GeoSphere Austria-Gesetz – GSAG, Änderung (6/SN-114/ME)

Stellungnahme zu Ministerialentwurf

Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das GeoSphere Austria-Gesetz – GSAG geändert wird

Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlaments­direktion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Inhalt

Das Österreichische Nationalkomitee für Geowissenschaften (ÖNK) nimmt mit tiefem Befremden und entschiedener Ablehnung Bezug auf den aktuellen Entwurf zur gesetzlich verordneten Umbenennung der traditionellen „Bibliothek“ der GeoSphere Austria in eine „Bücher- und Schriftensammlung“.

Als Vertretung der geowissenschaftlichen Forschungslandschaft in Österreich sehen wir in dieser Maßnahme keinen formalen Verwaltungsakt, sondern einen massiven, rückwärtsgewandten Eingriff in die wissenschaftliche Infrastruktur und die internationale Wahrnehmung unserer Spitzenforschung.

Der Vorstand des ÖNK begründet diese Ablehnung wie folgt:

• Verkennung moderner Wissenschaftsinfrastruktur: Der Begriff „Bücher- und Schriftensammlung“ evoziert das Bild eines statischen, historischen Archivs. Eine moderne Bibliothek, insbesondere an einer forschenden Institution wie der GeoSphere Austria, ist jedoch ein dynamisches Kompetenzzentrum für Informationsmanagement. Sie verwaltet nicht nur “Bücher” und “Schriften” sondern thematische Karten (z.B. geologische Karten), digitale Datenbanken, Forschungsdaten, Open-Access-Publikationen und globale Vernetzungsstrukturen. Der Begriff „Bibliothek“ steht international für diese lebendige Schnittstelle der Wissenschaft. Der vorgeschlagene Ersatzbegriff degradiert sie fälschlicherweise zu einem reinen Aufbewahrungsort.

• Internationaler Schaden für den Forschungsstandort: Die GeoSphere Austria agiert auf internationalem Top-Niveau. In der globalen Scientific Community ist die „Library“ ein feststehender, standardisierter Begriff. Eine Umbenennung in ein sperriges, international unübersetzbares Konstrukt wie „Bücher- und Schriftensammlung“ isoliert die Institution sprachlich und bürokratisch. Es erschwert die internationale Kooperation und schwächt die Marke der österreichischen Geowissenschaften.

• Unnötiger bürokratischer und finanzieller Aufwand: Die Umbenennung zieht einen enormen administrativen Rattenschwanz nach sich, von der Anpassung digitaler Kataloge, Datenbanksysteme und internationaler Register bis hin zu Briefköpfen und Beschilderungen. In Zeiten, in denen Ressourcen primär in die Bewältigung der Klimakrise und die geowissenschaftliche Forschung fließen sollten, ist diese rein kosmetische und inhaltlich kontraproduktive Maßnahme eine eklatante Fehlallokation von Mitteln.

Die geplante Umbenennung ist ein Schritt rückwärts, der den Anforderungen einer modernen, digitalisierten und international vernetzten Forschungslandschaft diametral widerspricht. Das Österreichische Nationalkomitee für Geowissenschaften fordert die politisch und administrativ Verantwortlichen daher nachdrücklich auf, von dieser gesetzlichen Änderung Abstand zu nehmen und den etablierten, zukunftsfähigen Begriff „Bibliothek“ beizubehalten.

Stellungnahme von

Österreichisches Nationalkomitee für Geowissenschaften (ÖNK); Vorstand