Herbert Scheibner, während des EU-Beitritts FPÖ-Abgeordneter und Generalsekretär, war vom Ausmaß der EU-Zustimmung bei der Volksabstimmung überrascht. Die FPÖ sei historisch gesehen zwar eine "sehr pro-europäisch ausgerichtete Partei" gewesen, seitens der Regierungsparteien seien aber die Anliegen der FPÖ nicht berücksichtigt und kein nationaler politischer Konsens zum Beitritt gesucht worden, begründet Scheibner die ablehnende EU-Haltung der Freiheitlichen.
Neben den Freiheitlichen waren die Grünen vor 30 Jahren ebenfalls dem EU-skeptischen Lager zuzurechnen. Madeleine Petrovic, damals Klubvorsitzende, erinnert sich noch gut an "zeitraubende und intensive Debatten" zum EU-Beitritt innerhalb des Grünen Klubs. Obwohl die Grünen empfohlen hätten, bei der Volksabstimmung gegen den Beitritt zu stimmen, habe man keine antieuropäische Haltung vermittelt.
Mit dem EU-Beitritt ist für Österreich "eine neue Zeit angebrochen", erinnert sich Heide Schmidt, ehemalige Klubobfrau des Liberalen Forums und Dritte Nationalratspräsidentin. Ihr sei 1994 bewusst gewesen, Zeitzeugin einer wesentlichen Entwicklung in der Geschichte Österreichs zu sein.
Niemand der ehemaligen Spitzenpolitiker:innen stellt die EU grundsätzlich in Frage. Einen Austritt Österreichs schließen alle aus. Reformbedarf orten aber mehr oder weniger alle Gesprächspartner:innen. Am häufigsten fällt dabei der Wunsch nach dem Abbau bürokratischer Hürden.