News 10.07.2024, 16:55

Grün-Gas-Quote: Bundesrat erhebt Einspruch gegen lückenhaftes Gesetz

Mit dem sogenannten Erneuerbares-Gas-Gesetz wollten die Regierungsparteien eine verpflichtende Grün-Gas-Quote für Gasversorger einführen, um die die Abhängigkeit Österreichs von fossilem Erdgas durch im Inland produziertes Biogas zu reduzieren und damit auch die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Allerdings ist das Vorhaben im Nationalrat an der fehlenden Zweidrittelmehrheit für dafür notwendige Verfassungsbestimmungen gescheitert. Lediglich ein Rumpfgesetz wurde an den Bundesrat weitergeleitet. Aufgrund eines Einspruchs der Länderkammer ist nun allerdings auch dieses vorläufig gestoppt. Wegen der fehlenden Kompetenzdeckungsklausel könne das Gesetz nicht so wie vorgesehen vollzogen werden, wurde der einhellig gefasste Einspruch von ÖVP und Grünen im Wesentlichen begründet.

Die SPÖ teile grundsätzlich die Ziele des Gesetzes, betonte SPÖ-Bundesrätin Bettina Lancaster in der Debatte. Der gewählte Weg sei aber der falsche. Auch die FPÖ hegt nach wie vor erhebliche Bedenken. Umweltministerin Leonore Gewessler hofft dennoch, dass es im zweiten Anlauf gelingen wird, einen Konsens zu erzielen. Man sei der SPÖ bereits in etlichen Punkten entgegengekommen, argumentierte sie. Nach Meinung der Koalitionsparteien wäre eine verpflichtende Biogas-Quote auch ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz und würde die heimische Landwirtschaft stärken. Wird bis zu den Wahlen Ende September keine Einigung erzielt, muss der neu gewählte Nationalrat darüber weiterverhandeln.

64 National­ratsbeschlüsse haben Länderkammer passiert

Die weiteren Beschlüsse des Nationalrats vom 3., 4. und 5. Juli haben den Bundesrat hingegen ohne Einspruch bzw. mit der erforderlichen Zustimmung passiert und können damit im Bundesgesetzblatt kundgemacht werden. Unter anderem standen ein neues Hilfspaket für die Gemeinden, die Auflösung der COFAG, erweiterte Befugnisse für Pflegpersonal und Heimhelfer:innen, ein Telearbeits-Gesetz, die Ausweitung des Verteidigerkostenersatzes, eine neue Podcast-Förderung und rechtliche Erleichterungen für die Errichtung sogenannter Balkonkraftwerke zur Diskussion. Zudem wird es für Konsument:innen künftig einfacher sein, sich an Sammelklagen zu beteiligen. Insgesamt hat die Länderkammer an zwei Sitzungstagen 56 Gesetzesbeschlüsse des Nationalrats, fünf internationale Abkommen und vier Bund-Länder-Vereinbarungen in Verhandlung genommen.

Dringliche Anfrage der FPÖ zur Bildungspolitik

Die Freiheitlichen thematisierten im Rahmen einer Dringlichen Anfrage die Auswirkungen der Migrationspolitik auf Pflichtschulen. Ihrer Meinung nacht treibt die ÖVP das Bildungssystem "in den Ruin". Im Fokus ihrer Argumentation standen dabei mangelnde Deutschkenntnisse von Schüler:innen und dass über 50 Prozent der Kinder in Wiener Pflichtschulen zu Hause nicht Deutsch sprechen würden. Sie thematisierten auch steigende Gewalt und Extremismus in Schulen. Bildungsminister Martin Polaschek betonte, dass man zahlreiche Maßnahmen gesetzt und geplant habe, etwa die Deutschförderklassen eingeführt. Betreffend Gewalt und Extremismus setze man einerseits auf Präventionsarbeit, anderseits auf eine "Null-Toleranz-Politik", wenn es zu Fällen von Gewalt oder Extremismus komme.

Erste Sitzungen unter oberösterreichischem Vorsitz

Die beiden Bundesratssitzungen waren die ersten unter oberösterreichischem Vorsitz. Mit 1. Juli hat Franz Ebner das Amt des Bundesratspräsidenten von der Niederösterreicherin Margit Göll übernommen. Er will die Stärkung des Vertrauens in die Demokratie zu seinem Schwerpunktthema machen. Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer unterstrich in einer Erklärung die Rolle der Bundesländer für das Funktionieren des Gesamtstaates.

Landeshauptmann Stelzer am Rednerpult. Dahinter Bundesratspräsident Ebner am Präsidium.

Zu Gast in der Aktuellen Stunde war Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union zu erhalten, sprach er sich unter anderem für die Stärkung der Innovationskraft von Unternehmen, den Abbau von Bürokratie und eine europaweite Ausbildungsgarantie bis zum 25. Lebensjahr aus.

Zum Auftakt der Beratungen war die steirische SPÖ-Mandatarin Maria Fischer als neues Mitglied des Bundesrats angelobt worden. Sie hat das Mandat von Elisabeth Grossmann übernommen, die ins Europäische Parlament gewechselt ist.