News 11.06.2026, 16:00
Budgetrede und Erste Lesung

Doppelbudget 2027/28: Parlamentarische Beratungen haben begonnen

Als viel zu wenig ambitioniert qualifizierte etwa FPÖ-Chef Herbert Kickl die Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung. Statt auf ein gesamtstaatliches Defizit von 3 % hinzuarbeiten, um aus dem EU-Defizitverfahren herauszukommen, müsste seiner Meinung nach ein Nulldefizit angestrebt werden. Nur so sei sichergestellt, dass es einen Puffer für Krisen und ausreichend Budgetmittel für notwendige Investitionen gebe. Zudem warf die FPÖ der Regierung vor, die Bevölkerung übergebührend zu belasten, statt bei staatlichen Strukturen und bei sich selbst zu sparen. Auch die Grünen orten eine falsche Prioritätensetzung: Während für die Energiewende zu wenig Geld zur Verfügung stehe, würden "für Autobahnen durch Naturschutzgebiete" Milliarden ausgegeben. Überdies vermisst Grünen-Chefin Leonore Gewessler einen Beitrag von "Superreichen" zur Budgetkonsolidierung, etwa in Form einer Erbschaftssteuer.

In Form einer Ersten Lesung wurde der Budgetentwurf der Regierung einer ersten Bewertung unterzogen.

Kein Verständnis für die Kritik der Opposition zeigten die Regierungsparteien. Sie wiesen auf die schwierige geopolitische Lage hin. Das Doppelbudget entstehe "in keiner einfachen Zeit", die Bundesregierung habe jedoch Verantwortung übernommen, machte ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl geltend. Zudem wiesen er und seine beiden Amtskollegen Philip Kucher (SPÖ) und Yannick Shetty (NEOS) darauf hin, dass der Budgetentwurf auch "Offensivmaßnahmen" enthalte und die Regierung in Zukunftsbereiche wie Bildung, Pflege, Standortsicherung und Arbeitsmarkt investiere. An der Budgetkonsolidierung führt ihrer Meinung nach kein Weg vorbei, man müsse den "über Jahrzehnte angehäuften Schuldenspeck" abbauen, hob etwa Shetty hervor. Und SPÖ-Klubchef Philip Kucher gab zu bedenken, dass auch FPÖ und Grüne in Zeiten ihrer Regierungsverantwortung "am Budgetloch mitgegraben haben".

Finanzminister Marterbauer will Staatsdefizit bis 2028 auf 3% drücken

Begonnen hatten die Budgetberatungen mit der Budgetrede von Finanzminister Markus Marterbauer. Er wies darauf hin, dass die Regierung bei der Budgetsanierung auf gutem Weg gewesen sei. Die weltweite Energiekrise, die durch den "völkerrechtswidrigen" Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran ausgelöst worden sei, habe Österreich aber "hart getroffen" und würde nun die Trendwende bei der Konjunktur und bei der Inflation gefährden. Ihm zufolge war es deshalb notwendig, ein zweites Sanierungspaket zu schnüren. Es sei im Umfang zwar deutlich kleiner als das erste Paket, war laut Marterbauer aber "um nichts einfacher" auf den Weg zu bringen. Budgetsanierung mache "kein Vergnügen", meinte der Minister, sei aufgrund des "desaströsen Erbes", das die Vorgängerregierung hinterlassen habe, aber unumgänglich.

Konkret sollen laut Budgetentwurf bis 2028 weitere 2,5 Mrd. € konsolidiert werden, um das gesamtstaatliche Budgetdefizit auf maastrichtkonforme 3 % zu drücken. Das soll laut Finanzminister Marterbauer möglichst nachfrageschonend und ausgewogen erfolgen. Gleichzeitig will die Regierung für Offensivmaßnahmen in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt und Pflege sowie für die geplante Lohnnebenkostensenkung zusätzliche Mittel lockermachen, um wirtschafts- und sozialpolitische Impulse zu setzen. Auch strukturelle Reformen würden auf den Weg gebracht, versicherte Marterbauer. "Wir versprechen nicht mehr, als wir halten können. Doch wir liefern glaubwürdig, was möglich ist", meinte er zusammenfassend und zeigte sich überzeugt, dass die Regierung auch die aktuellen Herausforderungen bewältigen kann.

Regierungsbank. Budgetrede Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ)

Defizit von 15,5 Mrd. € im Jahr 2027

Konkret sind im Bundesfinanzgesetz 2027 für das kommende Jahr Einnahmen in der Höhe von 112,7 Mrd. € und Ausgaben in der Höhe von 128,2 Mrd. € veranschlagt. Das entspricht einem Defizit des Bundes von 15,5 Mrd. € bzw. 2,7 % des BIP, berechnet nach den Maastricht-Kriterien. Gesamtstaatlich wird ein Minus von 3,5 % erwartet. Auch 2028 bleibt der Saldo des Bundes bei Einnahmen in der Höhe von 115,8 Mrd. € und Ausgaben von 129 Mrd. € mit 13,2 Mrd. € deutlich negativ. Das Defizit des Bundes würde damit aber auf 2,3 %, jenes des Gesamtstaates auf die Maastricht-Grenze von 3 % sinken. Damit könnte Österreich wie geplant das Defizitverfahren der EU verlassen. Die Staatsschulden sollen weiter – moderat – ansteigen und 2031 bei 85 % des BIP liegen.

Ob die Zahlen halten werden, hängt laut Finanzminister Marterbauer von der Konjunkturentwicklung ab. Sollte der militärische Konflikt im Nahen Osten anhalten und dadurch eine Revision der Wachstumsprognosen für Österreich nötig werden, könnte auch das Defizit steigen. Es gebe ein gewisses budgetäres Risiko, räumte der Minister ein.

Der Budgetentwurf der Regierung sieht für 2027 ein Defizit von 15,5 Mrd. € vor.

Gleichzeitig mit den beiden Bundesfinanzgesetzen 2027 und 2028 hat die Regierung dem Nationalrat auch das Budgetbegleitgesetz vorgelegt: Insgesamt sollen 66 Gesetze novelliert und mit einem Paketsteuergesetz und einem Wald-Wasser-Resilienzgesetz zwei neue Gesetze geschaffen werden.

Weiterer Budgetfahrplan

Nach der Ersten Lesung wird das Doppelbudget 2027/28 dem Budgetausschuss zur weiteren Beratung zugewiesen. Dieser hat zum Auftakt der Ausschussberatungen am 26. Juni ein öffentliches Hearing geplant. Danach werden die einzelnen Budgetkapitel zunächst im Ausschuss und später im Plenum diskutiert. Der endgültige Budgetbeschluss ist für den 10. Juli in Aussicht genommen, wobei sowohl im Zuge der Ausschussberatungen als auch der Plenardebatte noch Adaptierungen möglich sind.

Am 10. Juli soll das Budget beschlossen werden. Davor gibt es noch ein öffentliches Expertinnen- & Expertenhearing.