Stellungnahme zu Ministerialentwurf
Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz über die gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe (MTD-Gesetz 2024 – MTDG)
Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlamentsdirektion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.
Inhalt
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich danke für diese demokratische Möglichkeit eine Stellungnahme abzugeben.
Ausbildung
Bei der letzten rechtlichen Veränderung der Ausbildung zum Physiotherapeuten*In wurden zwingend notwendige Veränderungen vorgenommen. So wurden die wissenschaftliche Forschung und Arbeit aufgewertet. Dies hat den Sinn um evidenzbasierte Physiotherapie voran zu treiben. Dies war ein wichtiger Schritt. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass Physiotherapie ein Hands-on Beruf ist. Unsere praktischen Fähigkeiten sollten hierbei nicht zu kurz kommen. Leider wurde in der letzten Novelle nicht der Umfang der Ausbildung erhöht. Dies hatte zur Folge, dass praktischer Unterricht gekürzt wurde und die Auswirkungen dessen sehe ich in der Praxis immer häufiger. Ich schlage daher vor in Betracht zu ziehen, dass die Ausbildung zum Physiotherapeuten*In um 2 weitere Semester erweitert wird. Von Vorteil wäre hierbei eine universitäre Möglichkeit für einen Abschluss.
Therapiemaßnahmen
Ebenso wurde bei der letzten Novellierung ermöglicht, dass Therapeut*Innen Nadelstichverletzungen im Zuge einer Laktatmessungen durchführen dürfen. Unsere MTD-Kollegen*Innen die Hebammen dürfen derzeit schon Akupunkturnadeln für die Geburtsvorbereitungen setzen. In logischer Konsequenz sollte es auch Therapeuten möglich sein, andere Nadelstichverletzungen wie zum Beispiel bei der Akupunktur oder Dry Needling durchzuführen. Da Schmerzpatienten nicht zu mehreren Behandlungsstellen mit Extrakosten gehen müssen, würde das zu einem starken Benefit für die Patient*Innen führen.
Forschungsmöglichkeiten
Wie unter Punkt Ausbildung aufgeführt, wurden in der Ausbildung der Physiotherapeuten*innen, die wissenschaftlichen Unterrichtsfächer erhöht. Daraus ergibt es die logische Konsequenz, dass auch Forschungsstellen an Universitäten geschaffen werden sollten. Zusätzlich bin ich der Meinung, dass die Physiotherapie sehr viel Potential hat die medizinische Forschung zu bereichern. Da Physiotherapeuten keine großen Überschneidungen mit einer finanzierenden Industrie haben sind unsere Forschungsmöglichkeiten derzeit sehr eingeschränkt. Die Physiotherapie kann aber sehr viel bieten. Da wir als Berufsgruppe große Erfahrungen mit der Entstehung und Behandlung von Schmerzpatienten, Unfallvermeidung durch Sturzprophylaxe, uvm. haben, sind wir eine der bestgeeignetsten Berufsgruppe um in Dieser zu forschen. Wir bringen sozusagen einen neuen Blickwinkel in diesen Teil der Forschung. Wir können zum Beispiel mit ausreichenden Forschungsplätzen Konzepte zur Vermeidung von körperlichen Überlastungen entwickeln. Diese können dann in Berufsschulen und anderen Ausbildungsplätzen integriert werden. Als ein Beispiel wäre eine Integration von Rumpftraining in die Ausbildung von Diplomierten Gesundheit und Krankenpfleger*Innen nur sinnvoll.
Mit freundlichen Grüßen aus dem sonnigen St. Johann in Tirol,
Jakob Reischl, MAS MSc