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Rede von Bundesratspräsident Robert Seeber, 15. März 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Österreicherinnen und Österreicher,

Österreich befindet sich derzeit in einer Ausnahmesituation. Der Bundesrat tritt jetzt zusammen, um jene Gesetze zu beschließen, die es ermöglichen sollen, unsere sozialen Kontakte ab morgen auf das Notwendigste zu beschränken. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Anzahl der Neuer­kran­kun­gen durch das Corona-Virus so weit wie möglich zu verzögern, um eine Überbelastung unseres Gesundheitssystems nach Möglichkeit zu vermeiden.

Gerade wir Mandatarinnen und Mandatare sind in den nächsten Wochen aufgerufen, mit gutem Vorbild voran zu gehen. Die Einschränkung von Kontakten ist heute schon an der Sitzordnung hier im Plenum zu erkennen, die eine größtmögliche räumliche Distanz zwischen den Bundesrätinnen und Bundes­räten schafft, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Die räumliche Distanz muss aber weit über das hinausgehen. Wir müssen unsere sozialen Kontakte in den nächsten Wochen auf das Allernotwendigste beschränken. und dabei unserer Vorbildwirkung für die Republik gerecht werden.

Alle Österreicherinnen und Österreicher sind nun aufgerufen, ihr soziales Leben stärkst möglich einzuschränken. Ich appelliere hier besonders an die vielen Schülerinnen und Schüler sowie an die Studentinnen und Studenten, eure Freizeit in den nächsten Wochen den Umständen anzupassen und zu Hause zu bleiben! Ihr tragt eine große Verantwortung dafür, das Virus, das für euch weniger gefährlich ist als für andere, nicht zu verbreiten und an andere weiterzugeben, die daran ernsthaft erkranken oder sterben könnten.

Wir werden nämlich jene, die für die Aufrechterhaltung eines geordneten Lebens zuständig sind, noch dringend brauchen. Jeder einzelne von ihnen, der in Quarantäne gehen muss, wird uns fehlen.

Nicht zuletzt bedeutet die Weitergabe des Virus an gesundheitlich bereits stärker beeinträchtigte und ältere Personen für diese Lebensgefahr. Ich appelliere daher noch einmal eindringlich, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen! Wer die Gesetze und Empfehlungen der Regierung missachtet, provoziert damit weitere einschränkende Maßnahmen, die alle treffen werden!

Lassen Sie es mich ganz deutlich sagen: Wer möchte denn schon damit leben müssen, seine Sorglosigkeit mit dem Leben anderer bezahlt zu haben?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die nächsten Wochen werden für uns alle nicht einfach werden. Wir werden diese Krise aber überwinden, wenn wir nun über die Parteigrenzen hinweg zusammenhalten, als ein Team mit einem gemeinsamen Ziel, um den Österreicherinnen und Österreichern zu zeigen, dass wir der hohen Verantwortung gewachsen sind und dass wir alle gemeinsam unser Bestes geben.

Viele private Initiativen, die in den letzten Tagen entstanden sind, haben mich sehr beeindruckt und lassen mich trotz aller Besorgnis mit guter Hoffnung in die Zukunft sehen. Gruppen von Menschen etwa, die älteren Nachbarn Hilfe anbieten oder die vielen anderen Freiwilligen, die sich in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen.

Sie und all jene, die jetzt ihre wichtige berufliche Tätigkeit weiter fortführen, stellen jenen Geist der Gemeinsamkeit unter Beweis, der unser Land so lebenswert gemacht hat und auf den wir zu Recht stolz sein dürfen. Ich danke an dieser Stelle allen, die sich nicht nur um sich selbst, sondern - auf welche Weise auch immer - um andere kümmern. Es gibt im Leben nichts Besseres und Erfüllenderes, als anderen zu helfen.

Nützen wir diese Krise, um unser Leben und das unserer Mitmenschen auf diese Weise zu bereichern, halten wir zusammen und befolgen wir die Gebote der Regierung!