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1980er-Jahre bis heute

Sie gründeten Parteien, kandidierten für die Bundespräsidentenwahl und waren oder sind im Präsidium des Nationalrates: Freda Meissner-Blau, Mag.a Barbara Prammer und Mag. Dr. Heide Schmidt.

Unterpunkte anzeigen Parteigründerin und erste Klubchefin Österreichs: Freda Meissner-Blau

Freda Meissner-Blau wurde am 11. März 1927 in Dresden in eine großbürgerliche Familie geboren. Der Vater entstammte einer altösterreichischen Offiziersfamilie und war Nationalökonom und Journalist. Die Mutter kam aus einer wohlhabenden Beamtenfamilie.

Bewegte Kindheit: Anschluss, Exil und Rückkehr

Die ersten drei Lebensjahre verbrachte Freda Meissner-Blau (geborene Meissner-Hohenmeiss) in Reichenberg (Nordböhmen), dem Heimatort ihrer Mutter. Dann übersiedelte die Familie nach Linz, wo sie den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich erlebte.

1938 übersiedelte die Familie nach Wien. 1939 folgte die Emigration nach England, da sich der Vater journalistisch gegen das NS-Regime betätigt hatte. Nach der Scheidung der Eltern im Exil kehrte die Mutter nach Reichenberg zurück, wo Freda Meissner-Blau die Schule besuchte.

Die Bombardierung Dresdens

Als im Februar 1945 die russischen Truppenverbände näher rückten, entschloss sich die 18-Jährige allein zur Flucht nach Westen und erlebte die Bombardierung Dresdens. 1947 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie Journalistik und Publizistik studierte und nebenher für die amerikanische Besatzungsmacht arbeitete.

Globetrotterin in Frankfurt, im Kongo und in Paris

Danach ging sie nach Frankfurt und inskribierte Medizin. Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen, den aus weißrussischem Adel stammenden Georges de Pawloff. Mit ihm lebte sie mehrere Jahre in Afrika (Kongo) und Paris.

Die Risiken der Atomenergie

Meissner-Blau arbeitete für die UNESCO. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Übersetzung von Angeboten französischer Konzerne für die Errichtung von Atomkraftwerken. Das machte ihr die Risken der Atomenergie deutlich.

Rückkehr nach Wien

Nach Wien zurückgekehrt, wurde sie 1962 Generalsekretärin des neu gegründeten Instituts für Höhere Studien; ihr Mann arbeitete bei der Internationalen Atombehörde. Die Studentenrevolte 1968 erlebte Freda Meissner-Blau in Paris.

1970 trennte sie sich von ihrem ersten Mann und heiratete den sozialdemokratischen Journalisten Paul Blau, mit dem sie 1972 nach Wien zurückkehrte. Sie wird Bildungsreferentin der ÖMV und tritt der SPÖ bei.

Frontgestalt der Grünbewegung

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurde Freda Meissner-Blau zu einer Frontgestalt der Grünbewegung. Sie arbeitet mit, das Atomkraftwerk Zwentendorf zu verhindern (durch die Volksabstimmung 1978) und ist auch an der Auseinandersetzung um das Donaukraftwerk Hainburg beteiligt (Aubesetzung 1984).

Meissner-Blau trennt sich von der SPÖ und kandidiert im Frühjahr 1986 – bereits als Grüne und als erste Frau - für das Amt des Bundespräsidenten.

Allererste Clubchefin Österreichs

Bei den Nationalratswahlen 1986 steht sie an der Spitze der Liste "Die Grüne Alternative – Liste Freda Meissner-Blau", für die sie auch ins Parlament einzieht. Freda Meissner-Blau wird die erste Klubobfrau in der Geschichte Österreichs.

1988 legte sie ihr Mandat zurück. Journalistisch und in zahlreichen Vorträgen blieb Freda-Meissner-Blau eine aktive Kämpferin für die Umweltpolitik. Neben der Umweltpolitik trat und tritt Freda Meissner-Blau v.a für die Friedenspolitik, gegen AusländerInnenfeindlichkeit und Intoleranz auf.

Nach dem Ausscheiden aus der Politik arbeitet Meissner-Blau für internationale Gremien. Sie ist Schriftstellerin und hält Vorträge.

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Unterpunkte anzeigen Erste Nationalratspräsidentin: Barbara Prammer

Erste Nationalratspräsidentin der Republik Österreich: Barbara Prammer

Geboren wurde Barbara Prammer am 11. Jänner 1954 in Ottnang am Hausruck/Oberösterreich, einer Bergarbeitergemeinde mit langer sozialdemokratischer Tradition. Dieses Umfeld und die politische Aktivität ihrer Familie trugen schon bald zur politischen Sozialisierung Prammers bei, ihr Engagement in der Jungen Generation der SPÖ begann in den 70er-Jahren. Die Grundwerte der Sozialdemokratie prägen ihr Tun in allen ausgeübten politischen Funktionen – was aber ihrer Objektivität als Nationalratspräsidentin keinesfalls entgegenstand. Ihren Auftrag sah sie darin, einerseits zu einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen Regierung und Parlament beizutragen, andererseits aber die Interessen des Nationalrates mit Nachdruck zu vertreten.

Frühes Engagement: AMS, Sozial- und Berufspädagogik

Nach ihrer Matura an der Handelsakademie Vöcklabruck begann Barbara Prammer 1973 ihre Ausbildung beim Gemeindeamt Ottnang. Neben anderen Zuständigkeitsbereichen übte sie auch die Aufgabe als Standesbeamtin aus. 1978 verließ sie ihre Heimatgemeinde, um an der Johannes-Kepler-Universität Linz ein Studium der Soziologie zu absolvieren. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitete sie als Sozial- und Berufspädagogin im Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ). Anschließend war sie bei der AMS Landesgeschäftsstelle Oberösterreich tätig, derzeit ist sie in dieser Funktion karenziert.

Politische Funktionen auf Landesebene, Einsatz für Frauen als Ministerin

Ab 1991 war sie zunächst als Landtagsabgeordnete und Zweite Landtagspräsidentin in der oberösterreichischen Landespolitik tätig. 1995 wurde sie als Landesrätin für Wohnbau, Naturschutz und Verwaltungspolizei das erste weibliche Mitglied der oberösterreichischen Landesregierung und von der Bundes-SPÖ als eine der stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. 1997 wurde Barbara Prammer in die Bundesregierung berufen, drei Jahre lang führte sie als Bundesministerin das Ressort Frauenangelegenheiten und Konsumentenschutz. Im gleichen Jahr übernahm sie auch – bis 2009 - den Vorsitz der SPÖ-Frauen.

Allererste Frau an der Spitze des Nationalrates

Mit der Wahl im Oktober 1999 wurde Barbara Prammer als Abgeordnete in den Nationalrat entsendet, am 16. Juni 2004 wurde sie zur II. Präsidentin gewählt. Von 30. Oktober 2006 bis zu ihrem Ableben am 2. August 2014 war sie Nationalratspräsidentin und damit die erste Frau an der Spitze des österreichischen Nationalrates. Barbara Prammer öffnete das Parlament über die tagespolitischen Themen hinaus für einen gesellschaftspolitischen, wissenschaftlichen und kulturellen Diskurs. Vor allem Jugendliche für die Werte der Demokratie zu sensibilisieren war ihr ein besonderes Anliegen. Der große Erfolg der von ihr initiierten Demokratiewerkstatt im Palais Epstein bestätigt die Wichtigkeit ihres Bestrebens: "Demokratie ist in Österreich zwar eine Realität, aber keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen alle gemeinsam die Demokratie ständig mit Leben erfüllen – ich erinnere an einen Spruch, mit dem vor Jahren in Deutschland zur Wahlbeteiligung aufgerufen wurde: Wenn Du Dich nicht entscheidest, verlasse ich Dich. Deine Demokratie".

Unterpunkte anzeigen Parteigründerin und erste Dritte Nationalratspräsidentin: Heide Schmidt

Die Zeit der Volksanwaltschaft

Heide Schmidt (geborene Kollmann) wurde 1948 in Kempten (Deutschland) geboren. Nach der Scheidung der Eltern übersiedelte sie 1950 mit Mutter und Schwester nach Wien. Die promovierte Juristin arbeitete bis 1988 als Assistentin der Volksanwaltschaft in Wien und war auch für eine "Volksanwalt"-Beratungssendung im ORF tätig. Daneben absolvierte sie das Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Die Zeit in der FPÖ

Mag. Dr. Heide Schmidt wurde1973 Mitglied und 1988 Generalsekretärin der FPÖ. Von 1990 bis 1993 war sie Stellvertreterin des Bundesparteiobmanns Dr. Jörg Haider und 1992 die Kandidatin der FPÖ bei der Bundespräsidentenwahl.

Von 1987 bis 1990 war sie Mitglied des Bundesrats und von 1990 bis 1999 Abgeordnete zum Nationalrat (seit 1993 für das Liberale Forum). Zwischen 1990 und 1994 war sie Dritte Präsidentin des Nationalrates.

Sie etabliert eine neue Partei

Am 4.2.1993 trat Heide Schmidt als Anführerin einer Gruppe weiterer Parteimitglieder aus der FPÖ aus. Sie erklärten das mit dem vorangegangenen FPÖ-Volksbegehren zur Ausländerpolitik. Die Ausgetretenen gründeten eine neue Partei, das Liberale Forum.

Heide Schmidt stand mehrere Jahre an der Spitze dieser Partei, die sich bei den Wahlen 1994 und 1995 erfolgreich schlug und auch den Einzug in drei Landtage schaffte.

Institut für eine offene Gesellschaft

Als Vertreterin des LIF trat Heide Schmidt bei den Bundespräsidentschaftswahlen 1998 an. Bei der Nationalratswahl 1999 scheiterte das Liberale Forum knapp an der Vier-Prozent-Hürde. Schmidt schied daraufhin zunächst aus der Tagespolitik aus und wurde Vorsitzende des auf ihre Initiative hin gegründeten Instituts für eine offene Gesellschaft, einer parteiunabhängigen Privatstiftung. Im Jahr 2000 moderierte Schmidt mit Dieter Moor für ATV die Sendung "Headline Talk".

Im Juli 2008 kehrte Heide Schmidt noch einmal in die Tagespolitik zurück und trat als Spitzenkandidatin für das Liberale Forum bei den vorgezogenen Nationalratswahlen 2008 an. Das LIF scheiterte bei der Nationalratswahl mit einem Stimmenergebnis von 2,1 % an der Vier-Prozent-Hürde und Schmidt erklärte am 30. September 2008 ihren endgültigen Rückzug aus der Politik.

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Unterpunkte anzeigen Erste Präsidentin des Rechnungshofes

Nach hitzigen Debatten und einem ausführlichen Hearing mit acht KandidatInnen wählten die Abgeordneten des Nationalrates im Juni Margit Kraker als erste Frau an die Spitze des Rechnungshofes. Kraker will den Rechnungshof zum "Reformmotor im Staat" machen. Vorschläge dazu gibt es einige, z.B. die 1007 Empfehlungen ihres Vorgängers Josef Moser.

Margit Kraker trat das Amt der Rechnungshofpräsidentin am 1. Juli 2016 an. Sie betonte in ihren ersten Stellungnahmen, dass sie sich für eine unabhängige und wirksame Kontrolle einsetzen werde, da eine gute Kontrolle auch das Vertrauen der BürgerInnen in die Institutionen stärke: "Kontrolle stärkt Demokratie, Kontrolle gehört zur Demokratie."

Die 1950 geborene Steirerin Margit Kraker ist seit Juli 2013 Leiterin des steirischen Landesrechnungshofes und seit 2014 stellvertretendes Mitglied des Präsidiums der Europäischen Organisation der regionalen externen Finanzkontrolle (EURORAI).

Margit Kraker studierte Rechtswissenschaften und absolvierte ihre Gerichtspraxis in Graz, anschließend war sie Assistentin an der Universität Graz.

Weitere berufliche Stationen führten sie nach Wien, wo sie als Klubsekretärin im ÖVP-Klub tätig war.

Kraker leitete das ÖVP-Landtagsklubsekretariat und ab 2000 das Regierungsbüro des damaligen Landeshauptmannstellvertreters Hermann Schützenhöfer. 2007 avancierte sie zur Stellvertreterin des Landesamtsdirektors, bevor sie 2013 zur Landesrechnungshofdirektorin der Steiermark gewählt wurde.

Rechnungshof: Die Präsidentin