Stellungnahme zu Ministerialentwurf
Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das GeoSphere Austria-Gesetz – GSAG geändert wird
Bei den Stellungnahmen handelt es sich nicht um die Meinung der Parlamentsdirektion, sondern um jene der einbringenden Person bzw. Institution. Mehr Informationen finden Sie in den Nutzungsbedingungen.
Inhalt
Die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB) nimmt zu den Änderungen in § 4 Abs. 3 Z 8 lit. e Stellung: Darin wird vorgeschlagen, den Begriff „Bibliothek“ durch „Bücher- und Schriftensammlung“ zu ersetzen. Als Begründung wird angegeben, dass dies „aus Effizienzgründen“ passiert, und ein Großteil der Literatur „mittlerweile nur noch digital zur Verfügung steht“.
Die Bibliothek der Geosphere Austria wurde 1850 als wissenschaftliche Bibliothek eingerichtet, mit dem Auftrag, die Geowissenschaften, Meteorologie und Klimatologie bundesweit zu dokumentieren und die aktuelle Forschungsliteratur zur Verfügung zu stellen. In dieser Zeit entstand eine Forschungsbibliothek ersten Ranges, die in der Vergangenheit die Spezialliteratur aus diesen Fächern gesammelt hat. Heute ist die Literatur in den genannten Fachbereichen zwar weitgehend digital verfügbar, aber der Auftrag einer Bibliothek hat sich weit über das reine Sammeln von Literatur weiterentwickelt.
Heute sind Bibliotheken zentrale Serviceleisterinnen für die Forschung. Sie sind wichtige Akteure im Handlungsfeld des wissenschaftlichen Publizierens, gerade die Transformation in Richtung Open Access/Open Science hat die Rolle von Bibliotheken deutlich erweitert. So sind sie wichtige Clearingstellen für das Monitoring von Publikationskosten, im Subskriptionsmanagement von elektronischen Zeitschriften oder in der Organisation von Publikationsfonds. Darüber hinaus verwalten Bibliotheken nicht nur die in den Fachbereichen erscheinende Literatur, sie unterstützen auch bei der Dokumentation der an der Geosphere entstandenen Forschungsdaten und verknüpfen diese mit den entsprechenden persistenten Identifikatoren und Normdaten. Damit bleibt der Forschungsoutput der Organisation dauerhaft sichtbar und zitierbar. Letztlich sind Bibliotheken heute Orte der Generierung und Organisation von Wissen. Dafür arbeiten sie eng vernetzt mit den Forschenden und Wissenschaftsorganisationen und unterstützen mit ihren Kompetenzen wesentlich die wissenschaftliche Reputation der Organisation.
Die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare schlägt daher vor, den Begriff „Bibliothek“ unverändert im Gesetzestext beizubehalten.