in den letzten Jahren während Corona klar wurde, wie wichtig es war, dass sich Fahrschullehrer mit digitalen Medien und E-Learning auskennnen. Mein Vater sagte mir, dass die Kurse online statt gefunden haben während Corona und das für viele eine Herausforderung war, da niemand darauf vorbereitet wurde. In der neuen Ausbildung darf ich aber kein E-Learning machen- obwohl die Computerprüfung im Kontext von Lerntheorien auch unter E-Learning fallen würde.
Kein aktuelles Wissen über die aktuellen Führerscheininhalte hat ein neuer Fahrlehrer. Bei einer aktuellen Computerprüfung würden wohl einige gleich mal zeigen, wie viel der Computerprüfungsfragen sie überhaupt wissen- sollte in meinen Augen ja mehr als ein Schüler sein, der mit 80% die Prüfung besteht- oder anders gesagt, jede 5 . Frage nicht richtig beantworten kann) - das hilft sicher nicht für eine bessere Verkehrserziehung und Reduktion der Unfälle auf unseren Straßen!
Er muss aber dann eine Prüfung machen-für das Durchfallen gibt es keine Wartezeit, um das Wissen nachzulernen- oder kann ich dann an dem Tag so lange probieren, bis ich es schaffe?!)
Es scheint mir, dass die neue Ausbildung doch einem Probefahrlehrer gleicht, der mal kurz einen „Schnellsiederkurs“ besucht hat. Der pädagogische Teil wird verkürzt, es werden Unterrichtsformen aus dem letzten Jahrtausend vorgeschrieben, Coaching soll gemacht werden, obwohl das nie erlernt wurde in der Fahrlehrerausbildung. Die neuen Fahrlehrer-Assistenten können ohne einer Prüfung vor einer Kommission dann unsere Kinder ausbilden und das wird dann als schlanker, effizienter, besser, moderner und kompetenter bezeichnet. Ich würde sagen, dass ein Unterrichtstag mit über insgesamt 12 Stunden (am Tag 8 Stunden Akademie und am Abend dann noch Kursbesuch in der Fahrschule) als absolut nicht pädagogisch sinnvoll bzw. wertvoll bewertet werden kann.
Es sollten Experten mit Fachwissen über Pädagogik, Lehr- und Lernsysteme einer zeitgemäßen Erwachsenenbildung und Lernpsychologen mit neuen Erkenntnissen in der Erwachsenenbildung bei einer Weiterentwicklung einer Ausbildung dabei sein, nicht nur Personen aus dem Fahrschulbetrieb, die schauen, wie sie schnell zu Personal kommen, welches sie ohne Probleme dann nach der Saison wieder entlassen können.
Es soll für mich als Frau mit einem Kind auch möglich sein, diese Ausbildung zu machen und nicht eine Ungleichstellung darstellen. Eine Akademie sollte auch berufsbegleitend etwas anbieten und ich möchte meine Ausbildung nicht in einer Fahrschule machen, bei der ich damals den Führerschein gemacht habe und mich nicht wohl gefühlt habe.
Fahrlehrer bzw. Fahrschullehrer sind keine Kinder/Jugendliche mehr und wollen als Erwachsene auch lernen und ausgebildet werden.
- im Kern bleibt der Vorschlag aber, was es ist- zurück zum Probefahrlehrer, wo ich nicht weiß, ob ich am ende der Saison weiter einen Job habe!