Therese Schlesinger

Therese Schlesinger (geb. 1863, gest. 1940), setzte sich unter anderem mit Zentralküchen für Arbeiter:innenfamilien ein.

Unbändiger Drang nach Bildung

Therese Schlesinger (geborene Eckstein) entstammte einer großbürgerlichen jüdisch-liberalen Familie. Ihre Geschwister Gustav Eckstein, Emma Eckstein und Friedrich Eckstein machten sich ebenfalls für die Sozialdemokratie stark.

Das Elternhaus vermittelte den Kindern eine liberale Erziehung. In der eigenen Fabrik wurden sozialpolitische Modelle zur Verbesserung der Situation der Arbeiter:innen umgesetzt. Dies beeinflusste das Denken und Handeln von Therese Schlesinger stark. Sie selbst hatte Zeit ihres Lebens einen enormen Drang nach Bildung. Da Frauen nicht studieren durften, hatte sie aber nur Volks- und Bürgerschule besucht.

Große Ziele, privates Unglück

Ihr Privatleben war nicht sehr glücklich: Bei der Geburt ihrer Tochter infizierte sie sich mit Rotlauf, was ihr bleibende Lähmungen und schwere gesundheitliche Probleme bereitete. Ihr Mann starb nach nur zweieinhalb Jahren Ehe. Das Elend der Arbeiterschaft wurde ihr Lebensthema, zunächst noch als Vertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung.

Sie wurde Sozialdemokratin

Therese Schlesinger las und publizierte politische Schriften und fühlte sich immer mehr den Sozialdemokrat:innen verbunden. Sie wurde Parteimitglied und am 4. März 1919 schließlich eine der ersten weiblichen Abgeordneten in der Konstituierenden Nationalversammlung. 1923 wechselte sie vom Nationalrat in den Bundesrat, dem sie bis 1930 angehörte.

Moderne Ideen machten sie unbeliebt

Therese Schlesinger gründete eigene Frauensektionen in der Gewerkschaft und den Verein Sozialdemokratischer Frauen und Mädchen. Mit ihrem Einsatz für die Frauen stieß sie auch in der eigenen Partei auf Widerstand.

Ihre wichtigsten Forderungen waren gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche politische Rechte für Frauen und Männer, Arbeitszeitverkürzung für Mütter, staatliche Mutterschaftsversicherung und eine allgemeine Kinderversicherung. Gemeinsam mit ihren Genoss:innen kämpfte sie für die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs.

Zitat

"Nichts ist kulturfeindlicher als die Demut des Weibes." – Therese Schlesinger

Zentralküchen in Wohnhäusern für Arbeiter:innen

Von Schlesinger stammt auch die Idee, in den Wohnhäusern der Arbeiter:innen Zentralküchen und Wäschereien einzurichten. Der Gedanke dahinter: Frauen hätten dann mehr Zeit für familiäre Beziehungen und Fortbildung.

Bildung als Schlüssel zur Befreiung

Bildung war für Therese Schlesinger der Schlüssel zur Befreiung der Arbeiter:innen von Ausbeutung und bei Mädchen eine unabdingbare Voraussetzung für die Gleichberechtigung.

Linzer Programm und Justizpolitik

In der Justizpolitik vertrat sie die damals ungewöhnliche Auffassung, dass Rache im gesellschaftlichen Umgang mit Kriminellen nichts zu suchen hat. Als Kriegsgegnerin schloss sie sich der Linksopposition um Friedrich Adler an und arbeitete als Vorstandsmitglied des Parteischülervereins "Karl Marx".

Privat hatte Therese Schlesinger Schweres zu ertragen: Ihre Tochter Anna nahm sich 1920 das Leben. 1939 musste Schlesinger mit 76 Jahren wegen ihrer jüdischen Herkunft emigrieren.

Sie starb 1940 in Frankreich.

[Links] Biografie im Österreichischen Parlament  

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